Lieferdienste: Takeaway.com will britischen Konkurrenten Just Eat schlucken

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Im Bereich der Online-Lieferdienste gibt es eine weitere mögliche Übernahme zu vermelden. Der niederländische Anbieter Takeaway.com will sich den britischen Lieferdienst Just Eat einverleiben. (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Auf dem heiß umkämpften Markt der Online-Bestell- und Lieferdienste steht die nächste Übernahme an. Die niederländische Lieferando-Mutter Takeaway.com will den britischen Lieferdienst-Rivalen Just Eat plc. übernehmen. Durch die Fusion soll der weltgrößte Lieferdienst mit einer Marktkapitalisierung von knapp 10 Mrd. EUR entstehen.

Einigung über die Eckpunkte der Fusion

Am Montag verkündeten beide Unternehmen, dass sie sich auf grundsätzliche Eckpunkte zur Gründung einer neuen Gesellschaft unter dem Namen Just Eat Takeaway.com N.V. geeinigt haben. Der Zusammenschluss beider Unternehmen soll im Rahmen eines Aktientausches erfolgen. Die Anteilseigner des britischen Just Eat sollen für einen ihrer Anteilsscheine 0,09744 Aktien von Takeaway.com erhalten. Das Angebot beinhaltet einen Aufschlag von +15% auf den Schlusskurs der Just-Eat-Aktie vom Freitag.

Nach Abschluss der möglichen Fusion würden die Aktionäre von Just Eat rund 52,2% und die Aktionäre von Takeaway.com rund 47,8% des Aktienkapitals der neuen Just Eat Takeaway.com N.V. halten. Das neue Unternehmen soll seinen Sitz in Amsterdam/Niederlande haben und an der Londoner Börse gelistet werden. Ein wesentlicher Teil der Geschäftstätigkeit im Vereinigten Königreich soll aufrechterhalten werden.

Just Eat Aktien gehen durch die Decke

Die Investoren haben auf die Fusionsankündigung euphorisch reagiert: Der Kurs der Just-Eat-Aktie legte an der Londoner Börse am gestrigen Montag +22,7% zu und stieg auf 7,80 GBP. Die Papiere von Takeaway.com verloren in Amsterdam leicht. Sie fielen um -0,5% auf 83,125 EUR.

Bietergefecht möglich

Da die Kurssteigerung von Just Eat den von Takeaway gebotenen Aufschlag von +15% um mehr als +7% überschritten hat, ist davon auszugehen, dass Investoren mit weiteren Angeboten rechnen. Als Kandidaten für ein Bietergefecht um Just Eat werden z.B. die direkten Wettbewerber Delivery Hero, Uber Eats und Deliveroo gehandelt. Aber auch branchenfremde Unternehmen wie SoftBank, Amazon oder Naspers werden als potentielle Konkurrenzbieter genannt.

Fusion unter (fast) Gleichen

Gemessen an der Marktkapitalisierung sind Takeaway.com (5,1 Mrd. EUR) und Just Eat (4,8 Mrd. EUR) fast gleich groß. Bei den operativen Zahlen liegt Just Eat aber deutlich vor Takeaway.com: Im vergangenen Jahr hatte Just Eat 26,3 Mio. Kunden, bei Takeaway.com waren es hingegen nur 14,1 Mio. Just Eat erzielte in 2018 einen Gewinn (Ebitda) von umgerechnet 199 Mio. EUR gegenüber einem bereinigten Verlust von 11 Mio. EUR bei Takeaway.com.

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Allerdings haben die Just-Eat-Papiere wegen interner Probleme seit Beginn des Jahres fast -30% verloren. Der im Januar frei gewordene CEO-Posten bei Just Eat konnte bis heute nur über eine Interimslösung besetzt werden.

Beide Unternehmen haben umfangreiche Übernahmeerfahrung

Der noch recht junge Markt der Lieferdienste befindet sich zunehmend in einer Konsolidierungsphase, in der Übernahmen und Fusionen an der Tagesordnung sind. So haben sowohl die Niederländer als auch die Briten schon diverse Übernahmen getätigt.

So übernahm Takeaway.com im Jahre 2014 das deutsche Portal Lieferando.de für 50 Millionen Euro. 2018 hat sich Takeaway.com das Deutschlandgeschäft des Konkurrenten Delivery Hero mit den Marken Lieferheld, Foodora und Pizza.de für knapp 1 Mrd. EUR einverleibt. Im gleichen Jahr übernahmen die Niederländer auch das schweizerische Portal Foodarena.ch von Delivery Hero.

Bereits in 2012 kaufte Just Eat das Bestellportal fillmybelly.com. Im Mai 2015 kündigte Just Eat an, dass es Menulog, ein australisches Lebensmittelunternehmen, für 855 Mio. AUD kaufen würde. Im Juli 2015 erwarb Just Eat Orderit.ca, ein kanadisches Online-Bestellunternehmen für Lebensmittel und im Folgejahr übernahm Just Eat den britischen Geschäftsbereich von Takeaway.com.

Deal steckt noch in den Kinderschuhen

Bei dem am Montag veröffentlichten Eckpunkte-Papier handelt es sich noch nicht um eine Übernahmevereinbarung. Um einen solchen Vertrag fertig zu stellen, sind weitere Gespräche zwischen den Vorständen beider Unternehmen geplant. Nach britischem Rech kann sich Takeaway.com hierfür noch bis zum 24. August Zeit lassen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.