Lattice Semiconductor: Trump grätscht bei Milliardendeal dazwischen

Schon seit Längerem war der geplante Kauf des US-Chipkonzerns Lattice Semiconductor am wackeln:

Seit Anfang August korrigierte die Aktie des Technologie-Unternehmens bereits um gut 20%.

Die Anleger hatten zunehmend Zweifel, ob die 1,3 Mrd. Dollar schwere Übernahme durch die Beteiligungs-Gesellschaft Canyon Bridge Capital Partners auch wirklich durchgeht.

Und diese Zweifel waren vollkommen berechtigt, wie sich jetzt herausgestellt hat:

Trump schiebt der Übernahme einen Riegel vor

Denn der amtierende US-Präsident Donald Trump verbietet den Verkauf des heimischen Chip-Herstellers.

Der Grund ist so einfach wie einleuchtend: Die Regierung befürchtet den Verlust geistigen Eigentums an die Volksrepublik China.

Der US-Finanzminister Steven Mnuchin sah in dem Deal ein Risiko für die nationale Sicherheit der USA. Dabei kommen die Bedenken nicht von ungefähr:

Der Käufer Canyon Bridge Capital Partners steht über Umwege nämlich in Verbindung mit dem Weltraum-Programm der chinesischen Regierung.

Mit dem Verbot folgt die Regierung der Empfehlung der US-Behörde für Auslands-Investitionen (CFIUS), die bereits die Aixtron-Übernahme blockiert hat.

Wer hinter dem potenziellen Käufer steckt

Canyon Bridge ist eine Beteiligungs-Gesellschaft mit Sitz im kalifornischen Palo Alto.

Wie eine Auswertung verschiedener Firmen-Mitteilungen gezeigt hat, verfügt das Private-Equity-Unternehmen über Verbindungen nach China.

Einziger Investor von Canyon Bridge ist demnach der China Venture Capital Fund, der eine Tochter von China Reform Holdings ist.

Diese wiederum gehörte zuletzt komplett dem chinesischen Staatsrat, wie aus Firmen-Dokumenten hervorging.

Rettungs-Anker für Lattice Semiconductor

Dabei wäre der Deal für den US-Chipkonzern die Rettung gewesen. Der Betrieb produziert spezielle Halbleiter, die Abnehmer für ihre Zwecke selbst programmieren können.

Lattice liefert nicht an die US-Armee, aber die beiden wichtigsten Konkurrenten Xilinx und Intel fertigen Chips, die in Militär-Technologie eingesetzt werden.

Operativ könnte es bei Lattice nämlich wahrlich besser laufen:

Trotz einer Verdopplung der Erlöse seit 2002 von 229 auf 427 Mio. Dollar verharrt der Konzern seit 2 Jahren wieder tief in der Verlust-Zone.

Alleine in den zurückliegenden beiden Geschäftsjahren fielen Verluste von über 213 Mio. Dollar an.

Auch der langfristige Blick zeigt Ihnen, wie schwankungsstark das Geschäft des Unternehmens ist:

Seit 2002 konnte der Halbleiter-Hersteller in gerade einmal 5 Jahren die Gewinnzone erreichen.

Aktienkurs reagiert nur kurzfristig

Nach dem Verbot der Übernahme durch Trump reagierte der Aktienkurs nur kurzfristig mit Kurs-Abgaben, bevor eine Gegenbewegung einsetzte.

Das zeigt Ihnen, dass bereits im Vorfeld nur noch die Wenigsten mit einer Übernahme gerechnet haben. Immerhin hatten sich die Untersuchungen der Behörde schon 8 Monate hingezogen.

Mittlerweile notieren die Papiere mit einem Preis von 5,70 Dollar deutlich unter dem Cash-Übernahme-Angebot von 8,30 Dollar, das die Firma schon im November vergangenen Jahres erhalten hatte.

Unterdessen rechnen die Analysten mit einer Trendwende: Geht es nach den Experten, dann klettert der Gewinn je Aktie soll von 0,13 auf 0,51 Dollar nach oben.

Wenn Lattice wirklich abliefern kann, dann sieht die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11 auf den 1. Blick günstig aus.

Nach den starken Schwankungen der vergangenen Jahre ist der Konzern aber erst einmal in der Bringschuld.

15. September 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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