Lieferdienst-Bieterwettstreit: Just Eat-Vorstand votiert für Übernahme durch Takeaway

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Der Just Eat-Vorstand empfahl seinen Aktionären, das besser dotierte Takeaway-Angebot anzunehmen und die Offerte des Mitbewerbers Prosus zu ignorieren. (Foto: Ascannio / shutterstock.com)

Der seit Monaten ausgefochtene Übernahmewettkampf um den britischen Lieferdienst Just Eat plc steht kurz vor der Entscheidung: Nachdem die beiden Bieter – die niederländische Takeaway.com N.V. und die ebenfalls in den Niederlanden beheimatete Prosus N.V. – ihre Übernahmeofferten am vergangenen Donnerstag noch einmal erhöht haben, sprach sich der Just Eat-Vorstand am Freitag eindeutig für das Angebot von Takeaway.com aus.

Die finalen Übernahmeangebote der Kontrahenten

Takeaway hat den Just Eat-Aktionären am vergangenen Donnerstag 0,12111 Takeaway-Aktien für jedes Just Eat-Papier geboten. Umgerechnet bietet Takeaway somit stolze 9,16 GBP für jede Aktie. Das entspricht einer Übernahmeprämie von +44% im Vergleich zum Schlusskurs vom 26.07.2019, dem Tag vor Bekanntwerden des Takeaway-Angebotes. Am 27.07.2019 hatte Takeaway den Anteilseignern der britischen Just Eat lediglich 0,09744 Aktien von Takeaway.com offeriert.

Im ebenfalls am letzten Donnerstag veröffentlichten finalen Prosus-Angebot wird den Just-Eat-Aktionären 8,00 GBP in bar je Aktie geboten. Die Prosus-Offerte beinhaltet somit eine Übernahmeprämie von +26% im Vergleich zum Schlusskurs vom 26.07.2019. Im ersten Angebot hatte Prosus den Just-Eat-Aktionären 6,70 GBP für jede Aktie geboten.

Takeaway bietet mehr

Auch wenn der Kurs der Takeaway-Aktie seit vergangenem Donnerstag um -11% auf 79 EUR gefallen ist, liegt das Takeaway-Angebot umgerechnet noch immer um 0,17 GBP über der Prosus-Offerte. Erst wenn der Wert der Takeaway-Papiere unter 77 EUR fallen sollte, ist das Prosus-Angebot im Vorteil.

Just Eat-Vorstand spricht sich für Takeaway-Angebot aus

In seiner Pressemitteilung vom 20.12.2019 empfiehlt der Just Eat-Vorstand seinen Aktionären, das Takeaway-Angebot anzunehmen: „Der Just Eat-Verwaltungsrat empfiehlt einstimmig, dass die Just Eat-Aktionäre im Zusammenhang mit dem finalen Prosus-Angebot nichts unternehmen […] sollten. Stattdessen empfiehlt der Just Eat-Verwaltungsrat einstimmig, dass die Just Eat-Aktionäre das finale Takeaway.com-Angebot annehmen.“

Darüber hinaus haben sich die Just Eat-Direktoren unwiderruflich verpflichtet, das Takeaway.com-Angebot anzunehmen. Die Direktoren halten insgesamt 660.486 Just Eat-Aktien und Aktienoptionen, was etwa 0,10 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals von Just Eat entspricht.

Gründe für die Empfehlung

Aus Sicht des Just Eat-Vorstands sprechen gleich mehrere Gründe für eine Übernahme durch Takeaway: So würde durch das Zusammengehen beider Unternehmen der weltweit zweitgrößte und gleichzeitig der größte Lebensmittel-Lieferdienst außerhalb Chinas entstehen.

Das neue Unternehmen wäre in 15 der 23 Ländern, in denen es tätig ist, Marktführer. Nach der Übernahme könnten die Just Eat-Aktionäre auch von den lukrativen Märkten in den Niederlanden und Deutschland profitieren können, in den Just Eat bisher noch nicht tätig ist.

Nach Abschluss der möglichen Fusion würden die Aktionäre von Just Eat rund 57,5% und die Aktionäre von Takeaway.com rund 42,5% des Aktienkapitals der neuen Just Eat Takeaway.com N.V. halten.

Wie es weitergeht

Durch die Abgabe der finalen Gebote vermieden die beiden rivalisierenden niederländischen Unternehmen die Teilnahme an einer Bieter-Auktion, die kurz nach Weihnachten stattgefunden hätte. Die Aktionäre von Just Eat haben jetzt bis zum 10. Januar Zeit, eines der beiden Übernahmeangebote anzunehmen.

Laut Takeaway wurden dem Unternehmen bisher bereits 46,07% der ausstehenden Just Eat-Aktien angedient. Aufgrund des finanziell reizvolleren Takeaway-Angebots sowie der jetzt bekundeten Empfehlung des Just Eat-Vorstandes ist es sehr wahrscheinlich, dass die noch fehlenden knapp 4% bis zum Stichtag erreicht werden können.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.