Leerverkäufe bei DAX- und MDax-Aktien: Eine aktuelle Bestandsaufnahme

In der vergangenen Woche habe ich an dieser Stelle über Leerverkäufer bzw. Short-Seller berichtet.

Konkret ging es dabei um den Angriff von Short-Sellern auf das deutsche TecDax-Unternehmen Wirecard, bei dem nun ein sogenannter Short-Squeeze droht.

Auch habe ich Ihnen in diesem Beitrag erläutert, wie Leerverkäufe funktionieren und was ein Short-Squeeze ist.

Abschließend habe ich Ihnen angekündigt, dass Sie in dieser Woche erfahren, warum ich Leerverkäufe nicht generell verurteile und welche deutschen Aktien derzeit die Lieblinge der Leerverkäufer sind.

Warum Leerverkäufer wichtig für den Markt sind

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zu dem Thema weisen darauf hin, dass Leerverkäufer ein wichtiges Korrektiv sind, um Kurs-Exzesse nach oben abzuschwächen.

Wie Märkte funktionieren, wenn es keine Leerverkäufer gibt, zeigt das Beispiel des Immobilien-Marktes:

Hier sind Spekulations-Blasen viel verbreiteter; die größten Börsen- und Wirtschafts-Krisen hatten meist hier ihren Ursprung.

Leerverkäufer sind also in gewisser Weise so etwas wie Finanz-Aufseher der Märkte. Denn sie können nicht auf Dauer gegen ein gesundes Papier oder gegen einen gesunden Staat spekulieren.

Ihre Rechnung geht nur dann auf, wenn dort wirklich etwas im Argen liegt.

Bevor ich gleich darauf eingehe, welche DAX- und MDax-Titel derzeit besonders im Fokus der Leerverkäufer sind, möchte ich noch einmal kurz für Sie skizzieren, was Leerverkäufe sind:

Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren. Leerverkäufer verkaufen z. B. Aktien, die sie sich etwa bei Fonds ausgeliehen haben.

Der Plan dahinter: Sinkt der Kurs, können sie die Titel später zu einem niedrigeren Kurs   zurückkaufen und dem eigentlichen Besitzer zurückgeben.

Den Differenz-Betrag zwischen dem Verkaufs- und dem späteren Rückgabekurs streichen die Leerverkäufer als Gewinn ein.

Auf welche DAX-Titel Leerverkäufer aktuell setzen

Der unangefochtene DAX-Favorit der Leerverkäufer ist die Lufthansa-Aktie:

Zum Stichtag 30. August waren noch immer sehr hohe 14,5% der ausstehenden Aktien ausgeliehen. Allerdings waren es schon 11% weniger als einen Monat zuvor.

Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Commerzbank (5%) und Infineon (3,5%). Dahinter liegen die Aktien von VW (3,1%), SAP (2,8%), E.ON (2,7%), Deutsche Bank (2,6%), RWE (2,0%), HeidelbergCement (ebenfalls 2,0%) und Adidas mit 1,8%.

Außer bei VW und E.ON war die Entwicklung der geliehenen Aktien bei allen genannten DAX-Titeln rückläufig.

Welche MDax-Aktien im aktuell im Fokus der Short-Seller sind

Im MDax ist die Aktie von K+S besonders beliebt bei den Leerverkäufern. Per Ende August waren 18,1% der ausstehenden Aktien geliehen. Dahinter folgen Bilfinger mit 10,5% und Ströer mit 8,9%.

Auf den weiteren Plätzen liegen Fraport (7,7%), Hugo Boss (5,5%), Deutsche Wohnen (5,4%), Metro (ebenfalls 5,4%), Dürr (5,3%), Leoni (4,9%) und Alstria Office mit 4,3%.

Bei Fraport, Hugo Boss, Metro und Leoni haben die Short-Seller ihr Engagement zurückgefahren, bei allen anderen genannten MDax-Unternehmen wurden die Leerverkäufe ausgebaut.

Für Sie als mittel- bis langfristig orientierte Privatanleger ist das Thema Leerverkäufe jedoch nur eine Art Randnotiz.

Denn: Leerverkäufer agieren im Gegensatz zu Ihnen eher kurzfristig. Daher können Sie die Leerverkäufer und ihre Leerverkäufe getrost ignorieren.

6. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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