Lebensmittel-Aktien: Emmi, Kraft Foods und Nestlé

Emmi ist im letzten Jahr dank neuer Produkte, hauptsächlich aber akquisitionsbedingt um 10,6% gewachsen und hat damit unsere Erwartungen übertroffen.

Das organische Umsatzwachstum betrug 1,6%. Alle Sparten lieferten bessere Ergebnisse. Mit zweistelligen Zuwachsraten überzeugten die Sparten Frischprodukte (+12,2%), Pulver/Konzentrate (+15,3%) und Molkereiprodukte (+16,5%). Auf dem Heimatmarkt legte Emmi um 1,1% auf 1,86 Mrd SFr zu und im internationalen Geschäft aufgrund mehrerer Übernahmen um 26% auf 1,44 Mrd SFr. Damit ist der Konzern seinem strategischen Ziel, die Umsätze je zur Hälfte im In- und Ausland zu erwirtschaften, ein großes Stück näher gekommen.

Die Zahlen belegen, dass Emmi seine Angebotspalette in die richtige Richtung verändert hat

Zum Gewinn wird sich das Management erst am 26. März äußern. Die bisherigen Ziele, ein operatives Ergebnis von 140 bis 155 Mio SFr sowie eine Nettomarge von 3%, wurden aber bekräftigt. Für 2014 ist Emmi wegen der guten Verbraucherstimmung auf dem wichtigen US-Markt ebenfalls zuversichtlich, gab aber noch keine konkrete Prognose ab. Wachstums- und Ergebnistreiber dürften auf jeden Fall wieder Akquisitionen und striktes Kostenmanagement sein.

Ende Dezember erfolgte bereits der Erwerb eines 25%-Anteils am US-Jogurthersteller „siggi’s“ (Umsatz: 15,3 Mio SFr). Anfang Januar beteiligte sich Emmi dann zu 50% an Mexideli, Mexikos führendem Importeur von Spezialitätenkäse (Umsatz: 45 Mio SFr). Weitere Zukäufe dürften im Jahresverlauf folgen.

Die Aktie ist trotz der guten Kursentwicklung noch nicht zu teuer.

Unternehmensporträt

Die 1993 gegründete Emmi AG gehört zu den führenden Milchverarbeitern in Europa. Der Konzern konzentriert sich auf die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Molkerei- und Frischprodukten sowie auf die Herstellung von und den Handel mit Schweizer Käse. Die Kunden von Emmi sind der Einzelhandel, der Bereich Food Service (Großhandel, Gastronomie und Hotellerie) und die Lebensmittelindustrie.

Kraft Foods Group kann Umsatz nur leicht steigern

Kraft Foods Group hat im letzten Jahr bei einem Umsatz leicht unter Vorjahresniveau den Gewinn um fast zwei Drittel gesteigert. Geholfen haben geringere Produktionskosten, aber auch ein Sonderertrag von 1,90 $ pro Aktie im Zusammenhang mit der Neubewertung der Pensionslasten. Auf bereinigter Basis ging der Gewinn demnach zurück.

Der freie Cashflow erreichte 1,5 Mrd $. Beim Umsatz gab es Zuwächse in den Sparten Käse, Fertiggerichte sowie im Kanada-Geschäft, die aber die Rückgänge in anderen Bereichen nicht kompensieren konnten. Die Spartenergebnisse sind aber mit denen des vergangenen Jahres nicht vergleichbar.

Der Start ins neue Jahr ging ebenfalls daneben

Es gab Lieferengpässe beim Schmelzkäse Velveeta. Und genau dieses beliebte Produkt fehlte den Amerikanern als Snack im Februar, als sie den Super Bowl und die Winterolympiade in Sotschi vor den Fernsehgeräten verfolgten.

Der Grund: Die US-Konsumenten hatten schon zur Weihnachtszeit außerordentlich viel Velveeta-Käse gekauft. Velveeta ist mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Mio $ eines der wichtigsten Produkte des Konzerns und wird auch als „flüssiges Gold“ beworben. Jetzt drohen nicht nur Umsatzeinbußen, sondern auch ein Prestigeverlust.

Das Management hat keine Jahresprognose abgegeben, aber ein 3 Mrd $ schweres Aktienrückkaufprogramm verabschiedet. Die Dividende pro Aktie wurde zuletzt allerdings nicht angehoben, die Rendite ist jedoch immer noch attraktiv. Wir erwarten in diesem Jahr 18,5 Mrd $ Umsatz und 1,9 Mrd $ Gewinn.

Unternehmensporträt

Kraft Foods Group ist seit der Aufspaltung im Oktober 2012 der viertgrößte Lebensmittelkonzern Nordamerikas. Die Produktpalette umfasst Erfrischungsgetränke, Kaffee, Käse, tiefgekühlte Produkte und weitere Lebensmittel. Bekannte Marken sind Kraft, Velveeta, Maxwell House, Oscar Mayer, Planters und JELL-O.

Nestlé hat im vergangenen Jahr mehr umgesetzt, aber weniger verdient

Die operative Marge hat sich dagegen leicht auf 15,2% verbessert. Das organische Wachstum lag mit 4,6% unter dem Langfristziel von 5 bis 6% und setzte sich aus unverändert 3,1% Absatzwachstum und 1,5% (Vorjahr: 2,8%) Preiserhöhungen zusammen. Dieser Rückgang zeigt: Die Preismacht schwindet.

Verantwortlich für das schwache Abschneiden war nicht nur Europa, sondern auch die Wachstumsverlangsamung in vielen Schwellenländern. Zumindest hat sich das Wachstum im Jahresverlauf von 4,3% im 1. Quartal auf 5,2% im 4. Quartal beschleunigt. Überzeugt haben die Sparten Nutrition (+7,6%), Tiernahrung (+6,8%) und Milchprodukte/Eis (+5,8%). Regional lagen Amerika mit plus 5,2% und Asien/Afrika mit plus 5,6% halbwegs im Plan.

In diesem Jahr könnte es für Nestlé besser laufen

Nestlé erwartet ein organisches Wachstum von etwa 5% sowie eine weitere Margenverbesserung. Helfen soll der Verkauf unrentabler Geschäftsbereiche. Im vergangenen Jahr hatte sich der Konzern bereits von der Diät- und Babynahrung sowie der Beteiligung am Aromen-Hersteller Givaudan getrennt. Jetzt steht der Bereich Tiefkühlkost auf dem Prüfstand. Andererseits soll das Geschäft mit Kindernahrung (Nutrition) sowie Wellness- und Gesundheitsprodukten ausgebaut werden. Erster Schritt ist der vollständige Erwerb des Spezialisten für medizinische Hautpflegeprodukte Galderma.

Jahreszahlen und Ausblick haben nicht überzeugt. Für Nestlé wird es immer schwieriger, sein Ziel von 5 bis 6% organischem Wachstum pro Jahr zu erreichen.

Unternehmensporträt

Nestlé ist der größte Schweizer Industriekonzern und weltweit die Nummer 1 unter den Nahrungsmittelherstellern. Die Palette der Markenartikel umfasst Getränke, Milch- u. Diätprodukte, Babynahrung, Zerealien, Schokolade, Süßwaren, Konserven, (Tiefkühl-) Fertiggerichte, Tierfutter. Bedeutende Beteiligung: L`Oréal (Kosmetik).

19. März 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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