Lexmark – Ohne Drucker läuft es besser

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Weniger Umsatz, aber dafür mehr Gewinn. Ohne Tintenstrahldrucker läuft es besser für den US-Konzern (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Manchmal ist im Geschäftsleben weniger einfach mehr. Weniger Umsatz kann durchaus mehr Gewinn bedeuten. So wie beim US-Konzern Lexmark.

Der verkündete im letzten August zukünftig vollständig auf das Geschäft mit Tintenstrahldruckern zu verzichten und sein Produktionswerk auf den Philippinen zu schließen.

Lexmark ohne Tintenstrahler? Was für die Verbraucher wie eine Unmöglichkeit klang, war für die Bilanzanalysten nur eine zwingende Notwendigkeit.

Denn der Preisdruck im Geschäft mit den Tintenstrahlern war enorm, dennoch sanken die Absatzzahlen, alleine im 1. Halbjahr des Vorjahres um -66%.

Tinte war out, Laserdrucker, am besten sogar in Farbe, waren gefragt.

Die Branche schreibt Verluste und wartet auf ein Wunder

Die großen Hersteller Lexmark, HP, Canon und Xerox schrieben entsprechend hohe Spartenverluste und suchten händeringend nach Auswegen.

Auf das Naheliegende kam zuerst Lexmark. Weg mit Schaden, so die Entscheidung des Managements um Konzernboss Paul Rooke. Und so beschloss man, kurzerhand die Fertigung der Geräte einzustellen.

Die mutige Entscheidung belastete die Konzernbilanz zwar mit einem einmaligen außerordentlichen Aufwand in Höhe von 160 Mio. US-Dollar, doch die Summe der aufgelaufenen und vermutlich noch auflaufenden Verluste lag eindeutig höher.

Die Unternehmensentscheidung wurde von der Börse gut aufgenommen, der Aktienkurs, der zuvor ein historisches Tief ausgelotet hatte, explodierte förmlich.

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Der vorstehende Point&Figure-Chart zeigt, die Aktie der Lexmark international Inc. (WKN 898072, Ticker LXK) bestätigt mit gleich drei Point&Figure-Kaufsignalen den positiven Aufwärtstrend (grüne Kreise und grüne Trendlinie).

Dass Kursziel aus dem jüngsten Kaufsignal lautet nun auf 71,00 US-$!

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Das erstaunliche Kursziel, das selbst nach dem gestrigen Kurssprung noch ein Gewinnpotential von knapp +100% ausweist, zwingt uns geradezu einen weiteren Blick auf die Chartsituation nach Point&Figure zu werfen.

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Der Chart in der sogenannten Bull´s-Eye-Broker-Einstellung, meiner kurzfristigen Handelseinstellung also, zeigt, dass der bisherige Kursanstieg durchaus nicht so reibungslos verlief, wie es der zuerst gezeigte Chart vermuten lässt.

In seiner Feinauflösung sehen wir, dass Kaufsignale (grüne Kreise) immer wieder auch durch Verkaufssignale (rote Kreise) abgelöst wurden.

Was dem erfahrenen Point&Figure-Trader zeigt, dass investierte Anleger mit der Angst vor Rückschlägen im Nacken immer mal ihre Gewinne realisiert haben und jederzeit mit, auch deutlicheren, nachgebenden Notierungen zu rechnen ist

Quartalsgewinn steigt um +128%

Aber auch immer wieder neu eingestiegen sind.

So wie gestern, als der US-Konzern, befreit von der Last des Tintenstrahl-Druckergeschäftes erstmals die bereinigten Geschäftszahlen vorlegt.

Ohne Tintenstrahler, dafür aber mit den behaltenen Laserdruckern und dem forcierten Dienstleistungs- und Softwaregeschäft  fiel der Quartalsumsatz um 3% auf 887 Mio. US-$.

Doch gleichzeitig stieg der Konzernüberschuss von vormals 39 Mio. US-$ auf jetzt 89 Millionen. Ein Zuwachs von +128%, wahrlich, „Weniger ist oft mehr“.

Kein Wunder, dass die Aktionäre, die wohl als letzte von den guten Quartalszahlen erfuhren, gestern die Aktie kräftig nachfragten und den Kurs um über +5,5% deutlich nach oben trieben.

Wie sich nun die Großanleger, die, so scheint es, mal wieder früher als der Rest der Welt von den guten Zahlen wussten und sich schon vor einer Woche eindeckten, verhalten, bleibt abzuwarten.

Nehmen sie wieder einmal Gewinne mit? Oder bleiben sie investiert und warten auf das Erreichen der nächsten Kursziele bei 42,00 bzw. 44,00 US-$ und 48,00/49,00 US-$, die ich Ihnen im ersten Chartbild (grüne Rechtecke) eingezeichnet habe.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.