Liberty Global will Ziggo komplett

Das ging schnell! Noch vor 3 Wochen hat Ihnen der Übernahme-Sensor geschrieben, dass eine zeitnahe Komplett-Übernahme von Ziggo durch Liberty Global möglich wäre, jetzt bestätigte Ziggo Übernahme-Verhandlungen.

Am Amsterdamer Aktienmarkt sorgte die Ankündigung für einen Kurssprung von 5,4% in einem schwachen Handelsumfeld. Bei 33,98 Euro erreichte die Aktie des Übernahme-Kandidaten ein neues Allzeithoch.

Dass der Kurssprung nicht höher ausfällt liegt allein daran, dass die Möglichkeit eines Deals nicht sehr überraschend kam.

Der Liberty-Chef selbst hat in einem Interview Anfang November erwähnt, dass das Unternehmen sich um die bestehenden Beteiligungen kümmern wolle und erst einmal nicht neue Übernahme-Kandidaten ins Kabel-Imperium nehmen wolle.

Europäischen Markt frühzeitig als Chance erkannt

Liberty Global ist ein amerikanischer KabelTV- und Breitbandanbieter, der inzwischen fast 90% seiner Umsätze in Europa erwirtschaftet. Seit dem Jahr 2000 hat das Unternehmen immer wieder mit neuen Übernahmen aufgewartet, um vom stark fragmentierten europäischen Markt zu profitieren.

Erst zu Beginn des Jahres sorgten die Amerikaner für Furore, als Virgin Media für 16 Mrd. US-$ übernommen wurde. Der Kauf wurde als Angriff auf das Medien-Imperium von Rupert Murdoch aufgefasst.

In Deutschland ist das Unternehmen Eigentümer von UnityMedia – dem zweitgrößten Kabelbetreiber.

Übernahme-Verhandlungen nicht neu

Liberty Global ist bereits zu 28,5% an Ziggo beteiligt. Der Übernahme-Kandidat wird aktuell mit 6,1 Mrd. Euro an der Börse bewertet. Trotz der zu Jahresbeginn investierten 16 Mrd. Euro ist die Deal-Finanzierung für Liberty kein Problem.

Das Problem taucht an anderer Stelle auf.  Zankapfel dürfte einmal mehr der Preis sein. Erst im Vormonat hat Ziggo mitgeteilt, dass ein Angebot zur Komplett-Übernahme vom Management ausgeschlagen wurde. Wie hoch die Offerte war, teilten die Niederländer jedoch nicht mit.

Bieter und Übernahme-Kandidat dürften beim Preis nicht weit auseinander liegen

Die wichtigste Frage liegt auf der Hand: Wie geht’s weiter und was kann da noch für Kurzentschlossene  rausspringen.

Zu den Fakten: Laut Reuters würde ein Preis von 35 Euro je Aktie das Unternehmen noch immer günstiger bewerten, als die aktuelle Markt-Bewertung von Kabel Deutschland ist.

Der Multiplikator von 11 bedeutet allerdings gleichzeitig auch, einen deutlich höheren Preis als Liberty für Virgin hingelegt hat (8). Hier sollte berücksichtigt werden, dass seit Beginn des Jahres die Preise für Übernahme-Kandidaten angezogen sind.

Analysten erachten einen Preis von 37 Euro je Aktie als angemessen (Upside ca. 14%), weisen jedoch darauf hin, dass Liberty Global immer sehr kostendiszipliniert ist.

So scheiterte ein Deal mit Libertys anderer Beteiligung, der belgischen Telnet,  daran, dass der Preis – obwohl von externer Stelle als zu niedrig eingestuft – nicht angehoben werden wollte.

Übernahme-Sensor rechnet mit Einigung

Der Übernahme-Sensor rechnet mit einem Deal (keine Kaufempfehlung). Es ist gerade einmal 6 Wochen her, dass Ziggo mitgeteilt hat, dass eine Offerte ausgeschlagen wird. Jetzt werden neue Gespräche bestätigt.

Dies passiert nur, wenn sich die Seiten bewegt haben und eine Verhandlungslösung wittern. Liberty hat angekündigt, sich um die Beteiligungen zu kümmern. Nichts ist naheliegender als bei Ziggo aufzustocken.

Worauf will Liberty warten? Die Konsolidierung ist voll im Gange und die Ziggo-Aktie wird immer einen Übernahme-Aufschlag im Kurs haben. Der Preis ist nicht günstig, wäre aber mit 37 Euro (und angenommenen 5 Euro je Aktie an Synergien) absolut im Rahmen.

12. Dezember 2013

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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