Leserfrage: Warum steigt TimeWarner trotz der AT&T-Offerte nicht?

Es war die Sensations-Meldung zu Wochenbeginn: Der US-Telekom-Konzern AT&T will den Medien-Konzern TimeWarner übernehmen.

Kommt es zu einem Deal, liegt das Volumen bei 109 Mrd. Dollar und wäre der bisher größte Deal dieses Jahres.

Das Management des Übernahme-Kandidaten begrüßt die AT&T-Offerte. TimeWarner-Aktionären wird die Annahme des Angebots empfohlen.

Doch obwohl sich die beiden Managements einig sind, ist die Übernahme fraglich.

Aktie trotz Übernahme-Offerte deutlich unter Angebots-Preis: Eine Chance für Privat-Investoren?

Erste Gerüchte über den bevorstehenden Mega-Deal tauchten am vergangenen Freitag auf und sorgten für einen kleinen Kurssprung bei der TimeWarner-Aktie.

Als sich die Gerüchte dann bestätigten, herrschte zunächst große Freude bei den Aktionären des Übernahme-Kandidaten.

AT&T bot umgerechnet 107,50 Dollar je TimeWarner-Aktie in Cash und AT&T.

Der Angebots-Preis lag trotz des bereits moderat angezogenen Aktienkurses 20% über dem Schlusskurs vom Freitag.

Am Montag kletterte die Aktie dann im vorbörslichen Handel in Europa auf 94,80 € (umgerechnet 106,50 USD) und notierte nur wenige Prozent unter den Angebots-Preis.

Doch es folgte schnell die Ernüchterung: Zum Handelsstart in New York fiel das Papier unter den Freitags-Schlusskurs.

Daraufhin erreichte den Übernahme-Sensor eine Mail mit der Frage:

Herr Gravenkötter, wie kann es sein, dass die TimeWarner-Aktie trotz des Übernahme-Angebots fällt? Kann ich jetzt nicht einfach die Aktie am Markt kaufen und das Angebot annehmen? Dann ist mir doch der Gewinn sicher?

Problem 1: Übernahme kann noch scheitern

 Wenn auch Sie im Glauben sind, dass hier Geld verschenkt sind, dann muss ich Sie leider enttäuschen.

Die Abgabe des Übernahme-Angebots ist zwar erfolgt, doch das bedeutet nicht, dass am Ende auch sicher Geld fließt.

Bei der AT&T-Offerte dauerte es nur wenige Stunden, bis die ersten Politiker große Bedenken gegen den Deal äußerten.

Sie sehen einen übermächtigen Kabel- und Medien-Konzern, der die Netzneutralität in Gefahr bringt.

Ob der Deal genehmigt werden kann, ist also unsicher – und damit auch die Zahlung des  Übernahme-Preises.

In diesem Fall ist die Skepsis so groß, dass die Aktie über 20% unter dem Angebots-Preis notiert und am Montag 3% einbüßte.

Die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit der Übernahme wird trotz des Angebots vom Markt als nur sehr gering angesehen.

Problem 2: Genehmigungs-Prozess dauert bis Ende 2017

Ein weiterer Grund für die große Lücke zwischen Angebots-Preis und Aktienkurs ist die Zeitspanne, bis das Geld fließt:

Selbst wenn der Deal am Ende genehmigt wird, ist nicht vor Ende 2017 mit einem Deal-Abschluss zu rechnen.

Das ist das Zeitfenster, dass AT&T und TimeWarner bei Übernahme-Ankündigung nannten.

Bei so großen Übernahmen ist es auch nicht ungewöhnlich, dass der Genehmigungs-Prozess sogar noch länger dauert als angenommen.

In der Zeit „liegt das Geld brach“ und Aktionäre wollen für die Wartezeit entschädigt werden.

Problem 3: Offerte hängt von der AT&T-Kursentwicklung ab

Der 3. Grund für die große Lücke zwischen Angebots-Preis und Aktienkurs ist, dass es sich nicht um eine Cash-Offerte handelt.

AT&T bezahlt umgerechnet107,50 Dollar je Aktie. Das Angebot besteht aus einer Bar-Komponente von 53,75 Dollar und 53,75 Dollar in AT&T-Aktien.

In Abhängigkeit der AT&T-Kursentwicklung erhalten die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten 1,3 oder 1,437 AT&T-Aktien bei Dealabschluss.

Wenn die AT&T-Aktie in den kommenden Monaten z. B. auf 30 Dollar fällt, verringert sich der Wert des Angebots auf 96,86 Dollar.

Für die Abhängigkeit des Übernahme-Angebots von der AT&T-Entwicklung verlangen die Aktionäre also eine zusätzliche Risiko-Prämie.

In der Summe erklärt dies Ihnen also, warum die Aktie des Übernahme-Kandidaten heute so deutlich unter dem Angebots-Preis liegt.

Die Rechnung, dass Sie sicher 107,50 Dollar je Aktie demnächst mitnehmen, geht leider nicht auf.

25. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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