Leoni-Aktie: Kabelspezialist muss kleinere Brötchen backen

Anleger des deutschen Kabelspezialisten Leoni hatten im vergangenen Jahr wahrlich nichts zu Lachen:

Mehrfach verfehlte Prognosen ließen den Kurs mächtig nach unten purzeln.

Auf Jahressicht haben sich die Papiere des Technologie-Unternehmens immerhin halbiert.

Nach zwischenzeitlichen Erholungs-Versuchen kamen die Anteilsscheine mit den jüngst veröffentlichten Quartalszahlen abermals kräftig unter Druck.

Wie geht es mit der Aktie weiter? Können die operativen Probleme kurzfristig gelöst werden? Wann kommt der Konzern wieder auf die Erfolgsspur zurück?

Kabel-Kompetenz mit Tradition

Falls Sie den Konzern noch nicht kennen: Das Unternehmen wurde bereits 1917 gegründet und hat sich mit mehr als 60.000 Mitarbeiter zu Europas größtem Bordnetz-Ersteller entwickelt.

Mit einem Jahres-Umsatz von mittlerweile 4,50 Mrd. € nimmt die Nürnberger Firma weltweit den 4. Rang ein.

Leoni ist also ein weltweit tätiger Anbieter von Drähten, optischen Fasern, Kabeln und Kabel-Systemen für die Automobil-Branche sowie weitere Industrien.

Mit 75% Umsatz-Anteil ist die Automobil-Branche aber der mit Abstand wichtigste Abnehmer des Konzerns.

Fest verankert in der Automobil-Industrie

Die blanken Zahlen sind beeindruckend: Die Kunden repräsentieren mehr als 70% der globalen Automobil-Produktion.

Das Unternehmen wird in der Branche oft für seine hohe Entwicklungs-Kompetenz gelobt. Bordnetze sind „Null-Fehler“-Teile und dürfen nicht versagen.

Die frühzeitige Konzentration von Fertigungs-Kapazitäten in Niedrig-Lohn-Ländern  sicherte dem Unternehmen auskömmliche Margen in einem wettbewerbsintensiven und von Preisdruck geprägten Markt.

Allerdings war die Marge im Gesamt-Konzern zuletzt stark rückläufig.

Mit einer Gewinnrendite (Gewinn im Verhältnis zum Umsatz) von 1,71% in 2015 sind die historischen Spitzen-Margen von über 4% wie in 2011 und 2012 in weite Ferne gerückt.

Umsatz- und Gewinn-Einbruch im 1. Quartal

Der Leoni-Konzern machte zum Jahresstart im Vergleich zum Vorjahr keine gute Figur;

Probleme bereitete nach eigenen Angaben v. a. der chinesische Markt, auf dem die Nürnberger fast 25% ihres Umsatzes verloren. In Amerika sorgte v. a. der schwache LKW-Markt für ein Minus von 12%.

Unterm Strich schrumpften die Erlöse auf Konzern-Ebene leicht um 1,8% auf 1,09 Mrd. €. Der Vorsteuer-Gewinn brach mit einem Rückgang um 31% auf 24,4 Mio. € regelrecht ein.

Der Grund lag in der Bordnetz-Sparte, die für knapp 2/3 der Gesamt-Erlöse steht. Hier war Leoni im vergangenen Jahr von einer Auftragsflut kalt erwischt worden:

In einem überlasteten Werk in Rumänien wurden Hals über Kopf Tausende neue Mitarbeiter benötigt, die noch dazu höhere Löhne bekamen, als vom Konzern erwartet.

Konzern-Führung hält an Prognose fest

Trotz des schwachen Jahresauftakts hält Firmenchef Bellé an seiner Jahres-Prognose fest:

Bislang erwartet der Konzern einen leichten Erlös-Rückgang auf 4,4 Mrd. € (Vorjahr: 4,5 Mrd. €). Der operative Gewinn soll von 151 Mio. € auf 105 Mio. € sinken.

Um Kosten zu senken, sollen künftig mehr Ingenieurs-Leistungen von teuren in günstigere Länder verlagert werden. Ausbauen will Leoni etwa bestehende Ingenieur-Center in der Slowakei, in Tunesien oder Marokko.

Analysten rechnen erst in 2017 mit einer nachhaltigen  Trendwende. Dann soll der Gewinn je Aktie von 1,85 € auf immerhin 3,09 € ansteigen.

Damit wäre der Konzern aktuell nicht einmal mit dem 10-fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Spätestens dann dürfte das Anleger-Interesse wieder spürbar zunehmen.

17. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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