Lanxess-Aktie: Chemtura-Deal sorgt für Rückenwind

Lanxess-Aktie: Chemtura-Deal sorgt für Rückenwind. Aktie trotz Rekordzahlen mit Abgabedruck. Euphorie nach Buffett-Einstieg verflogen (Foto: 360b / shutterstock.com)

Vor wenigen Monaten sorgte der Einstieg der Investmentlegende Warren Buffet bei den Anlegern des Kölner Spezialchemiekonzerns Lanxess für Euphorie. Nachdem Buffett seine Position über seine Rückversicherungstochter General Reinsurance auf knapp 5% erhöht hat, kletterte die Aktie kurzfristig auf 74 Euro und markierte damit ein neues Allzeithoch.

Mittlerweile ist die Jubelstimmung verflogen. Nach Vorlage der Zahlen sackten die Papiere der ehemaligen Bayer-Tochter gestern um 4% in den Keller (64 Euro). An den Rekordergebnissen dürfte dies aber nicht gelegen haben. Vielmehr hat der konservative Ausblick die Anleger offenbar enttäuscht.

Lanxess im Porträt

Der Spezialchemiekonzern Lanxess ist einer der bedeutendsten Chemie- und Polymeranbieter Europas. Das Produktsortiment reicht von Festkautschuken, Kunststoffen und synthetischen Fasern über hochwertige Grund- und Feinchemikalien bis hin zu Chemikalien für die Lederindustrie. Mit seinen Auslandsgesellschaften ist Lanxess auf allen wichtigen weltweiten Chemie- und Polymermärkten vertreten und produziert an rund 30 Standorten.

Chemtura-Übernahme beschert Rekordergebnis

Der Spezialchemiekonzern hat nach der Übernahme des US-Unternehmens Chemtura ein Rekordergebnis erzielt. Der Umsatz kletterte 2017 um 25,5´% auf 9,7 Milliarden Euro. Die Integration von Chemtura kostete aber zunächst einmal. Hinzu kam eine einmalige Belastung durch die US-Steuerreform.

Unter dem Strich verdiente Lanxess mit 87 Millionen Euro fast 55% weniger als im Vorjahr. Bereinigt um diese und einige andere Einmaleffekte verbesserte sich der Überschuss hingegen um 54% auf 379 Millionen Euro deutlich überproportional.

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Größter Zukauf der Firmengeschichte

Mittlerweile macht sich also der Erwerb des US-Konkurrenten Chemtura deutlich positiv bemerkbar. Sie müssen wissen: Vor gut eineinhalb Jahren hat Lanxess für den Rivalen aus den USA immerhin knapp 2,4 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Damit war der Deal der größte Zukauf in der kompletten Firmengeschichte.

Hintergrund war, dass der Kölner Konzern mit der Übernahme sein Geschäft mit Additiven für Schmierstoffe und Flammschutzmittel deutlich ausbauen wollte. Mit dem Zukauf hat sich Lanxess weltweit in die Pole-Position gebracht und vor allem das Geschäft in Nordamerika massiv nach vorne gebracht.

Firmenchef zeigt sich zuversichtlich

Zachert will den Konzern in den kommenden Jahren noch profitabler machen. Das Ziel einer durchschnittlichen Ebitda-Marge (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) vor Sondereffekten zwischen 14 und 18% ab 2021 wurde bestätigt. Für Sie zum Vergleich: Im abgelaufenen Jahr erzielte Lanxess eine Ebitda-Marge von 13,3% (2016: 12,9%). Erreicht werden soll das auch mit einem stärkeren Fokus auf die Spezialchemie. So kauften die Kölner jüngst das Geschäft mit Phosphor-Zusatzstoffen vom Wettbewerber Solvay in den USA.

Weitere Portfolio-Anpassungen in Sicht

Sie können davon ausgehen, dass der Solvay-Deal nicht der letzte Zukauf von Lanxess war. Berichten zufolge haben die Kölner Interesse an der milliardenschweren Spezialchemiesparte des niederländischen Akzo Nobel-Konzerns. Eine Entscheidung dürfte im Verlauf des zweiten Quartals fallen. Unterdessen deutete Firmenchef Zachert an, dass weitere Portfolio-Anpassungen bevorstehen. Vor allem in Asien und Amerika soll die Marktposition über eventuelle Akquisitionen weiter ausgebaut werden.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.