Lenovo – der stille Jäger

Nicht laut, sondern eher leise erobert Lenovo den Weltmarkt. Erst mit PCs, nun folgen Server, Tablets und Smartphones (Foto: JHVEPhotos / shutterstock.com)

Wenn sich Jäger nicht gerade auf einer Treibjagd befinden, geht es bei der Jagd eher leise statt laut zu. Bemüht, jedes störende Geräusch zu vermeiden pirschen sich Waidmann oder Waidfrau ans Wild heran, um es dann waidgerecht zu erlegen. Auch bei der Übernahem von Unternehmen geht es gelegentlich recht leise zu, wenn auch eher selten.

Meist wird mit viel Tamtam und großen Worten die Übernahme angekündigt, abgefeiert und für vollzogen erklärt. Die Medien lieben den Rummel, schließlich gibt es was zu berichten und zu schreiben. Doch es geht auch anders. Wie bei Lenovo. Hier liebt man eher die leisen Worte. Viel Aufheben um seine zahlreichen Firmenübernahmen macht das chinesische Unternehmen nicht, man werkelt lieber still und leise im Hintergrund des medialen Interesses.

Weltmarktführer mit PCs

So war es bereits vor knapp 9 Jahren, als Lenovo überraschend erklärte, für 1,75 Mrd. US-$ die PC- und Notebook-Sparte von IBM zu übernehmen. Und auch 2011 wurde diskret verhandelt, bevor man die Übernahme des deutschen Herstellers und Aldi-Lieferanten Medion AG bekannt gab.

Im Geschäft mit PCs und Notebooks ist Lenovo heute weltweiter Marktführer und hat die ehemaligen Giganten Hewlett-Packard (HP) und Dell hinter sich gelassen, iIm Server-Geschäft versucht man gerade einen neuen Angriff auf den zweiten im Markt, IBM.

Diesem hat man ein Übernahmeangebot für die Hardwaresparte unterbreitet, konnte die unterschiedlichen Kaufpreisvorstellungen bislang jedoch noch nicht miteinander in Einklang bringen. Doch trotz aller Erfolge im PC- und Notebook-Bereich schaut der Vorstand um Konzernchef Yuanqing auch über den Tellerrand hinaus.

Er weiß, die Zukunft des Geschäfts liegt nicht dauerhaft bei PCs und Servern, sie sind lediglich der Einstieg bzw. die notwendige Voraussetzung für zukünftige Aktivitäten. Denn Tablett-Computern und Smartphones gehört die Zukunft, die Datenhaltung erfolgt zukünftig dezentral in der „Cloud“.

Dass diese ominöse Cloud dann schlussendlich nichts anderes ist, als eine Ansammlung weltweit vernetzter Rechenzentren mit gigantischen Serverfarmen, sei nur am Rande bemerkt. Lenovo greift also an. Wieder still und leise, wie es der Firmenphilosophie entspricht. Mit ihrem Smartphone „Le Phone“ ist man im Heimatmarkt China den Koreanern von Samsung bereits dicht auf den Fersen.

Und nun sollen neue Tablets und Smartphones unter den Namen IdeaPad und IdeaPhone den nordamerikanischen und europäischen Markt erobern. Die Tablets mit der Namensergänzung „Yoga“ gibt es hierzulande bereits in der 2. Generation, die neuen Smartphones sollen noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft verfügbar sein.

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Neue Produkte in der Pipeline und reichlich Gerüchte im Markt sorgen dafür, dass sich der Aktienkurs seit einem kleinen Durchhänger im Mai diesen Jahres (die „5“ im Point&Figure-Chart) zuletzt wieder erfreulich nach oben entwickeln konnte.

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Mit guten Geschäftszahlen (Umsatz +15% auf 26 Mrd. Euro, Gewinn +18% auf 3 Mrd. Euro) überzeugte das Unternehmen die Anleger und sorgte für Nachfrage in den Aktien. Dazu kommen neue Übernahmephantasien.

Der finnische Handyhersteller Nokia ist zwar zwischenzeitlich vom Markt, aber Blackberry hat sich ja jüngst zum Verkauf gestellt. Und auch HTC geht es nicht sonderlich gut, ich schrieb darüber bereits vor wenigen Tagen.

Doch trotz der positiven Stimmung, so recht nach oben ausbrechen will der Aktienkurs nicht. Sie sehen es im Point&Figure-Chart, bei 0,80 € (ein Chart in Landeswährung ist nicht verfügbar) liegt ein starker Widerstand (grüne waagerechte Linie), der bislang nicht überwunden werden konnte.

Zwar ist der Aktienkurs nach unten bei 0,67 € gut abgesichert, aber schaue ich mir die heutigen Kurse auf XETRA an, notiert die Lenovo-Aktie mit aktuell 0,772 € nur knapp vor einen Reversal. Bei glatt 0,76 € wäre das Reversal komplett, eine  neue O-Säule wäre zu zeichnen.

Es bleibt also abzuwarten, ob die heutige Kursschwäche nur der allgemein schwachen Marktlage geschuldet ist. Oder ob der Aktienkurs erneut an der Hürde bei 0,80 € scheitert und noch einmal seine Unterstützung bei 0,67 € (rote waagerechte Linie) testet. Unbeachtet der Kursentwicklung in den kommenden Tagen setzte ich Lenovo aber heute auf meine Beobachtungsliste. Denn früher oder später ergibt sich eine passende Kaufgelegenheit. Und die möchte ich nicht versäumen.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.