LinkedIn-Übernahme durch Microsoft nimmt letzte Hürde

Es war die Übernahme-Überraschung des Sommers: Im Juni dieses Jahres kündigte Microsoft die Übernahme des Karriere-Netzwerks LinkedIn an.

Zur Freude der LinkedIn-Aktionäre musste sich Microsoft dabei einen Wettstreit mit Salesforce liefern, sodass am Ende eine satte Prämie von 50% auf den Börsenkurs gezahlt wurde.

Die Idee hinter dem Übernahme-Deal ist, dass Microsoft durch die Verzahnung der Office-Produkte mit LinkedIn die Verkäufe ankurbelt.

Von Cloud-Angeboten und individualisierter Werbung erhofft sich Microsoft ebenfalls hohe Gewinne.

Die Übernahme passt also zur größeren Microsoft-Strategie, die vorsieht, auch abseits des klassischen Software-Geschäfts neue Umsatz-Quellen zu erschließen.

EU-Zulassung war letzter Stolperstein

Die LinkedIn-Übernahme hatte ein Volumen von 26,2 Mrd. Dollar. Milliarden-Übernahmen dauern nicht selten über 1 Jahr bis zum Abschluss – doch Microsoft drückte aufs Tempo.

In kurzer Zeit konnten fast alle notwendigen Genehmigungen eingeholt werden – mit Ausnahme der EU-Genehmigung:

Dort drohte aufgrund von Wettbewerbs-Bedenken eine tiefere Prüfung, die den Zeitplan durcheinander gewirbelt hätte.

Letztendlich gelang es den Amerikanern allerdings auch das OK der EU einzuholen.

Übernahme-Genehmigung unter Auflagen

Ganz so unkompliziert war es für Microsoft nicht, die Wettbewerbs-Behörden zu überzeugen, dass die Übernahme den Wettbewerb nicht verzerrt.

Die Behörde befürchtete eine mittelfristige Vormachtstellung und verlangte daher Zugeständnisse, um den Deal zu genehmigen.

Microsoft zeigte sich bereit, dass bei vorinstallierten Betriebssystemen LinkedIn löschbar bzw. ersetzbar ist.

LinkedIn-Konkurrenten wird nach wie vor das Office-Add-in-Programm zur Verfügung stehen und Entwicklern ist es möglich, ihre Dienste in die Office-Programme zu integrieren.

LinkedIn-Aktie seit Angebots-Ankündigung knapp unter Angebots-Preis: Investoren setzten früh auf die Microsofts Expertise 

Die LinkedIn-Aktie reagierte mit minimalen Gewinnen auf die Meldung. Seit der Angebots-Ankündigung notierte das Papier allerdings auch nah am Angebots-Preis von 196 Dollar.

Der geringe Abstand zeigt Ihnen, dass der Markt von Beginn an ziemlich überzeugt davon war, dass der Software-Konzern die Übernahme planmäßig erfolgreich zu Ende bringen kann.

Erst Skepsis, dann Zuversicht: Microsoft-Aktie steigt in 5 Jahren um 200%

Während die LinkedIn-Aktie seit Juni knapp unter dem Angebots-Preis seitwärts verlief, konnte die Microsoft-Aktie mehr als 30% hinzugewinnen.

Die anfängliche Skepsis der Investoren, ob die 50% Übernahme-Prämie gerechtfertigt ist, ist verflogen.

Inzwischen herrscht Zuversicht, dass die Übernahme sich auszahlen wird – nicht zuletzt deswegen, weil LinkedIn wenig später unerwartet starke Geschäfts-Ergebnisse vorlegte.

Zudem ist sichtbar, dass der vorsichtige Microsoft-Konzern-Umbau immer dickere Früchte trägt. 2012 wurde befürchtet, dass der Computer-Dino mehr und mehr ins Hintertreffen gerät und wichtige Chancen verpasst.

Der sichere Windows-Umsatzbringer fiel mit dem Vormarsch der Smartphones aus. Doch jetzt ist klar, dass das Management sehr wohl seine Hausaufgaben gemacht hat.

Microsoft wird zunehmend profitabler und für die kommenden Jahre erwarten Analysten steigende Gewinne. Das kommt dann auch der Aktie zugute, die aktuell knapp unter Allzeithoch notiert.

9. Dezember 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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