Lieferdienste: Nestlé kauft Freshly für 950 Mio. Dollar

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Dass auch Corona-Profiteure interessante Übernahmekandidaten sind, zeigt ein Fall in den USA. Dort hat Nestlé gerade den boomenden Lieferdienst Freshly für knapp 1 Mrd. Dollar gekauft. (Foto: Ken Wolter / shutterstock.com)

Momentan nimmt die Zahl der Übernahmeaktivitäten in Branchen, die besonders unter der Corona-Pandemie leiden (z. B. Gastronomie, Erdölgeschäft), deutlich zu. Aber auch Corona-Profiteure sind als potenzielle Übernahmekandidaten sehr gefragt. Hierzu zählen unter anderem auch Lieferdienste, wie die aktuelle Übernahme des US-Lieferdienstes Freshly durch den weltweit führenden Nahrungsmittelkonzern Nestlé zeigt.

So gab der schweizer Nahrungsmittelgigant Nestlé am Freitag bekannt, dass seine US-Tochter Nestlé USA den in New York ansässigen Lieferdienst Freshly kaufen wird. Eine entsprechende Vereinbarung sei bereits unterzeichnet, so die Schweizer.

Für das Übernahmegeschäft wird Nestlé 950 Mio. US-Dollar (USD) zahlen. Darüber hinaus wurden weitere erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 550 Mio. USD vereinbart.

Nestlé will Präsenz in den USA ausbauen

Bereits im Jahr 2017 erwarb Nestlé eine Minderheitsbeteiligung von 16% an dem in Privatbesitz befindlichen New Yorker Startup-Unternehmen Freshly. Mit dieser Minderheitsbeteiligung wollten die Schweizer laut eigenen Angaben den aufstrebenden Markt der US-Lieferdienste testen und bewerten.

Dass Freshly diesen Test mit Bravour bestanden hat, zeigen folgende Zahlen: Freshly konnte seit der Unternehmensgründung im Jahr 2012 Jahr für Jahr wachsen. Aktuell liefert das Unternehmen mehr als 1 Mio. vorbereiteter Menüs pro Woche an Kunden in insgesamt 48 US-Staaten aus.

Zusätzlich hat der Corona-bedingte Boom der Lieferdienste dazu beigetragen, dass Nestlé gerade jetzt in den USA zugeschlagen hat. So berichtete der Freshly-Chef und Mitbegründer, Michael Wystrach, in einem Forbes-Interview, dass das Unternehmen auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie die Produktion in weniger als einem Monat um 20% steigern musste, um die sprunghaft gestiegene Nachfrage befriedigen zu können.

Auch Laurent Freixe, Chef von Nestle USA, betont die zunehmende Bedeutung des Lieferservice-Marktes: „Wir bei Nestlé kennen den Lieferservice-Markt und wissen, wie wir davon profitieren können. Mit der Übernahme von Freshly stärken wir unsere Position in den USA und erweitern die Möglichkeit, unseren Konsumenten eine große Vielfalt an köstlichen Nahrungsmitteln zu liefern, wann und wo immer sie wollen.“

Die beteiligten Unternehmen im Porträt

Nestlé ist laut eigenen Angaben der größte Nahrungsmittel- und Getränkekonzern der Welt und in diesen beiden Sektoren auch Marktführer in den USA. Zu den von Nestlé in den Vereinigten Staaten vertriebenen Marken gehören z. B. führende Kaffeemarken wie Nescafé, Nestlé Starbucks Coffee und Chameleon Cold Brew. Alleine die US-Tochter von Nestlé erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 11 Mrd. USD.

Freshly ist ein erst vor 8 Jahren in Arizona gegründetes Startup-Unternehmen, das seinen Hauptsitz vor 5 Jahren nach New York verlegt hat. Das Unternehmen bietet seinen Kunden in einem Abodienst frisch zubereitete Menüvarianten an, die von den Kunden nur noch in der Mikrowelle oder Ofen erhitzt werden müssen. Bei der Zusammenstellung seiner Gerichte legt Freshly einen Fokus auf frische, gut schmeckende und gesunde Ernährung.

Das New Yorker Startup ist laut eigenen Angaben der führende Lieferdienst von frisch zubereiteten Gerichten in den USA und beschäftigt aktuell knapp 2.000 Mitarbeiter. Freshly rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatz von etwa 430 Mio. USD.

Wie es weitergehen wird

In einer Mitteilung teilte Michael Wystrach seinen Kunden mit, dass sein Team infolge der Übernahme plane, die Anzahl der wöchentlich angebotenen Menüs zu verdreifachen. Gleichzeitig informierte er seine Abnehmer darüber, dass die Übernahme ansonsten keine dramatischen Änderungen mit sich bringen würden. „Ich kann Ihnen versichern, dass Ihre Mahlzeiten, Preise und Abonnements so bleiben werden, wie Sie sie kennen“, so Wystrach.

Da Freshly im Privatbesitz ist, müssen nur noch die zuständigen Aufsichtsbehörden dem Deal zustimmen. Zu einem möglichen Abschlusstermin des Übernahmegeschäfts hat sich Nestlé bisher noch nicht geäußert.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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