Leifheit-Aktie: Großaktionär steigt komplett aus

Die Aktionäre des Haushaltswaren-Herstellers Leifheit hat es gestern ordentlich durchgeschüttelt.

Der Grund für die 2-stelligen Kursverluste war der Ausstieg der Eigentümerfamilien Schuler-Voith (HOME Beteiligungen GmbH).

Trotz des heftigen Kursabschlags können sich Anleger über eine herausragende Entwicklung freuen. Seit Januar 2009 ging es immerhin um stramme 1.000% nach oben.

Was sind die Hintergründe des Verkaufs? Liegen die besten Zeiten bereits hinter Leifheit? Was können Sie von der zukünftigen Strategie erwarten?

Leifheit-Konzern: Klein aber fein

Der 1959 in Nassau an der Lahn gegründete Konzern zählt mittlerweile zu den führenden europäischen Markenanbietern von Haushaltsartikeln.

Ob Wäschespinnen, Bügeltische oder Küchenzubehör – in nahezu jedem Haushalt kommen Leifheit-Produkte vor.

Mit den Marken Leifheit und Söhnle haben die Nassauer mittlerweile eine Markenbekanntheit von über 90% erreicht. Die Firma ist mit 15 Standorten in über 80 Ländern aktiv.

Bei den Erlösen ging es in den vergangenen Jahren aber nur langsam aufwärts. Von 2010 wurde der Umsatz von 211 Mio. € auf zuletzt 220,7 Mio. € hochgefahren.

Wesentlich beeindruckender entwickelte sich das Vorsteuerergebnis: Die Steigerung von 8,8 Mio. € auf 21,5 Mio. € bedeutet immerhin eine Verbesserung der EBIT-Marge um 5,57%.

Sie müssen hierbei aber beachten, dass Leifheit starken Rückenwind durch den schwachen Euro hat. Bereinigt um Währungseffekte lag das EBIT bei 16,4 Mio. €.

Nach dem Kurssturz (-14%) wird die Gesellschaft an der Börse mit 250 Mio. € bewertet. Bei den Investoren war die Aktie in den vergangenen Jahren aus mehreren Gründen beliebt:

Denn Leifheit gilt als grundsolide. Es gibt keine Bank-Verbindlichkeiten – zum Jahresende schlummerten sogar 62,8 Mio. € an liquiden Mitteln in der Kasse. Die Eigenkapitalquote lag mit 42% ebenso im komfortablen Bereich.

Zum anderen gilt der Konzern als verlässlicher Dividendenzahler: Für 2014 wird die Dividende nochmals auf 1,80 € je Aktie erhöht (Vorjahr: 1,50 €). Damit ergibt sich eine Dividendenrendite von immerhin 3,5%.

Eigentümerfamilien richten sich neu aus

Der Verkauf des Aktienpakets von knapp über 50% erfolgte informierten Kreisen zufolge zu einem Kaufpreis von 49 € und lag damit 16% unter dem Schlusskurs des Vortags.

Die Münchener Investorenfamilie war seit 30 Jahren an Leifheit beteiligt. Während der Patriarch Robert Schuler-Voith operativ noch involviert war, sind die Kinder offenbar an einer Fortführung des Beteiligungs-Geschäfts des Vaters nicht interessiert.

Bereits in 2012 gab es Spekulationen um einen möglichen Verkauf. Unterschiedliche Preisvorstellungen ließen die Bemühungen jedoch im Sande verlaufen.

Im Zuge der Nachfolge-Regelung trennte sich die Familie bereits in 2012 von einem großen Beteiligungspaket an der Schuler AG (38,2%).

Marge soll weiter gesteigert werden

Das Management peilt bei einem Erlöszuwachs von 5 bis 6% pro Jahr eineEBIT-Marge von 8% an (zuletzt um Fremdwährungs-Effekte bereinigt: 7,4%). Zusätzlich soll das Wachstum durch eventuelle Zukäufe angekurbelt werden.

Der Ausstieg des Großaktionärs erfolgte auf dem Allzeithoch der Leifheit-Aktie. Nach dem Kurssturz ist die Aktie aber weiterhin nicht ganz günstig.

In den vergangenen Jahren war Leifheit noch fast für den Buchwert zu haben. Mittlerweile müssen Anleger das 2,5-Fache des Buchwerts auf den Tisch legen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22 für das laufende Jahr zeigt ebenfalls, dass sich das Papier hoher Beliebtheit erfreut. Ein Grund könnte die solide Bilanz und das defensive Geschäftsmodell sein.

24. April 2015

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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