Lockheed Martin übernimmt Raketenbauer Aerojet Rocketdyne

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Im US-Rüstungssektor wurde am Wochenende ein neuer Mega-Deal bekannt gegeben. Der Marktführer Lockheed Martin will den kleineren Mitbewerber Aerojet Rocketdyne für satte 4,4 Mrd. Dollar übernehmen. (Foto: Everett Historical / shutterstock.com)

Kurz vor dem langen Weihnachtswochenende wurde gestern ein Mega-Deal unter den führenden US-Raketenherstellern bekannt gegeben: Die Lockheed Martin Corporation teilte am Sonntag mit, dass sie eine Übernahmevereinbarung mit der Aerojet Rocketdyne Holdings, Inc. unterzeichnet hat.

Lockheed Martin hat sich darin bereit erklärt, stolze 4,4 Mrd. US-Dollar (USD) einschließlich Schulden und Barvermögen für den kleineren Mitbewerber aus dem Umland von Los Angeles auf den Tisch zu blättern.

Bargeschäft mit sattem Aufschlag

Lockheed Martin bietet den Aktionären von Aerojet Rocketdyne im Rahmen der Übernahme 56 USD für jede Aktie an. Dies entspricht einem Aufschlag von 33,2% auf den Schlusskurs der Aerojet-Rocketdyne-Papiere vom Freitag, dem letzten Börsentag vor Bekanntgabe des Deals.

Laut Übernahmevereinbarung wird Aerojet Rocketdyne seinen Aktionären vor Abschluss der Transaktion noch eine Sonderdividende in Höhe von 5 USD je Aktie zum Geschäftsschluss im März 2021 auszahlen. Lockheed Martin wird den Aktionären von Aerojet Rocketdyne, die der Übernahme zustimmen, weiter 51 USD je angedienter Aktien überweisen.

Die beteiligten Unternehmen im Überblick

Die in Bethesda, Maryland, beheimatete Lockheed Martin Corporation war laut schwedischem Friedensforschungsinstitut Sipri in 2019 das mit Abstand größte Rüstungsunternehmen der Welt. Laut Sipri erzielte Lockheed Martin im vergangenen Jahr allein aus dem Verkauf militärischer Ausrüstung einen Umsatz von 53,23 Mrd. USD. Der Gesamtumsatz des Konzerns belief sich in 2019 auf 59,81 Mrd. USD.

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als globales Sicherheits-, Luft- und Raumfahrtunternehmen. Zu den militärischen Produkten der Lockheed Martin Corp. gehören z. B. Kampf-, Aufklärungs- und Transportflugzeuge, Drohnen, ballistische Raketen, Flugabwehrraketen (z. B. Patriot) und Sikorsky-Hubschrauber.

Die Flugzeuge und Hubschrauber der Lockheed Martin Corp. werden auch im zivilen Bereich eingesetzt. Darüber hinaus hat das Unternehmen im Geschäftsbereich Raumfahrttechnologie Teile der internationalen Raumstation ISS, das Weltraumteleskop Hubble und diverse Raumsonden für die NASA entwickelt und produziert.

Der mit Abstand größte Kunde des Unternehmens ist, wie Sie sicherlich schon vermutet haben, die US-Regierung. Allerdings ist das Unternehmen mit seinen mehr als 110.000 Mitarbeitern weltweit in 18 Ländern, darunter auch Deutschland, vertreten.

Die in El Segundo, einer Kleinstadt im Dunstgürtel von Los Angeles, beheimatete Aerojet Rocketdyne erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,98 Mrd. USD. Das Unternehmen beschäftigt etwa 5.000 Mitarbeiter und produziert an 15 US-Standorten Raketentriebwerke für die Luft- und Raumfahrt und das Verteidigungswesen.

Hauptabnehmen der Aerojet-Rocketdyne-Produkte ist die US-Regierung und die NASA. Darüber hinaus verkauft das Unternehmen seine Triebwerke auch an Unternehmen, die sowohl im privat- als auch im militärischen Bereich aktiv sind, wie z B. Boeing, Lockheed Martin und Raytheon.

Kurssprung bei Aerojet Rocketdyne

Gleich nach Öffnung der New Yorker Börse um 15.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit schoss der Kurs der Aerojet Rocketdyne-Aktie durch die Decke. Er stieg im Vergleich zum freitäglichen Schlusskurs USD um gut 21% auf 51,20 USD und lag damit in der Nähe des von Lockheed Martin gebotenen Nettopreises.

Die Anleger gehen offensichtlich davon aus, dass der Deal problemlos über die Bühne gehen wird. Vermutlich wird sich der Kurs Aerojet Rocketdyne-Papiere bis zum heutigen Börsenschluss noch dem angebotenen Bruttopreis von 56 USD annähern. Somit wäre dann auch die beschlossene Sonderdividende von 5 USD in den Aktienkurs eingepreist.

Der Kurs der Lockheed Martin-Aktie startete jedoch schwach in den heutigen Handel. Er verlor in einem insgesamt schwachen US-Marktumfeld deutlich um -2%. Dies deutet daraufhin, dass Investoren aufgrund des hohen Preises an der Wirtschaftlichkeit des Übernahmegeschäfts zweifeln.

Wie es weitergehen wird

Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der Aktionäre von Aerojet Rocketdyne sowie der üblichen behördlichen Genehmigungen. Der Übernahme-Deal soll voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 abgeschlossen werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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