Lenovo profitiert von Motorola-Übernahme

Der chinesische Elektronik-Konzern Lenovo hat die Investoren und Analysten heute mit erstaunlich starken Geschäftszahlen überrascht. Im zurückliegenden Quartal stieg der Umsatz um 31% auf 14 Mrd. US-Dollar.

Etwa ein Siebtel des Konzernumsatzes ist der Motorola Mobility-Übernahme zu verdanken. Lenovo kaufte erst im Januar 2014 den Smartphone-Hersteller für 2,9 Mrd. Dollar von Google. Die Übernahme hat den Gewinn zwar diesmal noch belastet, doch ist die Entwicklung des Zukaufs hervorragend.

Bieter lernen von Übernahmen

Lenovo-Investoren belohnen die starken Zahlen mit Kursaufschlägen. Im Xetra-Handel schnellt die Aktie am Mittag um gut 6% auf 1,23 Euro hoch. Ziemlich genau 1 Jahr nach Deal-Bekanntgabe notiert die Aktie etwa 40% höher.

Der damals umstrittene Deal war aus heutiger Perspektive alles andere als der befürchtete Fehltritt. Investoren hatten Angst, dass Lenovo zu viel bezahlt hat und die Abschreibungen von morgen schon vorprogrammiert seien.

Das Motorola-Geschäft war unprofitabel und das Lenovo-Ziel, Motorola innerhalb von 18 Monaten zurück in die schwarzen Zahlen zu bringen, schien nicht möglich.

Angesichts der Übernahme-Historie hätten einige Investoren ruhig etwas optimistischer sein können. Verschiedene Studien zeigen, dass Unternehmen, die bereits mehrere Übernahmen gestemmt haben, bei weiteren Übernahmen sehr erfolgreich sind.

Die Bieter lernen also von vergangenen Übernahmen. Und bei Lenovo – mit Übernahmen groß geworden – dürften Chancen und mögliche Integrationsprobleme gut kalkulierbar gewesen sein.

Motorola verdoppelt Smartphone-Verkäufe: Hohe Ziele planmäßig erreicht

Lenovo teilte mit, dass Motorola im vergangenen Quartal über 10 Mio. Smartphones verkauft hat und gut 60% der Geräte außerhalb des chinesischen Heimatmarktes verkauft wurden.

Damit bestätigt sich die vorherige Management-Einschätzung, dass Lenovo mit der Marke auf internationaler Ebene Samsung und Apple Konkurrenz machen kann.

Die Chinesen teilten im Zuge der Übernahme bereits dieses Ziel mit. Das schien vielen Marktteilnehmern zu optimistisch, doch Lenovo ist jetzt sogar früher am Ziel als geplant und klopft mit der Tochter zudem an der Gewinnschwelle.

Guter Deal für Lenovo und die Investoren

Trotz scharfer Konkurrenz im chinesischen Heimatmarkt soll schon im kommenden Jahr das Smartphone-Geschäft 30% der Lenovo-Umsätze ausmachen. Wie wichtig ein wachsender Anteil des Smartphone-Geschäfts ist, wird deutlich wenn der Markt des Lenovo-Hauptgeschäfts betrachtet wird.

Der klassische PC-Markt ist rückläufig und trotz des Ausscheidens vieler Produzenten kein einfaches Pflaster. Wer kann, der sucht in anderen Bereichen nach Wachstum. Lenovo hat dies mit dem Kauf von Motorola und dem IBM-Servergeschäft gemacht.

Mit den gestern veröffentlichten Zahlen hat das Unternehmen gezeigt, dass der Preis für den Motorola-Zukauf berechtigt war, die Strategie stimmt und die Kritiker von damals überzeugt.

3. Februar 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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