Delivery Hero übernimmt südkoreanischen App-Entwickler für 4 Mrd. US-Dollar

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Das Berliner MDax-Unternehmen Delivery Hero will den südkoreanischen Mitbewerber Woowa für etwa 4 Mrd. US-Dollar übernehmen. Das sind die Gründe. (Foto: Mano Kors / shutterstock.com)

Mega-Deals – also Übernahmen im Milliardenbereich – finden häufig im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ statt. Wenn ein solches Riesengeschäft in Deutschland über die Bühne geht, berichte ich Ihnen natürlich auch gerne darüber: So hat am vergangenen Freitag der im MDax gelistete Online-Lieferservice Delivery Hero SE kundgetan, dass er den südkoreanischen App-Entwickler Woowa Brothers Corp. übernehmen möchte. Woowa ist mit seiner Liefer-App „Baedal Minjok“ Marktführer im südkoreanischen Markt für Lieferdienste.

Übernahmevereinbarung unterzeichnet

Die Berliner haben mit den bisherigen Eigentümern von Woowa – darunter sind z.B. Finanzinvestoren wie Goldman Sachs, Hillhouse Capital oder Sequoia Capital China – und dem Vorstand von Woowa eine Übernahmevereinbarung unterschrieben. Dadurch hat sich Delivery Hero bereits jetzt bis zu 88 Prozent der Woowa-Anteile gesichert.

Die noch fehlenden 12 Prozent, die sich in den Händen des Woowa-Managements befinden, sollen in den kommenden vier Jahren im Rahmen eines Aktientauschs von Delivery Hero übernommen werden. Insgesamt wird Woowa im Rahmen dieser Transaktion mit 4 Mrd. USD bzw. 3,6 Mrd. EUR bewertet.

Finanzierung durch Barmittel und neue Aktien

Finanzieren will Delivery Hero die Übernahme durch Barmittel in Höhe von 1,7 Mrd. EUR und rund 1,9 Mrd. EUR in neuen eigenen Aktien. Dafür werden die Berliner eine Kapitalerhöhung durchführen.

Joint-Venture beschlossen

Im Rahmen des Übernahmevertrags wurde ebenfalls vereinbart, dass Delivery Hero und das Management von Woowa ein Joint-Venture mit Sitz in Singapore gründen werden. Der Woowa-Gründer und CEO, Bongjin Kim, wird Vorstandsvorsitzender und Executive Director des Joint Ventures. Das Gemeinschafts-Unternehmen soll die Geschäfte der Delivery Hero-Gruppe im asiatisch-pazifischen Raum leiten und die Expansion in der Region zu überwachen.

Aktienkurs explodiert

Am Freitag, dem Tag der Bekanntgabe des Übernahmedeals, sackte der Kurs der Delivery-Hero-Aktien vorbörslich um fast -7% ab, bevor er im Tagesverlauf um +23,28% auf 61,84 EUR in die Höhe schoss. Zunächst hatten die Investoren – wohl aufgrund des nicht ganz billigen Deals – Abstand von den Delivery-Papieren genommen bevor sich im Tagesverlauf die Optimisten durchsetzen.

Delivery Hero setzt auf den Zukunftsmarkt Asien

„Die Transaktion bekräftigt das Engagement von Delivery Hero, in das schnell wachsende Asien zu expandieren, und festigt seine Position als größte globale Plattform für die Lieferung von Lebensmitteln außerhalb Chinas, gemessen an der Anzahl der Bestellungen“, so die Berliner in ihrer Presseerklärung.

Koreanischer Markt von besonderer Bedeutung

Dabei ist der südkoreanische Markt für Lieferdienste besonders lukrativ: Er ist weltweit gesehen der viertgrößte Markt für Online-Lieferdienste. Dies liegt vor allem an der hohen Anzahl von Ein-Personen-Haushalten in Südkorea, der überdurchschnittlichen Handy-Affinität und der hohen Bevölkerungsdichte in den koreanischen Städten.

Südkoreas Online-Markt für die Lieferung und Abholung von Speisen hat sich in den letzten fünf Jahren auf 5,9 Mrd. USD mehr als verdoppelt. Er ist damit größer als die japanischen und deutschen Liefermärkten zusammen. Größere Umsatzzahlen werden nur in China, den Vereinigten Staaten und Großbritannien erzielt.

Delivery Hero ist ein Global Player

Die rund 22.000 Mitarbeiter von Delivery Hero erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 665,1 Mio. EUR. Seit Ende des letzten Jahres – nach dem Verkauf der Marken Foodora, Lieferheld oder Pizza.de an den niederländischen Mitbewerber Takeaway – ist das Unternehmen in Deutschland nicht mehr als Lieferdienst aktiv.

Delivery Hero erzielt mehr als die Hälfte seiner Umsätze im Nahen Osten und Nordafrika. Ein weiteres knappes Drittel der Umsätze wird in Asien erwirtschaftet. In Südkorea ist Delivery Hero mit seiner App Yogiyo – hinter Marktführer Woowa – bisher die Nummer zwei im Markt der Lieferdienste.

So geht es weiter

Wie üblich muss die Transaktion noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Delivery Hero geht davon aus, dass der Deal im zweiten Halbjahr 2020 abgeschlossen werden kann.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.