Levi Strauss & Co: Jeans-Pionier schlägt die eigene Prognose

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Jeanshersteller Levis Strauss & Co nach Zahlen mit saftigem Kursplus. Nach jahrelanger Schwächephase gelingt die Rückkehr auf den Wachstumspfad. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Wer kennt sie nicht – die Jeans Firma Levi Strauss & Co. Ob der Konzern wirklich der Erfinder der Blue Jeans war, steht zwar zur Diskussion. Ein Traditionskonzern und Pionier ist das Unternehmen aber allemal. Seit Mitte März können Anleger nicht nur in Jeans aus dem Laden investieren, sondern sich auch wieder Anteilsscheine der Aktie ins Depot legen.

Denn nach mehr als 30-jähriger Börsenabstinenz ist der Konzern wieder an den Aktienmarkt zurückgekehrt. Dabei hätte der Start weitaus schlechter laufen können. Mit 17 Dollar wurde die Aktie zum Börsendebut an die Anleger ausgegeben. Mittlerweile notieren die Papiere mit 23 Dollar deutlich über dem Ausgabepreis. Dafür dürften nicht zuletzt die starken Quartalszahlen verantwortlich gewesen sein.

Traditionskonzern mit 166-jähriger Firmengeschichte

Levi Strauss & Co. ist weltweit für seine Denim-Jeans bekannt ist. Gegründet wurde die Firma bereits 1853 als der fränkische Einwanderer Levi Strauss (eigentlich Löb Strauß) nach San Francisco kam, um mit seinem Bruder an der Westküste ein Textilwarengeschäft zu eröffnen. Von der Firma wurden Denim-Overalls bereits in den 1870er Jahren hergestellt, doch entstanden die modernen Jeans erst in den 1920er Jahren.

Heutzutage entwirft und vermarktet die Gesellschaft Jeans, Freizeitkleidung sowie Accessoires für Männer, Frauen und Kinder. Neben der Marke Levi’s gehören Dockers und Denizen zum Portfolio der Gruppe. Die Produkte werden weltweit in über 110 Ländern über Einzelhandelsketten, Kaufhäuser, Internet sowie eine weltweite Präsenz von rund 3.000 Einzelhandelsgeschäften und Shop in Shops verkauft.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei dem Bekleidungsspezialisten Umsätze von 5,57 Milliarden Dollar (+13,58% zum Vorjahr) durch die Bücher. Das reichte für einen Nettogewinn in Höhe von 283 Millionen Euro (+0,7% zum Vorjahr). Damit lag die Gewinnspanne bei 5,08% und damit um 0,64 Prozentpunkte tiefer als im Vorjahr. Das Ergebnis zeigt Ihnen trotzdem, dass der Konzern wieder auf dem Weg der Besserung ist. Jahrelang kämpfte die Firma mit schrumpfenden Erlösen. Zwischenzeitlich war die Mitarbeiterzahl von 40.000 auf nur noch 11.800 abgebaut worden. Zuletzt gelang aber schrittweise wieder die Rückkehr auf den Wachstumspfad.

Börsengang ein voller Erfolg

Von 1971 bis 1984 war der Konzern schon einmal an der Börse notiert, bevor die Firma wieder privatisiert wurde. Mit seinem Comeback an den Kapitalmarkt sammelte die kalifornische Firma 623 Millionen Dollar frisches Kapital ein. Den Erlös aus dem Börsengang will das Unternehmen unter anderem für Zukäufe zum Ausbau des Markenportfolios nutzen.

Umsatz klettert um 8% im ersten Quartal

Im Startquartal erzielten die Kalifornier mit 1,4 Milliarden Dollar ein Umsatzplus von 7%. Vor allem das Geschäft mit Oberteilen (+28%) sorgte für Rückenwind. Mit Hilfe sogenannter “Influencer” in den sozialen Netzwerken versucht der Konzern vor allem Frauen anzusprechen, um den Anteil der weiblichen Käufer zu erhöhen. Sie müssen wissen: Bislang waren es hauptsächlich Männer, die bei den Klamotten zugriffen.

Regional verbesserten sich vor allem die Geschäfte in Amerika (+9%). In Asien erhöhten sich die Erlöse um 8%, Europa zeigte ein Absatzplus von 3%.

Unter dem Strich verdiente der Konzern 147 Millionen Dollar, was leicht oberhalb des prognostizierten Korridors (130-146 Mio. Dollar) lag.

Mindestens konstante Vorsteuermarge erwartet

Für den Rest des laufenden Jahres rechnet die Konzernführung mit einem Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich. Gleichzeitig soll die bereinigte Vorsteuermarge (zuletzt 14,35%) gleichbleiben oder leicht ansteigen. Dabei stehen die Zeichen auf Expansion: Unter dem Strich sollen 100 neue Läden eröffnet werden.

Analysten halten sich zurück

Momentan existieren noch keine Schätzungen der Analysten. Auf Basis der unternehmenseigenen Prognose dürfte am Ende des laufenden Jahres aber ein Nettogewinn von rund 300 Millionen Dollar hängenbleiben. Damit wird die Aktie bei einem aktuellen Marktwert von 8,77 Milliarden Dollar beinahe mit dem 30-Fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet. Vor dem Hintergrund der schwierigen Lage auf dem Modemarkt sollte sich das Unternehmen daher besser keinen Fehltritt erlauben.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.