Leitzinsen in Europa bleiben vorerst niedrig

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Über die negative Seite der Leitzinserhöhung wird wenig gesprochen. Hier erfahren Sie alles dazu. (Foto: Ti ser / shutterstock.com)

Im Euroraum wird weiter über eine Leitzinserhöhung der EZB diskutiert. Die Experten sind sich einig, dass eine solche wohl erst im Jahr 2020 kommen wird.

Während die Sparer enttäuscht sind, weil sie ein Vermögen auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern verlieren, jubeln die Schuldner. Denn die Kreditzinsen bleiben weiterhin im Keller.

Aber was wäre, wenn …

… der Leitzins – und damit die daran gekoppelten anderen Zinsen – tastsächlich erhöht werden würde? Um ein solches Szenario realistisch darzustellen, brauchen Sie nur in die USA zu schauen.

Dort wurde der Leitzins in den letzten Jahren von null auf aktuell 1,5 bis 1,75 Prozent erhöht. Und das ist – laut Federal Reserve  – noch längst nicht das Ende der Fahnenstange.

Die negative Seite der Erhöhung des Leitzinses

Wir haben Ihnen aufgezeigt, dass sich in den USA mit der Anhebung der Zinsen eine neue Schuldenkrise für die Bürger anbahnt: Kreditkarten-, Auto- und Hypothekenkredite sind gestiegen.

Alleine die Kreditkartenschulden in sechs Jahren von 840 Milliarden US-Dollar auf 1,03 Billionen US-Dollar.

So sieht die unfassbare Realität aus

Verschiedene Umfragen in den USA brachten Erschreckendes zu Tage. Wirklich erschreckendes.

Wissen Sie, wieviel Prozent der Amerikaner ihre Kreditkarten am Ende des Monats nicht vollständig zurück bezahlen können? Wir waren selbst überrascht, als wir diese Zahlen lasen:

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Vorsicht Zinsfalle: Kreditkarten mit TeilzahlungsfunktionKreditkarten sind immer dann attraktiv, wenn man gerade kein Geld im Portemonnaie hat. Denn mit ihnen kann man immer zahlen, sie werden inzwischen in vielen Geschäften als Zahlungsmittel akzeptiert. Das… › mehr lesen

Es sind rund 60 Prozent, die dazu nicht in der Lage sind. Stellen Sie sich das einmal vor.

Weitere Hiobsbotschaften, die Sie kennen sollten

Doch das ist leider noch nicht alles an diesbezüglichen Hiobsbotschaften. Denn außerdem geben von fünf Amerikanern drei mehr aus, als sie verdienen. Sie leben damit also über ihre Verhältnisse, geraten immer weiter in eine Schuldenspirale, die selten gut aus geht.

All dies zeigt Ihnen auf, dass durch die Leitzinserhöhung – und der damit gekoppelten anderen Zinsen – die Privatverschuldung in den USA drastisch zunimmt. Und wohl leider auch weiter zunehmen wird.

Leitzinserhöhung ist auch ein Damoklesschwert für viele Unternehmen

Doch nicht nur für ver-oder überschuldete Privatpersonen sind steigende Zinsen ein Problem, sondern auch für manchen Unternehmer.

Vergessen Sie nicht, dass gerade in den USA viele kleinere und mittelgroße Unternehmen hoch verschuldet sind. Einen Zinsanstieg können diese nur schwer verkraften.

Die Krux mit dem Libor

Auch das Leihen von Kapital für Unternehmen ist schwieriger geworden. Nur ein Beispiel: Der Libor für eine dreimonatige Dollar-Ausleihungen ist in den letzten zwölf Monaten von rund einem Prozent auf über 2,3 Prozent gestiegen.

Das müssen Unternehmen erst einmal verkraften, sprich erwirtschaften. Viele können das nicht, stehen sie doch bereits mit dem Rücken zur Wand.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.