Lanxess-Aktie plötzlich wie beflügelt: Was ist da los?

Zu Beginn der Woche gab es ein Bild, das zuletzt durchaus Seltenheitswert hatte: Die Lanxess-Aktie hat die Spitzenposition im Dax erobert.

Grund dafür waren Meldungen um eine mögliche Veräußerung wenig lukrativer Beteiligungen. Zur Debatte steht Medienberichten zufolge ein Ausstieg aus dem saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco, an dem Lanxess bislang einen Minderheitsanteil hält.

Schwieriges Kautschukgeschäft

Auch an anderer Stelle drückt der Schuh. Das Kautschukgeschäft macht den Kölnern schon seit längerem zu schaffen, nun soll die Konzernsparte neu aufgestellt und offenbar auch zusammengeschrumpft werden.

Überkapazitäten und ein daraus resultierender Preisverfall hatten im vergangenen Jahr für Bauchschmerzen gesorgt – auch bei den Anlegern. Gegen den Markttrend hat die Lanxess-Aktie 2014 zweistellige Verluste verbuchen müssen.

Matthias Zachert, der seit April den Chefposten bei dem Chemiekonzern innehat, stellt nahezu alles auf den Prüfstand. Während in Asien gerade zwei neue Produktionsstätten entstehen, die demnächst den Betrieb aufnehmen sollen, werden andere Standorte wohl dem Sparkurs zum Opfer fallen.

Mit den Standorten werden darüber hinaus auch Arbeitsplätze gestrichen. Bis Ende nächsten Jahres soll die weltweite Belegschaft um rund 6 Prozent schrumpfen.

Überraschend starker Dezember

Doch es gibt auch gute Nachrichten. So hat die Kautschuknachfrage, die 2014 insgesamt spürbar nachgelassen hatte, im Dezember überraschend wieder angezogen und Lanxess höhere Einnahmen beschert als vermutet. Noch im Herbst hatte der Konzern selbst vor möglichen Verlusten gewarnt.

Die zusätzlichen Dezembereinnahmen trugen jedoch dazu bei, dass das Gesamtergebnis besser ausfiel als gedacht. Auch von den sinkenden Rohstoffpreisen konnte das Unternehmen profitieren.

Das macht sich auch für Anleger bezahlt: Nach einer längeren Schwächephase, die im Frühjahr 2013 eingesetzt hat, scheint die Talsohle vorerst durchschritten. Seit Jahresbeginn 2015 hat das Papier bereits kräftig zugelegt. Derzeit notiert es gut 30 Prozent höher als noch vor einem Monat.

2015-02-11 Lanxess

Analysten raten zu Gewinnmitnahmen

Vor diesem Hintergrund erscheinen Gewinnmitnahmen logisch und wahrscheinlich. Analysten raten mehrheitlich dazu, abzuwarten – wer bereits investiert ist, kann auf steigende Kurse hoffen, doch für einen Neueinstieg sehen die meisten das Papier mit derzeit rund 45 Euro als zu teuer an.

Einige raten auch bereits jetzt dazu, die jüngsten Gewinne abzusichern. Mehrere Experten haben in dieser Woche den Daumen gesenkt.

In puncto Kursziel gehen die Meinungen deutlich auseinander. Einzelne rechnen mit einem Absturz auf bis zu 33 Euro, andere sehen Potenzial für das Überschreiten der 50-Euro-Marke. Der Schnitt liegt in etwa beim aktuellen Niveau von rund 45 Euro.

Wohin die Reise geht, bleibt also vorerst abzuwarten. Zumindest kurzfristig scheint eine Konsolidierung bevorzustehen. Mittelfristig wird vieles davon abhängen, wie sich das Kautschukgeschäft weltweit entwickelt – und wie gut es Lanxess gelingen wird, sich darauf einzustellen.

13. Februar 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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