Leoni: Autozulieferer nach Zahlen unter Druck

Für den im MDax notierten Autozulieferer und Bordnetz-Spezialisten Leoni ist 2018 kein gutes Börsenjahr. (Foto: FabrikaSimf / shutterstock.com)

Wenn Sie 2018 Aktien aus der Automobilbranche im Depot haben, kennen Sie das Gefühl: Egal, was diese Unternehmen nach Quartalsende melden, an der Börse finden Analysten und Investoren ein Haar in der Suppe und strafen die Aktien ab.

Das jüngste Beispiel: Der im MDax notierte Autozulieferer Leoni hat gestern seine Quartalszahlen vorgelegt und im Zuge dessen sogar die Umsatzprognose für 2018 leicht angehoben. Dennoch brach die Leoni-Aktie, die sich seit Monaten bereits in einem Abwärtstrend befindet, um weitere 14% ein. Und heute geht es sogar noch weiter abwärts.

Was sind die Gründe dafür, wie ist das Zahlenwerk im Detail ausgefallen und was erwartet das Leoni-Management für das laufende Geschäftsjahr? Diesen Fragen werden wir uns jetzt widmen. Zunächst zu den jüngsten Zahlen.

Umsatz hui, Ergebnis pfui

Im 2. Quartal des laufenden Jahres erzielte Leoni infolge eines lebhaften Geschäfts mit Bordnetzsystemen, Kabelsätzen und Spezialleitungen für die Automobilindustrie einen Umsatz von 1,3 Mrd. Euro, was ein Plus von 6,8% gegenüber dem Vorjahreswert bedeutet. Organisch lag das Plus sogar bei 8,8%.

Der operative Gewinn (EBIT) belief sich in den Monaten April bis Juni auf 62 Mio. Euro und lag damit recht deutlich unter dem Vorjahreswert von 87 Mio. Euro. Hier gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass im Vorjahreszeitraum ein einmaliger positiver Sondereffekt in Höhe von 25 Mio. Euro angefallen ist. Bereinigt um diesen Sondereffekt, liegt das EBIT für das 2. Quartal 2018 exakt auf dem Niveau des Vorjahres.

Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung des 2. Quartals könnte oberflächlich betrachtet also mit „Umsatz hui, Ergebnis pfui“ zusammengefasst werden. Allerdings konnten Sie gerade schon erfahren, dass das operative Ergebnis 2017 (also die Vergleichsbasis für das laufende Geschäftsjahr) um einen nicht unerheblichen Sondereffekt bereinigt werden muss.

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Zweitens hat Leoni allein im zurückliegenden Quartal 70 Mio. Euro in die Hand genommen, um damit in neue Bordnetzwerke zu investieren, den Ausbau der Spezialleitungsfertigung voranzutreiben sowie in die „Fabrik der Zukunft“ in Roth zu investieren.

Die Planungen für das laufende Jahr

Im laufenden Jahr peilt Leoni beim operativen Gewinn (EBIT) nach wie vor eine Spanne von 215 bis 235 Mio. Euro an. Das Ergebnis werde jedoch eher unter dem Mittelwert der Spanne liegen, hieß es seitens des Unternehmens.

Beim Umsatz wird nun ein Wert von 5,l Mrd. Euro erwartet, nachdem man zuvor von einem Umsatz von 5,0 Mrd. Euro ausgegangen war. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag der Umsatz bei 4,9 Mrd. Euro. Leoni hat im 1. Halbjahr 2018 vor allem wegen des höheren Kupferpreises mehr umgesetzt als zunächst erwartet. Daher entschloss sich das Management dazu, die Umsatzprognose leicht anzuheben.

Leoni-Aktie im Blickpunkt

Die Leoni-Aktie notierte vor 7 Monaten noch bei rund 65 Euro. Es folgte ein deutlicher Absturz. Derzeit notiert das Papier rund 45% unter dem Niveau von Januar dieses Jahres. Die Ursachen: Vor allem die schlechte Marktstimmung für nahezu alles, was mit der Automobilbranche zu tun hat.

Sicher ist die Ergebnisentwicklung von Leoni im laufenden Jahr nicht besonders stark, aber dass sich der Aktienkurs annähernd halbiert, halte ich für eine Übertreibung. Spätestens wenn die Stimmung umschlägt und der Ausverkauf von Automobilwerten vorbei ist, sollten Sie die Leoni-Aktie auf Ihrer Beobachtungsliste haben.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.