Linde-Aktie: Neue Verhandlungsrunde, neuer Chef

Die beiden wollen es noch mal miteinander versuchen:

Der Münchener Industriegas-Hersteller Linde und US-Konkurrent Praxair haben in dieser Woche beschlossen, die Fusions-Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Einstimmig votierten die Mitglieder des Aufsichtsrates dafür, die Gespräche wieder aufzunehmen. Im September waren die Verhandlungen über einen geplanten Zusammenschluss überraschend geplatzt.

Beide Konzerne wurden sich nicht einig über Fragen wie Hauptstandorte, Führungs-Personal oder Struktur des neu entstehenden Weltmarktführers.

Nun scheinen die Amerikaner Linde in wesentlichen Punkten ein Stück entgegen gekommen zu sein, sodass gemeinsame Lösungen zumindest wieder vorstellbar erscheinen.

Alter Bekannter wird neuer Chef

Einer ging jedoch direkt von Bord:

Vorstands-Chef Wolfgang Büchele, der bereits nach dem geplatzten Deal vor 2 Monaten seinen Rückzug für Ende April 2017 angekündigt hatte, stellt sein Amt nun mit sofortiger Wirkung zur Verfügung.

Ein Nachfolger ist auch schon gefunden, es ist ein altbekanntes Gesicht bei Linde:

Aldo Belloni kehrt für die Fusions-Verhandlungen eigens aus dem Ruhestand zurück, bis Ende 2018 soll er die Geschicke des DAX-Unternehmens lenken.

Belloni war in seinem Berufsleben mehr als 30 Jahre für die Linde AG tätig, darunter auch 14 Jahre im Vorstand aktiv.

Offen ist jedoch noch, was aus den Sparplänen wird, die Büchele vor seinem Abgang initiiert hatte.

Demnach sollten bis 2019 bis zu 4.000 der weltweit 65.000 Stellen abgebaut werden, um die jährlichen Kosten um 550 Mio. € zu senken.

Industriegase-Branche im Konsolidierungs-Modus

Zumindest von den neuerlichen Fusions-Plänen sind jedoch vorerst keine deutschen Arbeitsplätze bedroht, die 5.500 Beschäftigten hierzulande sollen auch dem neuen Konzern erhalten bleiben.

Dieser würde zum Weltmarktführer aufsteigen – eine Position, die Linde an den französischen Rivalen Air Liquide abtreten musste, nachdem dieser den Wettbewerber Airgas übernommen hatte.

Die Branche befindet sich seit Jahren auf einem strikten Konsolidierungskurs. Nach einem Zusammenschluss von Linde und Praxair gäbe es nur noch drei namhafte Player am Markt.

Dieser Umstand dürfte die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen, die vermutlich einige Auflagen an eine Zustimmung zu den Fusions-Plänen knüpfen werden.

Linde-Aktie im Plus

Die Linde-Aktie konnte zuletzt wieder etwas zulegen und reagierte am Mittwoch mit einem Aufschlag von 2,6% auf die Meldung, dass die Verhandlungen erneut aufgenommen werden sollen.

Seit Jahresbeginn summiert sich das Kurs-Plus mittlerweile auf rund 17%. Allerdings werden die Münchener aufpassen müssen, dass sie bei den Fusions-Gsprächen nicht unter die Räder geraten.

Denn zumindest an der Börse lief es für Praxair in den vergangenen Wochen und Monaten noch etwas besser als für Linde.

Bislang heißt es jedoch, man spreche über einen Zusammenschluss auf Augenhöhe, nicht etwa über die Übernahme eines Junior-Partners.

Analysten sehen mit Blick auf die Linde Aktie jedenfalls noch durchaus Potenzial: Die Kursziele der meisten aktuellen Studien bewegen sich im Rahmen zwischen 160 und 180 €.

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10. Dezember 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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