Leoni-Aktie auf 10-Jahres-Tief – Wie Sie sich solche Kurseinbrüche ersparen

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Die Leoni-Aktie notiert 80% unter ihrem Rekordhoch von Anfang 2018. Ich zeige Ihnen, wie Sie sich solche Kurseinbrüche ersparen können. (Foto: FabrikaSimf / shutterstock.com)

Aktien sind auf lange Sicht die mit Abstand renditestärkste Anlageklasse. Aber natürlich gibt es auch Werte, die sich enttäuschend entwickeln oder sich über viele Jahre gar als regelrechte “Kapitalvernichter” erweisen. Bestes Beispiel ist die Deutsche Bank, die gerade wieder im Blickpunkt steht. Der DAX-Titel notiert inzwischen über 90% unter seinem Rekordstand.

Ein anderes aktuelles Beispiel ist Leoni. Die Aktie des Autozulieferers liegt mittlerweile rund 80% unter ihrem Allzeithoch von Anfang 2018 und notiert damit auf dem Niveau der Finanzkrise 2009. Auch die Nachrichten, die heute Morgen kamen, konnten dem Kurs nur kurz auf die Sprünge helfen.

Leoni will sich von der Kabelsparte trennen

Heute kündigten die Nürnberger an, dass sie das Geschäft mit Kabeln und Verbindungslösungen verkaufen oder an die Börse bringen möchten. Künftig will sich das Unternehmen auf den Bordnetzbereich fokussieren. Der Erlös aus dem Verkauf oder einem Börsengang der Kabelsparte soll in mögliche Zukäufe für das (zuletzt defizitäre) Bordnetz-Geschäft investiert werden.

Die Leoni-Aktie reagierte zunächst mit Aufschlägen von bis zu 8%, fiel aber umgehend wieder deutlich zurück und rutschte noch am Vormittag unter den Stand des Vortages. Ein Ende der Misere ist vorerst nicht in Sicht.

Hören Sie auf die Signale des Marktes

Ich möchte Ihnen am Beispiel der Leoni-Aktie zeigen, wie Sie sich als Anleger solche Einbrüche ersparen können. Natürlich habe auch ich keine Glaskugel, die mir einen Kursrutsch im Vorfeld ankündigt. Es ist jedoch ausgesprochen selten, dass eine Aktie von heute auf morgen unvermittelt in den freien Fall übergeht.

Vielmehr zeichnet sich die Schwäche einer Aktie meist schon ab, lange bevor es zu einem größeren Kursrutsch kommt. Wenn Sie als Anleger sensibel auf die Signale des Marktes hören, können Sie sich solche Einbrüche in den allermeisten Fällen ersparen. Und dazu brauchen Sie keine tiefgreifenden Kenntnisse der Charttechnik.

Die Schwäche der Leoni-Aktie hat sich schon lange angekündigt

Auch bei Leoni zeichnete sich der Abwärtstrend schon lange ab. Von Mitte 2016 bis Anfang 2018 bewegte sich der Aktienkurs noch in einem dynamischen Aufwärtstrend und erreichte Ende Januar 2018 bei gut 66 Euro ein neues Allzeithoch.

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Seinerzeit konnte sich die Leoni-Aktie aber nicht über ihrem alten Höchststand vom April 2015 (63,57 Euro) etablieren. Bereits eine Woche nach dem Erreichen des Rekordhochs lag der Kurs mit gut 59 Euro schon wieder klar unter dem alten Höchststand. Das erste (kleine) Warnsignal gab es also bereits Anfang Februar 2018.

Zahlreiche Warnsignale kündigten den Kursverfall an

Es folgten schon bald weitere Warnsignale, die ich im Chart eingekreist habe. Nur eine Woche später, Mitte Februar 2018, schloss der Kurs erstmals – wenn auch nur knapp – unter seinem 40-Wochen-Durchschnitt. Der entspricht ungefähr der 200-Tage-Linie, die Sie vermutlich kennen und die Sie in vielen Chart-Tools finden.

Bis dahin war der Rückgang noch eine “normale” Korrektur. Ende März sowie Anfang Mai 2018 gab es jedoch weitere, deutliche Indizien für eine Trendwende. Denn da misslang gleich zwei Mal die Rückkehr über den Gleitenden Durchschnitt, der kurze Zeit später dann auch nach unten abdrehte.

Spätestens mit dem Rückgang unter das Korrekturtief von Anfang April (48,56 Euro) Ende Juni war klar: Bei Leoni hatte sich ein neuer Abwärtstrend etabliert. Selbst wer erst hier verkaufte, konnte sich einen weiteren Kursrutsch um mehr als 70% ersparen.

Setzen Sie auf starke Aktien

Sie sehen, Warnzeichen gab es jede Menge. Natürlich lässt sich aus diesen Signalen nicht schließen, dass es zu einem derart massiven Kursrutsch kommen muss. Aber Anleger, die auf die Signale des Marktes gehört und konsequent darauf reagiert haben, waren längst nicht mehr investiert, als der Aktienkurs so richtig ins Trudeln kam.

Natürlich lässt sich nicht jeder Kurseinbruch vorhersehen. Wenn Sie als Anleger aber konsequent auf starke Aktien setzen und Werte, bei denen der Trend gedreht hat, rigoros aus Ihrem Depot verbannen, können Sie sich auf jeden Fall viel Ungemach ersparen. Meine Empfehlung: Finger weg von “Fallen Angels”!


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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.