Loewe rettet sich erst einmal unter den Schutzschirm

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Der Fernseher-Hersteller Loewe hat ein sogenanntes Schutzschirm-Verfahren beantragt. Die drohende Pleite ist damit zunächst aufgeschoben. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

In der gestrigen Ausgabe von habe ich Sie eindringlich vor Turnaround-Spekulationen gewarnt. Die jüngsten Pleiten von Praktiker und Conergy zeigen mehr als deutlich, welche unkalkulierbaren Risiken bei solchen Werten lauern.

Ich hatte meinen Artikel noch nicht fertiggeschrieben, da lief die Meldung über den Ticker, dass Loewe ein sogenanntes Schutzschirm-Verfahren beantragt hat. Droht hier schon die nächste Pleite?

Loewe schlüpft unter den „Schutzschirm“

Der angeschlagene Produzent von Fernsehgeräten gab am gestrigen Vormittag bekannt, das Unternehmen werde beim Amtsgericht Coburg einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirm-Verfahrens in Eigenverwaltung beantragen.

Diese Phase des Schutzschirm-Verfahrens dauert drei Monate. In dieser Zeit ist das Unternehmen vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt und bleibt so voll handlungsfähig.

Schutzschirm-Verfahren wurde in Deutschland letztes Jahr eingeführt

Dieses Verfahren, das dem in den USA seit vielen Jahren bekannten Chapter-11-Verfahren ähnelt, wurde in Deutschland im vergangenen Jahr eingeführt.

Unternehmen, bei denen die Zahlungsunfähigkeit droht, aber noch nicht eingetreten ist, soll so ermöglicht werden, in dieser Übergangsphase unter Eigenregie die Wende zu schaffen, ohne dass der Gang zum Insolvenzrichter droht.

Loewe verschafft sich zunächst Aufschub

Die Tatsache, dass Loewe die Einleitung dieses Verfahrens beantragt, zeigt eines ganz deutlich: Das Unternehmen ist massiv von der Insolvenz bedroht.

Ob die drei Monate Aufschub, die der angeschlagene Konzern nun bekommt, ausreichen werden, um eine nachhaltige Umstrukturierung zu schaffen, ist mehr als fraglich.

Ich fürchte, dass es letztendlich auch bei Loewe unweigerlich auf eine Insolvenz hinauslaufen wird.

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Der Konzern hat sich in der Vergangenheit viel zu lange auf seiner führenden Stellung im Premium-TV-Bereich ausgeruht, den Trend hin zu flachen LCD-Fernsehern verpasst und seitdem nie wieder den Anschluss geschafft.

Weil das fränkische Traditionsunternehmen inzwischen mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht hat, ist Loewe gezwungen, am 31. Juli in Berlin eine außerordentliche Hauptversammlung abzuhalten.

Dort wird das Management dann auch zeigen müssen, ob es eine Erfolg versprechende Strategie hat, um die Insolvenz doch noch abzuwenden.

Loewe-Aktie wird zum Zockerpapier

So oder so verkommt die Loewe-Aktie mehr und mehr zum Zockerpapier. Dies zeigt die Kursentwicklung am Dienstag sehr deutlich.

Zunächst brach der Kurs um bis 27% ein, drehte dann zeitweise sogar wieder in den grünen Bereich, um letztlich doch mit einem Tagesverlust von über 12% aus dem Handel zu gehen.

Von seinem Höchststand im Jahr 2000 ist der Aktienkurs inzwischen knapp 96% entfernt.

Ein seriöses Investment ist die Aktie zweifellos nicht. Natürlich winken hohe Gewinnchancen, sollte der Turnaround gelingen.

Dem gegenüber steht aber ein hohes Risiko, dass es für Loewe-Aktionäre schließlich endet wie für die Anteilseigner von Praktiker und Conergy: mit einem Totalverlust.


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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.