Levi: Gewinnenttäuschung schickt Aktie des Jeansherstellers auf Talfahrt

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Levi Strauss & Co: Aktie der Jeans-Ikone nach enttäuschender Gewinnentwicklung im Rückwärtsgang. Hohe Kosten durch den Börsengang führen zu einmaliger Belastung. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Nach mehr als 30-jähriger Börsenabstinenz ist der Jeans-Konzern Levi Strauss & Co. im März wieder an den Aktienmarkt zurückgekehrt. Dabei konnte sich das Börsendebut durchaus sehen lassen. Von dem Ausgabekurs bei 17 Dollar je Aktie entfernten sich die Papiere schnell und kratzten kurzfristig sogar an der 24 Dollar-Marke.

Doch mit der Vorlage der Quartalszahlen wurde die Euphorie der Anleger abrupt gebremst. Zwar lagen die Zahlen zum zweiten Vierteljahr über den Erwartungen, aber für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich die Konzernführung eher pessimistisch. Die Anleger reagierten prompt und schickten den Kurs auf Talfahrt (-14% in den vergangenen beiden Handelstagen).

Traditionskonzern mit 166-jähriger Firmengeschichte

Levi Strauss & Co. ist weltweit für seine Denim-Jeans bekannt ist. Gegründet wurde die Firma bereits 1853 als der fränkische Einwanderer Levi Strauss (eigentlich Löb Strauß) nach San Francisco kam, um mit seinem Bruder an der Westküste ein Textilwarengeschäft zu eröffnen. Von der Firma wurden Denim-Overalls bereits in den 1870er Jahren hergestellt, doch entstanden die modernen Jeans erst in den 1920er Jahren.

Heutzutage entwirft und vermarktet die Gesellschaft Jeans, Freizeitkleidung sowie Accessoires für Männer, Frauen und Kinder. Neben der Marke Levi’s gehören Dockers und Denizen zum Portfolio der Gruppe. Die Produkte werden weltweit in über 110 Ländern über Einzelhandelsketten, Kaufhäuser, Internet sowie eine weltweite Präsenz von rund 3.000 Einzelhandelsgeschäften und Shop in Shops verkauft.

Massive Schrumpfkur in den letzten Jahren

Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei dem Bekleidungsspezialisten Umsätze von 5,57 Milliarden Dollar (+13,58% zum Vorjahr) durch die Bücher. Das reichte für einen Nettogewinn in Höhe von 283 Millionen Euro (+0,7% zum Vorjahr). Damit lag die Gewinnspanne bei 5,08% und damit um 0,64 Prozentpunkte tiefer als im Vorjahr.

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Das Ergebnis zeigt Ihnen trotzdem, dass der Konzern wieder auf dem Weg der Besserung ist. Jahrelang kämpfte die Firma mit schrumpfenden Erlösen. Zwischenzeitlich war die Mitarbeiterzahl von 40.000 auf nur noch 11.800 abgebaut worden. Zuletzt gelang aber schrittweise wieder die Rückkehr auf den Wachstumspfad.

Gewinn knickt im zweiten Quartal ein

Die Jeans-Marke erwirtschaftete im vergangenen Quartal einen Gewinn von 28,2 Millionen Dollar. Das war ein enormer Rückgang von 63 %, der aber zu einem Großteil auf die Kosten des Börsengangs (29 Mio. Dollar) zurückzuführen war. Der Umsatz stieg unterdessen um 5 % auf 1,3 Milliarden Dollar. Bereinigt um Wechselkursveränderungen stiegen die Erlöse sogar um 9%.

Dabei verzeichnete der Konzern einen Anstieg auf allen Märkten. In Europa stieg der Umsatz um 9 %, in den USA um 3 % und in Asien um 6 %. Lediglich China enttäuschte mit einem Zuwachs von „nur“ 3% was nach Ansicht von Firmenboss Chip Bergh viel Raum für Verbesserungen lässt. Zugleich ging das Großhandelsgeschäft in den USA, das für rund ein Drittel der Gesamtumsätze steht, um 2% zurück.

Gesamtjahresprognose leicht angehoben

Für das Gesamtjahr hat der US-Konzern seine Prognose leicht angehoben. Erwartet wird währungsbereinigter Nettoumsatz am oberen Ende des mittleren einstelligen Bereichs. Für Sie zum Vergleich: Vorher war ein Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet worden. Zugleich soll die bereinigte EBIT-Marge um etwa 10 Basispunkte zulegen.

Die Analysten rechne auf aktueller Basis mit einem Gewinn je Aktie von 1,06 Dollar. Damit handeln die Papiere mit einem Kurs Gewinn-Verhältnis von 18.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.