Leitzinserhöhung ist ein Damoklesschwert für viele Unternehmen

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Ein Blick in die USA zeigt die Blaupause einer Leitzinserhöhung im Euroraum. Mit erschreckenden Daten und Fakten. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Vielleicht fiebern auch Sie einer Leitzinserhöhung im Euroraum entgegen? Schließlich würden dann endlich auch die Zinsen auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern steigen.

Ist das nicht erstrebenswert?

In der Tat, kann man da nur sagen, vorausgesetzt Sie haben tatsächlich Vermögen. Wenn nicht oder wenn Sie gar Schulden haben, dann geht dieser Schuss im sprichwörtlichen Sinne nach hinten los.

Negativbeispiel USA

Am Beispiel der USA (dort hat die Notenbank Federal Reserve den Leitzins in den letzten Jahren mehrmals erhöht – momentan liegt er bei 1,5 bis 1,75 Prozent), haben wir Ihnen bereits das Schreckensszenario aufgezeigt:

Kreditkarten-, Auto- und Hypothekenkredite sind gestiegen. Eine wahre Schuldenkrise bahnt sich an.

So sieht das Schreckensszenario aus

60 Prozent der Amerikaner sind nicht mehr in der Lage, am Ende des Monats ihre Kreditkartenschulden auszugleichen. Drei von fünf leben gar über ihre Verhältnisse. Das ist – gelinde gesagt – mehr als fatal.

Mit Schuld sind die vom einstigen Billigzins (der Leitzins lag 2015 in den USA noch bei 0,00 Prozent) verblendeten Konsumenten, die gekauft haben, dass es kracht. Und auch von den Herstellern und Banken dazu animiert wurden.

Nun kommt das böse Erwachen: Alte Verträge laufen aus bzw. werden neu verhandelt. Zu höheren Zinsen versteht sich. Und dann geht’s für viele los mit der Abwärtsspirale.

Die verheerende Schuldenbilanz der Amerikaner

Doch zurück zu den Privatschuldner in den USA. Eine Studie der Federal Reserve besagt, dass die Schulden der Amerikaner (im 4. Quartal 2017) um 5,2 Prozent gestiegen sind. So schnell wie zuletzt vor zehn Jahren.

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Die Ganz-Jahres-Bilanz sieht noch verheerender aus. So erhöhten sich die Schulden der Privathaushalte 2017 im Vergleich zum Vorjahr 2016 sogar um rund 7,8 Prozent.

Doch das ist noch nicht alles: Auch die Hypothekenschulden nahmen um 3 Prozent zu.

Die Fed wird ihren Weg weitergehen

Die amerikanische Notenbank wird trotz dieses Dilemmas für Privatschuldner und kleinere und mittlere Unternehmen ihren Kurs nicht ändern. Federal-Reserve-Chef Jerome Powell stellte vor Kurzem erst noch die Fortsetzung der moderaten Zinserhöhung in Aussicht. Damit soll die Inflation in Schach gehalten werden.

Wortwörtlich sagte er: „So lange sich die Wirtschaft weitgehend auf ihrem aktuellen Pfad voran bewegt, werden weitere graduelle Anhebungen der Leitzinsen diese Ziele am besten befördern.“

Blaupause für den Euroraum?

Bedenken Sie: Das, was sich in den USA abzeichnet, ist die Blaupause für das Szenario, das eintritt, wenn auch die EZB die Zinsen moderat anheben sollte.

Natürlich gut für die Sparer, aber verheerend für die Schuldner. Bekanntlich hat eine Medaille immer zwei Seiten. Ich habe Ihnen nun beide aufgezeigt.

Wenn Sie nicht mehr zahlen können, dann haben Sie verloren

Sie sehen also: Weder die Banken, noch die Politik interessiert es, was mit Ihnen, dem Bürger und Konsumenten, tatsächlich passiert.

Wenn Sie beispielsweise Ihre Kreditkartenschulden nicht mehr bezahlen können, dann wird sie gesperrt, Ihr Konto womöglich auch. Ihr Haus wird schlimmstenfalls versteigert und Ihr auf Pump gekauftes Auto müssen Sie zurückgeben.

Noch einmal: Denen da oben ist es völlig egal, was die da unten machen. So einfach ist das. Und so wird es auch bleiben.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.