Leerverkäufer von Tesla-Aktien müssen bluten

Tesla Model X RED – shutterstock_759593449 Hadrian

Hat Konzernchef Elon Musk erkannt, dass er Investoren an seiner Seite braucht oder ist alles nur Teil seines großangelegten Masterplans? (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Er hat es wieder getan: Elon Musk, Chef des Elektroautobauers Tesla, hat erneut Aktien des von ihm gegründeten Unternehmens erworben. Wie jetzt bekannt wurde hat Musk zwischen dem 12. und 13. Juni rund 72.000 Tesla-Aktien in einer Preisspanne von 343 bis 347 Dollar pro Aktie an der Börse gekauft. Damit hat er seinen Aktienbesitz auf 33,7 Millionen Stück ausgebaut. Insgesamt besitzt Musk nun Aktien im Wert von 12 Milliarden Dollar.

Bissspuren der Leerverkäufer

Dabei folgten die jüngsten Insiderkäufe Musks nur kurz den vorangegangenen, denn schon im Mai erwarb Musk 33.000 Aktien zwischen 295 und 302 Dollar, nur kurz, nachdem Tesla die Zahlen für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres bekannt gegeben hatte. Unübersehbar waren damals die tiefen Bissspuren in den Schreibtischen der Leerverkäufer, die eigentlich der Meinung waren, dass die Insiderkäufe Elon Musks als Negativmeldung für Tesla zu interpretieren wären.

Als Erklärung für diese eher fragwürde Logik führten sie an, dass wenn Musk von bevorstehenden positiven Meldungen gewusst hätte, er gar keine Tesla-Aktien hätte kaufen dürfen, da er sich sonst des Front-Running-Vergehens schuldig gemacht hätte.

Fakt ist: Alle Leerverkäufer liegen derzeit schief, denn die Aktie steigt und steigt – auch wenn die Fakten allesamt gegen Tesla sprechen: Das Unternehmen verbrennt massiv Geld, der Break-Even ist in weiter Ferne gerückt, und der Vorstandsvorsitzende leistet sich während der Telefonkonferenzen mit Aktionären und Analysten einen Fauxpas nach dem anderen.

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Es geht immer nur um das eine: Preise und Werte

Wenn es um Geld geht, das zeigt der Fall Tesla deutlich, können sich Preise von den fundamentalen Werten abnabeln.

Dass die Abnabelung gerade jetzt passiert, liegt – mal wieder – an dem charismatischen Musk. Dieser sprach auf der letzten Hauptversammlung offen über seine Angewohnheit, viel zu versprechen und wenig zu liefern. Ein bisschen Selbstkritik, und schon scheint ihm der Kapitalmarkt zu glauben, dass Tesla im dritten Quartal profitabel und Cashflow-positiv werden könnte und in Kürze in der Lage wäre, wöchentlich 5.000 Fahrzeuge des Modell 3 zu produzieren.

Kommt nun doch eine Kapitalerhöhung?

Man mag sich fragen, ob Musks ungewohnter Sinneswandel echt ist oder nur Teil seines großangelegten Masterplans. Denn wenn Tesla demnächst eine Kapitalerhöhung plant, dann sind hohe Kurse zweifellos hilfreich. Und dass eine Kapitalerhöhung wahrscheinlich ist, zeigt ein Blick auf die bevorstehenden Projekte: Da ist das Modell Y, mit dessen Massenproduktion Musk in zwei Jahren beginnen will. Da sind Pläne für eine Roadster, da ist der Markteintritt in China, da ist eine Fabrik in Europa. Alle diese Projekte sind mit enormen Investitionszusagen verbunden. In diesem Umfeld tragen Insider-Käufe dazu bei, das erforderliche Vertrauen aufzubauen.

Ungeachtet dessen scheint Musk erkannt zu haben, dass die Vorwürfe über die mangelnde Profitabilität seines Unternehmens gerechtfertigt sind und dass nur eine nachhaltige Rentabilität der Schlüssel zum Erreichen seines Hauptzieles ist, “den weltweiten Übergang zu nachhaltiger, sauberer Energie zu beschleunigen”. Musk weiß sehr wohl, dass er dazu Investoren an seiner Seite braucht.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.