Leoni-Aktie: Wie es nach dem Kurssturz weitergeht

Leoni-Aktie: Spezialist für Bordnetze weiter im Sinkflug. Umsatzprognose wird erhöht, Margen bleiben aber weiter schwach. Anleger senken den Daumen (Foto: FabrikaSimf / shutterstock.com)

Lange Zeit war die Leoni-Aktie der Liebling der Anleger. Alleine im Jahr 2017 rangierten die Papiere mit einem Kursplus von 78% auf den Hitlisten ganz weit oben. Doch seither stockt es im Getriebe. Seit Februar purzelte die Aktie von über 65 Euro bis auf 35 Euro in den Keller. Anleger, die damals investierten, sitzen nun auf Buchverlusten von über 45%.

Dabei waren die gerade vorgelegten Geschäftsergebnisse auf den ersten Blick gar nicht mal schlecht. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde sogar angehoben. Doch hohe Investitionen drücken vorerst auf den Gewinn. Das wollten die Anleger gar nicht hören und schickten die Aktien in der zurückliegenden Woche weiter in den Keller.

Leoni – Spezialist für Drähte, Kabel und Bordnetze

Leoni ist Europas größter Bordnetzhersteller. Der Konzern liefert  Drähte, optische Fasern sowie Kabel und Kabel-Systeme. Dabei macht die Automobilindustrie rund 75% der Gesamtumsätze aus.

Der Konzern hat sich mit mehr als 60.000 Mitarbeitern als globaler Entwicklungs- und System-Lieferant positioniert. Nicht nur Europaweit gehört Leoni zu den führenden Unternehmen. Weltweit liegt das Unternehmen auf Platz 4 der größten Bordnetzhersteller.

Dabei umfasst das Produkt-Spektrum im Bereich Bordnetze einfache Kabelsätze, elektronische Komponenten sowie einbaufertige komplette Bordnetze für PKW und LKW. Ferner werden Hochvolt-Kabel für elektrische Antriebe angeboten. Im Segment Wire & Cable Solutions entwickelt Leoni Drähte und Kabel für die Automobil-Industrie, den Maschinenbau sowie die Medizintechnik, Kommunikations- und Infrastruktur-Projekte sowie Haushalts-Geräte.

Leoni bedient mehr als 70% der globalen Automobil-Produktion

Die Nürnberger haben sich eine aussichtsreiche Position erarbeitet; immerhin werden mehr als 70% der globalen Automobil-Produktion mit ihren Produkten und Lösungen beliefert. Die Firma verfügt über ein ausgesprochen hohes Entwicklungs- und Fertigungs-Know-How. Bordnetze sind “Null-Fehler”-Teile und dürfen nicht versagen. Durch den frühzeitigen Fokus auf Niedrig-Lohn-Länder hat sich Leoni in einem wettbewerbsintensiven Markt bislang stabile Margen gesichert.

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Wachstum im zweiten Quartal

Im gerade abgelaufenen zweiten Quartal kletterte der Konzernumsatz um 7% auf 1,3 Milliarden Euro. Hierfür waren vor allem die anhaltend guten Geschäfte mit Bordnetz-Systemen, Kabelsätzen und Spezialleitungen für die Automobilindustrie verantwortlich. Besonders der gestiegene Kupferpreis trieb den Umsatz in die Höhe. Sie müssen wissen: Vor allem in der Kabelsparte, die vorwiegend Kupferkabel für die Autobranche und andere Industrien fertigt, spielt der Kupferpreis eine große Rolle.

Beim Vorsteuerergebnis konnte mit 62 Millionen Euro das hohe Niveau des Vorjahres (87 Millionen Euro) nicht übertroffen werden. Aber Sie müssen wissen: Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum gab es einen einmaligen positiven Effekt von 25 Millionen Euro, weil das verkaufte Geschäft mit Haushalts- und Elektrogerätekabeln nicht mehr konsolidiert wurde.

Umsatzprognose rauf – Gewinnprognose unverändert

Für das Gesamtjahr erwarten die Nürnberger nun einen Umsatz in Höhe von 5,1 Milliarden Euro und damit leicht mehr als bislang angepeilt. Allerdings blieb die Gewinnprognose unverändert, was den Anlegern bitter aufstieß. Beim Vorsteuergewinn peilt Leoni weiterhin eine Spanne zwischen 215 und 235 Millionen Euro an, was einer Vorsteuerrendite von weniger als 5% entspricht.

Investitionen steigen kräftig an

Zuletzt stiegen auch die Investitionen kräftig an. Alleine im ersten Halbjahr investierte Leoni 127 Millionen Euro und damit 9% mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch das drückt vorerst auf die Gewinnmarge. Nicht zuletzt der Handelskonflikt in China sorgt bei den Anlegern seit einigen Wochen für Zurückhaltung. Die Auswirkungen auf die Automobilindustrie sind momentan schwer abzuschätzen.

Langfristig zeigt sich die Konzernführung des Kabelspezialisten weiterhin optimistisch. Bis dahin soll die Rendite mindestens die 5%-Schwelle überschreiten. Den Anlegern reicht diese Aussicht momentan nicht. Bis sich die Stimmung in der gesamten Zulieferbranche wieder aufhellt, dürfte die Aktie daher weiter ausgesprochen volatil bleiben.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.