Liquiditätsspritze der chinesischen Zentralbank: Ein Alarmsignal?

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Im Zuge der Brexit-Tragödie ging die jüngste drastische Maßnahme der chinesischen Zent-ralbank fast unter. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Derzeit reden alle nur noch über den Brexit. Wir werden das heute nicht tun.

Ganz ehrlich: Mich nervt dieses Thema inzwischen ganz gewaltig! Schließlich beschäftigt es die Börsen nun seit mittlerweile 3 Jahrent, wenn Sie die Vorbereitungszeit auf den britischen Volksentscheid im Juni 2016 mit einbeziehen.

Eine zu starke Fokussierung auf ein Thema führt zudem dazu, dass andere, bedeutsame Ereignisse in den Hintergrund geraten – zu Unrecht. So ist möglicherweise die nachfolgende Meldung gestern völlig an Ihnen vorbei gegangen:

Wie am Montag bekannt wurde, hat die chinesische Zentralbank in der vergangenen Woche umgerechnet 73 Mrd. Euro in die Finanzinstitute des Landes gepumpt. Die Begründung, dass damit Liquiditätsschwierigkeiten vorgebeugt werden soll, könnte ein Alarmsignal sein.

Wir schauen daher heute einmal nicht auf Großbritannien, sondern den Aktienmarkt in China.

China in der Wirtschaftskrise?

Dass es bei den Chinesen konjunkturell nicht sonderlich gut läuft, konnten Sie hier in Chartanalyse-Trends bereits vor 8 Tagen lesen. Seinerzeit berichtete ich Ihnen von der gerade veröffentlichten Weltbank-Prognose:

„Für 2019 geht die Weltbank von einem weltweit geringeren Wirtschaftswachstum aus. Als Gründe werden neben dem schwelenden Handelsstreit zwischen China und den USA schwierige Finanzmärkte in den großen Schwellenländern sowie international schwächere Handels- und Produktionsaktivitäten genannt.

Für die USA sagt die Weltbank eine Abmilderung des Wirtschaftswachstums von zuvor +2,9% auf +2,5% voraus. In 2020 soll dieser Wert gar auf +1,6% absinken. China wird laut der Vorhersage mit einer Minderung von +6,5% auf +6,2% davonkommen.“

Das klingt – insbesondere im Vergleich zu USA und Europa – zwar nicht nach unbedingt nach einem Problem. Tatsächlich ist es eines für China:

Die Volkswirtschaft im Reich der Mitte ist seit dem Jahr 1990 an Wirtschaftswachstumsraten zwischen +7,7% im Minimum und im besten Fall +14,2% (1992 und 2007) gewöhnt. Im Jahr 2014 rutschte dieser Wert mit +7,3% erstmals darunter und gibt seither kontinuierlich weiter nach.

Warnung im September war berechtigt

Zuletzt hatte ich den chinesischen Aktienmarkt vor 4 Monaten für Sie auf dem charttechnischen Prüfstand. In jenen Tagen beherrschte übrigens der Handelsstreit zwischen China und den USA die Börsenmedien.

Seinerzeit analysierte ich für Sie, ob chinesische Aktien nach einem Wertverlust von etwas mehr als einem Viertel inzwischen reif für einen Schnäppchenkauf seien. Zur Erinnerung hier noch einmal mein Fazit vom 19. September 2018:

„Im Handelsstreit zwischen den USA und China ist derzeit noch kein Ende absehbar. Und solange sich beide Parteien nicht an den Verhandlungstisch setzen, wird der chinesische Aktienmarkt unter Druck bleiben.

Darauf deutet auch die Charttechnik hin. Langfristig sind Verkaufssignale – in Gestalt des Relative Stärke Index – in Kraft. Und mittelfristig signalisieren Ihnen OBV und Momentum nicht einmal einen Ansatz für ein Ende der seit Februar bestehenden Abwärtsbewegung.

Es gibt derzeit wahrlich attraktivere Regionen für Aktien-Investments. Ich behalte die Entwicklung in China aber für Sie weiter im Auge!“

Shanghai Composite: Die aktuelle Charttechnik

Schauen wir also einmal, wie sich die chinesischen Aktienkurse seither entwickelt haben. Wie schon im September analysiere ich für Sie den Shanghai Composite. Es ist der bedeutendste Index in China exklusive Hongkong:

Shanghai Composite: Erstaunlich erfreuliche Charttechnik

Meine wiederholte Warnung war berechtigt, wie Sie dem Chart entnehmen können: Seit meiner Analyse im September 2018 ging es im Index nochmals knapp -11% in den Keller.

Seither hat sich das Bild indes gewandelt. Wenn Sie sich nun noch einmal den Anlass für die heutige Analyse ins Gedächtnis rufen, dann werden Sie mir zustimmen, wenn ich schreibe: Erstaunlicherweise!

Nach mehreren Fehlausbrüchen seit September des letzten Jahres (blaue Pfeile) könnte ein Überwinden des Abwärtstrends seit Anfang 2018 diesmal gelingen (gelber Kreis). Hier die Gründe dafür:

Das Momentum hat vor 14 Tagen ein erstes vorsichtiges Kaufsignal generiert (grüner Kreis): Meine Zurückhaltung begründet sich damit, dass der Indikator bis dato noch negativen Schwung aufgebaut hat. Das könnte sich nun jedoch bald ändern.

Das gilt in ähnlicher Weise für das On-Balance-Volumen: Der Großinvestoren-Indikator stößt aktuell erneut an seinen langfristigen Abwärtstrend (blauer Kreis).

Fazit

Betrachtet man die Meldung über die Liquiditätsspritze der chinesischen Zentralbank an die Finanzbranche des Landes für sich, dann schrillen bei den meisten Anlegern und Marktkommentatoren sofort die Alarmglocken:

Zuletzt gab es ähnliche Maßnahmen in Europa und den USD im Zuge der Finanzkrise 2007/08. Und wir wissen alle, was dies seinerzeit mit den Aktienmärkten angestellt hat.

Meine heutige Analyse unterstreicht indes wieder einmal meine Dauerempfehlung hier in Chartanalyse-Trends: Ignorieren Sie die Marktkommentare und machen Sie sich stattdessen selbst ein Bild von der Lage!

Das funktioniert mit Charttechnik immer noch am besten: Denn die Charts bilden zu jeder Zeit das herrschende Verhältnis von Angebot zu Nachfrage ab.

Tatsächlich ist die Charttechnik für chinesische Aktien so vielversprechend wie schon lange nicht mehr. Denn neben dem bereits positiven Signal vom Schwung-Indikator schickt sich nun auch das On-Balance-Volumen an, ein Kaufsignal zu generieren.

Last not least ein Schmankerl zum Schluss: Die von mir eingezeichneten grünen Linien kennzeichnen eine potentielle Doppelboden- oder W-Formation.

Als gewiefte(r) Charttechniker(in) wissen Sie, dass diesem Kursmuster eine positive Prognose-Kraft innewohnt: Sie bildet oftmals den Schlussakkord eines langfristigen Abwärtstrends.

Beachten Sie aber bitte: Diese Formation wird erst dann aktiviert, wenn das Hoch zwischen den Tiefs überboten wird!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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