Logistiker DSV bietet 4 Milliarden Schweizer Franken für Frachtdienstleister Panalpina

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Übernahmewelle erfasst die Logistikbranche. Dänischer Logistikriese streckt die Fühler in die Schweiz aus und legt Offerte für Panalpina auf den Tisch (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Der nächste Milliardendeal steht vor der Tür. Der dänische Frachtspezialist DSV peilt einen milliardenschweren Zukauf an und will zum zweitgrößten Luftfrachtversender der Welt aufsteigen. Das lassen sich die Dänen ordentlich was kosten. Das unaufgeforderte Angebot bewertet Panalpina mit 4 Milliarden Schweizer Franken und bietet damit den Anlegern einen Aufschlag von 24% auf den Schlusskurs vor der Übernahmemeldung.

Der Übernahmeversuch erfolgt weniger als drei Monate nachdem DSV ein anderes potenzielles Schweizer Ziel – Ceva Logistics AG – zu den Akten gelegt hatte, da auch ein versüßtes Milliarden-Angebot von Ceva abgelehnt worden war.

Die erste Reaktion der Anleger fiel eindeutig aus – die Panalpina-Papier schoss um gut 30% in die Höhe. Erstaunlicherweise zeigten auch die Aktie des Bieters DSV eine positive Reaktion und kletterten um über 5%.

DSV bietet hohen Preis

Für den Frachtdienstleister bietet der Logistikkonzern DSV 4 Milliarden Schweizer Franken beziehungsweise 170 Schweizer Franken je Aktie. Dabei setzt sich die Offerte aus einem Barangebot in Höhe von 55 Schweizer Franken zuzüglich 1,58 DSV-Aktien zusammen. Unter dem Strich ein stolzer Preis. Immerhin bieten die Dänen etwa das 35-Fache der Gewinne von Panalpina.

Cevian verliert die Geduld

Bislang hatten Marktteilnehmer eher auf die Übernahme von Panalpina durch den Schweizer Rivalen Kühne + Nagel gesetzt. Dass es überhaupt zu einem Deal kommt, ist aber wenig verwunderlich. Der aktivistische Großaktionär Cevian übt seit geraumer Zeit Druck auf das Management aus und fordert den Verkauf der Firma.

Sie müssen wissen: Cevian ist bereits seit rund acht Jahren an Panalpina beteiligt, hat inzwischen aber die Geduld verloren und einen Wechsel des Verwaltungsrats-Präsidenten durchgedrückt. Aktuell hält der Großinvestor gut 12% aller Aktien der Logistikfirma.

Stiftung hat das letzte Wort

Bislang äußerte sich Panalpina sehr bedeckt und meldete nur, das Angebot prüfen zu wollen. Letzten Endes ist ohnehin entscheidend, was die in Zug ansässige Ernst Göhner Stiftung dazu sagt. Sie ist bereits seit 1969 der größte Einzelaktionär und hält 46% aller Stimmrechte. Panalpina ist übrigens die letzte Unternehmensbeteiligung, die der 1971 verstorbene Stifter Ernst Göhner noch selber erworben hatte. Dies verleiht Panalpina eine besondere Bedeutung im Portefeuille der Stiftung.

Panalpina ist aber vor allem auch die wichtigste Ertragsquelle der Stiftung. Immerhin flossen ihr 2017 Dividenden in Höhe von rund 40 Millionen Franken zu. Alleine mit dieser Ausschüttung konnte die Stiftung die Ausgaben ihrer über 1.300 Projekte decken, für die 37 Millionen Franken ausgegeben wurden.

Panalpina kämpft mit Ertragsproblemen

Allerdings sollten Sie wissen, dass zuletzt ein großer Teil der Dividenden aus den Reserven entnommen wurde. Den Panalpina kämpfte zuletzt mit erheblichen Ertragsproblemen. Im vergangenen Geschäftsjahr blieben trotz Umsätze von 5,53 Milliarden Schweizer Franken gerade einmal Gewinne in Höhe von 59 Millionen Schweizer Franken übrig. Das entspricht einer mageren Gewinnspanne von 1,06%. Auch in den Vorjahren war Panalpina ähnlich schwach, was die Gewinnspannen angeht (2017: 1,05%; 2016: 1,49%; 2015: 1,30%).

Übernahme schafft führenden Frachtkonzern

Die dänische DSV erwirtschaftete zuletzt mit 45.000 Beschäftigen einen Jahresumsatz von rund 10 Milliarden Euro und erreichte dabei eine Gewinnspanne von immerhin 4%. Auch die Wachstumsragen konnten sich zuletzt sehen lassen. So hat die Firma in den vergangenen fünf Jahren ihren Umsatz um durchschnittlich rund 13% pro Jahr erhöht.

Panalpina würde den dänischen Konzern sowohl bei Luftfracht als auch Seecontainern voranbringen – eine willkommene Ergänzung zu deren Stärke im Bereich Straßentransport. Der Größengewinn durch Panalpina würde dem Unternehmen ermöglichen, noch schneller als der Markt zu wachsen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.