Leoni-Aktie: Konzernführung im Blindflug

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Leoni-Management schockiert mit katastrophalen Zahlen und drastisch gesenktem Ausblick. Der Börsenwert schmilzt mit hohem Tempo zusammen. (Foto: FabrikaSimf / shutterstock.com)

Das ist wirklich übel. Wer nach dem Kursdebakel bei der Leoni-Aktie am Freitag (-32%) auf eine kräftige Gegenbewegung am Montag gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Gleich zu Handelsbeginn setzten die Papiere des Automobilzulieferers ihre Talfahrt fort und verloren nochmals über 7% auf nur noch 19 Euro. Damit fällt die Bilanz für die Anleger erschreckend aus.

Auf Zwölfmonatssicht schmolz der Börsenwert um 65% zusammen. Mittlerweile notieren die Papiere auf dem tiefsten Niveau seit 2010. Geht es nach den Analysten der Privatbank Hauck & Aufhäuser ist mit dem Kursrückgang aber noch lange nicht Schluss. Die Experten haben gerade ihr Kursziel auf 10 Euro gesenkt und zum Verkauf der Aktie geraten.

Verwundern dürfte der massive Wertverlust aber wohl niemanden. Leoni hat den Markt mit katastrophalen Zahlen und einer saftigen Gewinnwarnung geschockt. Besonders ärgerlich war, dass die Jahresprognose gut sechs Wochen vor Jahresende noch vom Management bestätigt wurde.

Leoni – Spezialist für Drähte, Kabel und Bordnetze

Falls Sie den MDAX-Konzern noch nicht so genau kennen: Leoni ist Europas größter Bordnetzhersteller. Der Konzern liefert Drähte, optische Fasern sowie Kabel und Kabel-Systeme. Dabei macht die Automobilindustrie rund 75% der Gesamtumsätze aus. Mit mehr als 60.000 Mitarbeitern hat sich Leoni als globaler Entwicklungs- und System-Lieferant positioniert.

Nicht nur Europaweit gehört Leoni zu den führenden Unternehmen. Weltweit liegt das Unternehmen auf Platz 4 der größten Bordnetzhersteller. Besonders beeindruckend: Leoni beliefert mehr als 70% der globalen Automobil-Produktion.

Dabei umfasst das Produkt-Spektrum im Bereich Bordnetze einfache Kabelsätze, elektronische Komponenten sowie einbaufertige komplette Bordnetze für PKW und LKW. Ferner werden Hochvolt-Kabel für elektrische Antriebe angeboten. Im Segment Wire & Cable Solutions entwickelt Leoni Drähte und Kabel für die Automobil-Industrie, den Maschinenbau sowie die Medizintechnik, Kommunikations- und Infrastruktur-Projekte sowie Haushalts-Geräte.

Gesenkte Prognose meilenweit verfehlt

Auch wenn viele Anleger bereits im Vorfeld nicht mehr mit dem Erreichen der Jahresziele gerechnet hatten, war das Ausmaß der Verfehlung gravierend. Obwohl der Umsatz im zurückliegenden Geschäftsjahr auf 5,1 Milliarden Euro kletterte (2017: 4,9 Milliarden Euro), kollabierte der Vorsteuergewinn (EBIT) regelrecht auf 144 Millionen Euro (-36,5%). Für Sie zum Vergleich: Zu Jahresbeginn peilte das Management noch ein Niveau von 235 Millionen Euro an, nach der Gewinnwarnung im Oktober sollten es immerhin noch 196 Millionen Euro werden.

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Besonders brisant: Mitte November wurde das Ziel noch bei Vorlage der Q3-Zahlen bestätigt.  Dass Leoni operativ im vierten Quartal sogar in die Verlustzone (-19 Millionen Euro) rutschte, war daher mehr als eine herbe Enttäuschung für die Anleger.

Sonderkosten verhageln das Ergebnis

Die Erklärung für den dramatischen Einbruch dürfte den Anlegern wenig weiterhelfen. Leoni verwies auf hausgemachte Probleme in der Sparte mit Bordnetzsystemen. Zum einen gab es laut Finanzchef Karl Gadesmann höhere Anlaufkosten für neue Produktionsstätten, die mir rund 10 Millionen Euro zu Buche geschlagen haben.

Als zweiten Faktor nannte Gadesmann, dass geplante Kostensenkungen nicht erreicht worden seien, was den Gewinn ebenfalls um 10 Millionen Euro geschmälert hat. Darüber hinaus hat eine außerplanmäßige Firmenwertabschreibung für einen negativen Effekt in Höhe von 7 Millionen Euro gesorgt.

Alarmierender Ausblick

Besonders erschreckend ist, dass sich die Situation vorerst nicht bessert. Die Nettofinanzschulden sind mit 613 Millionen Euro mittlerweile auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise angestiegen. Für 2019 erwartet Leoni, dass sich der Umsatz nur leicht auf 5,2 Milliarden Euro verbessert. Das operative Ergebnis (EBIT) soll hingegen weiter auf 100 bis 130 Millionen Euro sinken.

Bislang waren die Analysten vom doppelten Niveau ausgegangen. Dabei könnte es sogar noch schlimmer kommen. Denn die zu erwartenden Einmalkosten aus dem geplanten Restrukturierungsprogramm sind in dieser Planung noch gar nicht enthalten.

Mittelfristziele werden gestrichen

Auch von seinen mittelfristigen Zielen hat sich der Kabelspezialist erst einmal verabschiedet. Ursprünglich wollte der Traditionskonzern für 2020 einen Umsatzanstieg und eine Vorsteuergewinnmarge von über 5% vorgenommen. Das hat bei den Anlegern für ebenso viel Verunsicherung gesorgt, wie die komplett gestrichene Dividende. Im letzten Jahr durften sich die Anleger noch über eine Auszahlung von 1,40 Euro je Anteilsschein freuen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.