Leoni-Aktie: Übernahmegerüchte hauchen Aktie wieder Lebensenergie ein

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Leoni Aktie im Aufwind. Europas führender Bordnetzhersteller gerät in das Visier von indischem Autozulieferer (Foto: xiaoliangge/AdobeStock)

Aktie von Automobilzulieferern hatten es in diesem Jahr besonders schwer. Gründe dafür gab es genug. So kämpft die Branche weiterhin mit den Nachwehen aus der Umstellung auf den neuen WLTP-Prüfzyklus. Dabei ist der Stichtag für die Einführung am 1. September schon verstrichen. Seit diesem Tag werden neue Pkws nur noch zugelassen, wenn Emissionen und Verbrauch nach dem WLTP-Messverfahren ermittelt wurden.

Darüber hinaus belastet der schwelende Handelskonflikt ebenso wie eine generelle Absatzschwäche bei den Autoherstellern. Erstmals seit 30 Jahren wird in diesem Jahr ein Rückgang für den chinesischen Automarkt erwartet (-3%). Damit dürften in China „nur“ noch 28 Millionen Fahrzeuge abgesetzt werden.

Wenig verwunderlich, dass die negative Nachrichtenlage auch die Kurse der Zuliefererfirmen deutlich unter Druck gesetzt hat. So kollabierten die Papiere des Bordnetzspezialisten Leoni regelrecht und stürzten von Ende Januar von 65 Euro bis auf zwischenzeitlich 25 Euro in den Keller. Damit scheint jetzt zumindest ein Niveau erreicht, das einen hervorragenden Nährboden für Übernahmegerüchte bildet. Denn diese haben zuletzt für eine deutliche Gegenbewegung gesorgt und den Kurs auf 32 Euro in die Höhe befördert.

Europas Spezialist für Drähte, Kabel und Bordnetze

Leoni ist Europas größter Bordnetzhersteller. Der Konzern liefert Drähte, optische Fasern sowie Kabel und Kabel-Systeme. Dabei macht die Automobilindustrie rund 75% der Gesamtumsätze aus.

Der Konzern hat sich mit mehr als 60.000 Mitarbeitern als globaler Entwicklungs- und System-Lieferant positioniert. Nicht nur Europaweit gehört Leoni zu den führenden Unternehmen. Weltweit liegt das Unternehmen auf Platz 4 der größten Bordnetzhersteller.

Dabei umfasst das Produkt-Spektrum im Bereich Bordnetze einfache Kabelsätze, elektronische Komponenten sowie einbaufertige komplette Bordnetze für PKW und LKW. Ferner werden Hochvolt-Kabel für elektrische Antriebe angeboten. Im Segment Wire & Cable Solutions entwickelt Leoni Drähte und Kabel für die Automobil-Industrie, den Maschinenbau sowie die Medizintechnik, Kommunikations- und Infrastruktur-Projekte sowie Haushalts-Geräte.

Leoni bedient mehr als 70% der globalen Automobil-Produktion

Die Nürnberger haben sich eine aussichtsreiche Position erarbeitet; immerhin werden mehr als 70% der globalen Automobil-Produktion mit ihren Produkten und Lösungen beliefert. Die Firma verfügt über ein ausgesprochen hohes Entwicklungs- und Fertigungs-Know-How. Bordnetze sind “Null-Fehler”-Teile und dürfen nicht versagen. Durch den frühzeitigen Fokus auf Niedrig-Lohn-Länder hat sich Leoni in einem wettbewerbsintensiven Markt bislang stabile Margen gesichert.

Übernahmegerüchte sorgen für Aufwind

Jetzt aber zu den Übernahmespekulationen: Medienberichten zufolge könnte der indische Autoausstatter Samvardhana Motherson Interesse an dem Nürnberger Automobilzulieferer haben. Bislang wurden die Gerüchte von Leoni nicht kommentiert. Wie wahrscheinlich wäre eigentlich eine Übernahme? Bislang zeigten sich die Franken eher abweisend und verwiesen auf den hohen Stellenwert ihrer Unabhängigkeit. Wie lange aber diese Haltung Bestand hat, wird sich erst noch zeigen müssen.

Saftige Gewinnwarnung

Zuletzt hatte der Bordnetz-Konzern nämlich operativ mit heftigem Gegenwind zu kämpfen. Während der Umsatz in den ersten neuen Monaten auf 3,9 Milliarden Euro (+5,4%) anstieg, schmolz das operative Ergebnis auf 163 Millionen Euro zusammen (-12,8%).  Die operative Gewinnmarge sank um immerhin 0,9 Prozentpunkte auf nur noch 4,2%.

Kein Wunder also, dass im Oktober Firmenchef Aldo Kamper die Jahresprognose nach unten schrauben musste. Der Vorstand geht deswegen nun davon aus, dass der Konzernumsatz nur noch leicht auf rund 5,0 Milliarden Euro statt auf mindestens 5,1 Milliarden Euro (2017: 4,9 Mrd. Euro) steigen wird. Das Vorsteuerergebnis (EBIT) wird sich auf dem Niveau des um die positiven Einmaleffekte bereinigten Ergebnis des Vorjahres von 196 Millionen Euro bewegen. Für Sie zum Vergleich: Zuvor war Leoni noch von einem Ergebnis in der unteren Hälfte der Bandbreite von 215 bis 235 Millionen Euro ausgegangen.

Wer hinter dem indischen „Bieter“ steckt

Hinter Motherson Sumi steckt ein Gemeinschaftsunternehmen des indischen Autozulieferers Motherson-Gruppe mit dem japanischen Kabel-Spezialisten Sumitomo Wiring Systems. Der Konzern ist an der Börse in Neu-Delhi gelistet und kommt dort auf einen Börsenwert von umgerechnet 6,2 Milliarden Euro. In der Vergangenheit war Motherson Sumi Übernahmen gegenüber nicht abgeneigt. Zuletzt schluckte der Konzern er die französische Reydel Automotive, die Türverkleidungen und Teile von Armaturenbrettern herstellt. Zu den Kunden der Firma zählt auch Daimler und Volkswagen.

Fazit: Auf dem gesunkenen Kursniveau ist es vollkommen normal, dass es hin und wieder zu Übernahmegerüchten kommt. Strategisch würde eine Kombination von beiden Firmen durchaus Sinn machen. Mit einem Übernahmepreis jenseits der Milliarden Euro Marke dürfte Leoni aber auch für die Inder ein großer Schluck aus der Pulle sein. Erst einmal müsste hierfür die Finanzierung festgezurrt werden. Ob Leoni sich mit seiner 450-jährigen Firmengeschichte dann überhaupt für Gespräche offen zeigt, wird sich erst noch zeigen müssen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.