Leoni-Aktie: Autozulieferer im Krisenmodus

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Leoni sendet mit massiver Gewinnwarnung neue Schockwellen aus. Deutliche Ergebnisverfehlung treibt Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn. Die Aktie geht in den Sinkflug über. (Foto: FabrikaSimf / shutterstock.com)

So schnell kann es gehen. Kurz vor Weihnachten trieben Übernahmegerüchte die Aktie des deutschen Automobilzulieferers Leoni noch auf über 32 Euro. Ende Januar erreichten die Papiere sogar fast die 35 Euro-Marke bevor überraschend schwache Jahreszahlen eine Verkaufswelle auslösten. Wer im Anschluss auf eine Erholung spekulierte, wurde jäh enttäuscht. Denn am vergangenen Wochenende sendete die Konzernführung neue Schockwelle aus. Die nächste massive Gewinnwarnung hat am Montag für einen neuen Kurskollaps gesorgt und die Aktie um beinahe 20% auf unter 18 Euro nach unten gedrückt.

Was steckt hinter dem Debakel? Wie steht es um die Zukunft des Bordnetzspezialisten? Wie reagieren die Analysten auf die Horrornachrichten?

Leoni – Spezialist für Drähte, Kabel und Bordnetze

Bevor auf die jüngsten Negativmeldungen eingehe, möchte ich Ihnen den Nürnberger Konzern gerne noch näher vorstellen. Leoni ist Europas größter Bordnetzhersteller. Der Konzern liefert Drähte, optische Fasern sowie Kabel und Kabel-Systeme. Dabei macht die Automobilindustrie rund 75% der Gesamtumsätze aus.

Der Konzern hat sich mit mehr als 92.000 Mitarbeitern als globaler Entwicklungs- und System-Lieferant positioniert. Nicht nur Europaweit gehört Leoni zu den führenden Unternehmen. Weltweit liegt das Unternehmen auf Platz 4 der größten Bordnetzhersteller.

Dabei umfasst das Produkt-Spektrum im Bereich Bordnetze einfache Kabelsätze, elektronische Komponenten sowie einbaufertige komplette Bordnetze für PKW und LKW. Ferner werden Hochvolt-Kabel für elektrische Antriebe angeboten. Im Segment Wire & Cable Solutions entwickelt Leoni Drähte und Kabel für die Automobil-Industrie, den Maschinenbau sowie die Medizintechnik, Kommunikations- und Infrastruktur-Projekte sowie Haushalts-Geräte.

Leoni bedient mehr als 70% der globalen Automobil-Produktion

Die Nürnberger haben sich eine aussichtsreiche Position erarbeitet; immerhin werden mehr als 70% der globalen Automobil-Produktion mit ihren Produkten und Lösungen beliefert. Die Firma verfügt über ein ausgesprochen hohes Entwicklungs- und Fertigungs-Know-How. Bordnetze sind “Null-Fehler”-Teile und dürfen nicht versagen. Durch den frühzeitigen Fokus auf Niedrig-Lohn-Länder hatte sich Leoni in der Vergangenheit in einem wettbewerbsintensiven Markt stabile Margen gesichert. Doch dies scheint sich gerade massiv zu ändern.

Gesamtjahresminus nicht mehr ausgeschlossen

Der Satz des Vorstandschefs Aldo Kamper saß: „Das Ergebnis wird deutlich unter dem liegen, was wir bisher prognostiziert hatten.“ Was bedeutet das konkret? Statt einem Vorsteuergewinn (EBIT) von 100 bis 130 Millionen Euro hält Kamper nun auch einen Verlust in 2019 für möglich. Das ist beachtlich. Vor zwei Jahren fuhr der Bordnetzhersteller noch einen Vorsteuergewinn in Höhe von 200,3 Millionen Euro ein.

Die Begründung für die schwache Prognose findet sich in Kosten, die offenbar aus dem Ruder laufen. Vor allem die Kostenplanung im neuen Werk in Merida (Mexiko) ist nicht mehr zu halten. Hier könnte ein Mehraufwand von 20 Millionen Euro anfallen, nachdem bereits im letzten Jahr 50 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant verbucht worden sind.

Personalkarussell dreht sich

Jetzt versucht der Konzern, die Kontrolle wiederzuerlangen und greif hart durch. Der Finanzvorstand Karl Gadesmann trat am Wochenende mit sofortiger Wirkung zurück. Zugleich wurde ein neues Spar- und Strategieprogramm verabschiedet. Dazu gehört, dass sich Leoni von 2.000 indirekten Mitarbeitern plant. Darüber hinaus denkt Leoni über “alle Optionen” für Geschäftsbereiche mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro nach.

Fokus soll zukünftig auf profitablen Projekten liegen

Mit dem Sparprogramm will Leoni die Vorsteuergewinnmarge innerhalb der nächsten drei Jahre wieder um zwei bis drei Prozentpunkte verbessern. Zuletzt lag die Kennzahl bei 2,8%. Von dem ursprünglich geplanten starken Wachstum hat sich die Gesellschaft vorerst verabschiedet. Stattdessen soll der Fokus auf dem Gewinn liegen – wenig profitable Projekte sollen zukünftig nicht mehr umgesetzt werden.

Analysten zeigen sich zurückhaltend

Nach der jüngsten Enttäuschung zeigen sich die Analyten zurückhaltend. Ohnehin hatten die meisten Bankhäuser im Vorfeld nur eine Halte- oder sogar Verkaufsempfehlungen für den Titel vergeben. Allerdings variieren die Kursziele stark. Während die Credit Suisse die Aktie als Halteposition mit Kursziel 30 Euro einstuft, rät die Privatbank Hauck & Aufhäuser zum Verkauf und taxiert lediglich einen Wert von 10 Euro pro Aktie.

Fest steht: Leoni ist in der Bringschuld und muss zeigen, dass sich die vielen hausgemachten Probleme zeitnah lösen lassen. Bis die Rückkehr auf den profitablen Wachstumspfad gelingt, dürfte die Aktie hohen Schwankungen unterliegen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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