Zalando: Lauert hier die 2. Amazon?

Verschiedene Marken, schnell geliefert – und all das zu einem guten Preis. Das Konzept von Zalando überzeugt. Doch was verspricht die Aktie? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Haben Sie schon einmal einen Freudenschrei wegen neuer Schuhe ausgestoßen; nein? – Dann sind Sie in guter Gesellschaft!

Sollten Sie beim Blick auf neue Treter dagegen regelmäßig ausflippen, dann sagt Ihnen Zalando sicher bereits etwas…

Der Online-Schuhhändler hat sich auch bei Mode etabliert und besticht mit einem großen Sortiment und niedrigen Preisen.

Doch ist das Potenzial nicht so langsam ausgeschöpft? Wir haben das Unternehmen ganz ohne Emotionen für Sie analysiert und erklären Ihnen, ob es wirklich zum Schreien ist:

Gute Zahlen bei Zalando

Zalando wurde 2008 in Deutschland gegründet.

Heute ist er der in Europa führende Online-Versandhändler für Schuhe und Mode, aber auch im kleineren Maßstab für Accessoires, Beauty-Produkte und Sportartikel.

Es wird mit über 1.500 Marken-Herstellern zusammengearbeitet. Das Sortiment reicht von Eigen- über Trend- bis hin zu etablierten Designer-Marken.

Zalandos hohe Bewertung lässt wenig Spielraum.

Nach der Veröffentlichung der Halbjahres-Zahlen verlor die Aktie deutlich, weil diese nicht die Erwartungen erfüllten, dabei können sie sich durchaus sehen lassen:

  • Das Umsatz-Wachstum betrug 21,5%.
  • Die durchschnittlichen jährlichen Bestellungen erreichten mit 3,7 einen neuen Höchstwert.
  • Und die Zahl der aktiven Kunden kletterte alleine im 2. Quartal um 800.000 auf 21,2 Mio., was dem größten Quartals-Zuwachs seit Ende 2015 entspricht.

Bei der Kundenbindung macht der Konzern somit gute Fortschritte. Das hat aber seinen Preis: Die Logistik muss kontinuierlich verbessert werden.

Die hohen Investitionen in schnellere Lieferungen und Retouren, der Ausbau der Kapazitäten und ein höherer Automatisierungsgrad in den Logistik-Zentren haben auf die operative Marge gedrückt.

Nach 5,9% im Vorjahr erreichte sie aktuell 4,9%.

Ausblick

An der Prognose für das Gesamtjahr hat das Management aber festgehalten:

Es wird ein Umsatz-Wachstum in der oberen Hälfte der 20 – 25% Spanne angestrebt, und die bereinigte operative Marge soll zwischen 5 und 6% liegen.

Neben einer reibungslosen Logistik versucht der Konzern die Kunden-Loyalität auch durch die Erweiterung des Sortiments zu erhöhen:

Das Partner-Programm wurde um renommierte Marken wie Nike, Pepe, Lacoste und Esprit ergänzt.

Eine weitere Initiative ist das Vorteils- und Treueprogramm Zet, das sich gerade in der Testphase befindet:

Für 19 € im Jahr erhalten Kunden Vorzüge wie einen früheren Zugang zu Verkaufs-Aktionen, schnellere Lieferungen und persönliche Style-Beratungen.

Fazit: Wir bleiben nüchtern

Zalandos Wachstums- und Innovations-Tempo bleibt zwar hoch, doch flippen wir als nüchterne Analysten deswegen noch lange nicht aus.

Bei Rücksetzern kann der Wert wieder attraktiv werden. Vorher lassen Sie von der Aktie besser die Finger!

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.