Leserfrage: Hochfrequenzhandel für Sie im Fokus

Hochfrequenzhandel im Fokus: Winzige Kursdifferenzen, riesige Summen, aber kaum ein Mehrwert für den Gesamtmarkt. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Die Anleger erlebten heute an der Börse eine Achterbahnfahrt. Der deutsche Leitindex DAX lag zeitweise deutlich im Plus, rutschte dann tief in die Verlustzone und kletterte am Ende doch noch auf 9.554 Punkte.

Für diese kurzfristigen Kursschwankungen machen viele Marktbeobachter die modernen Computersysteme und die Hochfrequenzhändler verantwortlich. Dazu passend erreichte mich heute eine Leseranfrage, die sich auf die gestrige Schlussgong-Ausgabe bezog.

Am Dienstag stand hier im Schlussgong die geplante Finanztransaktionssteuer für Aktien und Derivate im Mittelpunkt. In dem Zusammenhang hatte ich auch darüber berichtet, dass diese Steuer größtenteils zwar die Privatanleger treffen wird, aber – wenn sie den Hochfrequenzhandel eindämmen kann – auch einen positiven Beitrag leisten könnte.

Der Schlussgong-Leser möchte jetzt wissen: Was genau ist dieser Hochfrequenzhandel eigentlich und vor allem, was sind die Vor- und was die Nachteile?

Winzige Kursdifferenzen, riesige Summen

Hinter den Hochfrequenzhändlern stehen oft Hedgefonds. Modernste Computerprogramme setzen auf winzige Kursunterschiede an den Börsen. Damit sich der Aufwand lohnt, müssen riesige Summen eingesetzt werden.

Das hört sich spontan wie eine kleine Nische für Spezialfonds an. Die Realität sieht aber anders aus. Experten gehen davon aus, dass die Hochfrequenzhändler in den USA für über 70% der Aktien-Umsätze verantwortlich sind. In Europa liegt die Quote auch schon bei 40%. Tendenz weiter steigend.

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Hochfrequenzhandel besitzt Vor- und Nachteile

Theoretisch ist der Hochfrequenzhandel sogar eine gute Sache für die Börse und auch für uns Anleger. Der Markt wird noch liquider. Das ist die Grundlage für transparente und faire Kurse.

Es gibt allerdings einige Schwachstellen: Zum einen sind die Hochfrequenzhändler unberechenbar. Ziehen sich mehrere große Händler plötzlich zurück, trocknet der Markt schlagartig aus.

Ein solcher Rückzug soll den „Flash-Crash“ im Mai 2010 ausgelöst haben. Damals verlor der Dow Jones ohne Grund plötzlich 1.000 Punkte. Ein weiterer Kritikpunkt: Die riesigen Order-Größen der Hochfrequenzhändler sollen in Stressphasen die Schwankungen verstärken.

Fazit: In ohnehin ruhigen Börsenphasen ist die Wirkung der Hochfrequenzhändler positiv, in stürmischen Zeiten dagegen negativ. Angesichts dieser unglücklichen Wirkung bieten diese Handelssysteme aus meiner Sicht keinen Mehrwert für den Gesamtmarkt.

Transaktionssteuer unter zwei Bedingungen zu befürworten

Wie bereits gestern angedeutet, bin ich nicht grundsätzlich gegen eine Finanztransaktionssteuer. Wenn der Steuersatz zwischen 0,01 und maximal 0,1% schwankt, werden viele private Anleger das kaum spüren. Nur die Hochfrequenzhändler würden stark leiden.

Zweite Bedingung ist, dass die Einnahmen dieser Steuer nicht im allgemeinen Haushalt verschwinden, sondern ein Notfallfonds für Finanzkrisen gebildet wird. Werden diese beiden Bedingungen nicht erfüllt, lehne ich die Steuer strikt ab.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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