Lautlos über die Straßen

Während Elektromobilität in Deutschland noch immer kaum über den Prototypenstatus heraus gekommen ist, sind die Amerikaner schon längst in der Zukunft angekommen.

Insbesondere im fortschrittlichen und sonnigen Kalifornien ist Nachhaltigkeit dermaßen angesagt, dass auch hohe Preise nicht mehr Abschrecken.

Und daher ist es in San Francisco oder Los Angeles keine Attraktion mehr, wenn ein schickes Elektroauto von Tesla lautlos die Straßen unsicher macht – neuerdings sogar mit sensorgestütztem Fahren.

Das kommt nicht nur bei Käufern an, sondern auch bei Investoren.

Die Aktie hat bereits einige Höhenflüge hinter sich. Doch wie gut ist das Unternehmen wirklich?

Tesla Motors wurde 2003 gegründet und hat 2008 als erstes Unternehmen ein Automobil mit einer Batterie aus Lithium-Ionen-Zellen auf den Markt gebracht: den Tesla Roadster, der bis 2012 gebaut wurde.

Die aktuelle Angebots-Palette umfasst die Limousine Model S und den sportlichen Geländewagen Model X. Tesla notiert seit 2010 an der Börse.

Hoher Aktienkurs bringt Cash

Tesla ist noch weit von der Profitabilität entfernt. Im 1. Quartal hat sich der Verlust sogar deutlich vergrößert. Der Umsatz stieg dagegen um 22%. Der Absatz wuchs um 50% auf 14.820 Autos, verfehlte aber die Erwartungen. Der Großteil entfiel auf das 75.000 $ teure Model S.

Beim Model X bremsten fehlerhafte Teile von Zulieferern die Produktion. Im 2. Quartal will Tesla 17.000 Fahrzeuge verkaufen und im Gesamtjahr den Absatz von 50.000 auf 80.000 bis 90.000 erhöhen. Noch ambitionierter sind die mittel- und langfristigen Ziele.

2018 und damit 2 Jahre früher als geplant will Tesla 500.000 Autos produzieren. 2020 soll dann die Marke von 1 Mio. erreicht werden. Die Hoffnungen ruhen auf dem neuen Model 3 für den Massenmarkt, das Ende März vorgestellt wurde und rund 35.000 $ kosten soll.

Das Interesse ist gewaltig. Innerhalb weniger Wochen gingen mehr als 400.000 Vorbestellungen ein. Mit der Auslieferung will Tesla Ende 2017 beginnen. Um die Nachfrage bedienen zu können, muss Tesla seine Produktions-Kapazitäten in kurzer Zeit mehr als verfünffachen.

Die Mittel für die notwendigen Investitionen beschafft sich der Konzern durch den Verkauf von 6,8 Mio. eigener Aktien. Tesla erwartet einen Erlös von bis zu 1,7 Mrd. $.

Durchbruch erst 2017

Ob Tesla seine Ziele erreichen kann, ist fraglich. Das größte Risiko sind Verzögerungen bei der Produktion. Schon das Model X kam mit mehr als einem Jahr Verspätung auf den Markt.

Zudem muss der Konzern seine Qualitäts-Probleme schnell in den Griff bekommen. Wir sind optimistisch und nehmen Tesla mit einer überdurchschnittlichen Erwartung in die Aktien-Analyse auf. Den Breakeven erwarten wir jedoch frühestens 2017.

20. Juni 2016

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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