Lohnende Übernahme: Sigma Aldrich-Zukauf verschafft Merck Gewinnsprung

Es ist Berichtssaison. Die Aktiengesellschaften öffnen ihre Bücher und informieren die Anleger über den aktuellen Stand des Geschäftsverlaufs 2016.

Vielfach konnten die deutschen Unternehmen die Erwartungen von Analysten und Aktionären erfüllen. Und nicht selten kam es dabei sogar zu Ergebnissen, die besser als erwartet ausfielen.

So war es z. B. beim deutschen Pharma-Konzern Merck, der dank einer hohen Profitabilität besser abschnitt als prognostiziert wurde und den Ausblick auf das Gesamtjahr anhob.

Hohe Marge des Übernahme-Kandidaten sorgt für Ausweitung der Konzern-Gewinnspanne

Merck gelang im 2. Quartal 2016 ein deutlicher Zuwachs bei Umsatz und Gewinn. Mit 3,8 Mrd. € lag der Umsatz 18,2% höher als im Vorjahres-Zeitraum.

Während das Wachstum aus eigener Kraft bei 5,1% lag, ist der Rest der Steigerung auf die Übernahme von Sigma-Aldrich zurückzuführen.

Der im November 2015 abgeschlossene Deal führte dann auch dank der hohen Profitabilität des Sigma Aldrichs-Geschäfts sowie der Hebung von Synergien zu einem deutlich höheren operativen Gewinn.

Wurde im 2. Quartal 2015 operativ noch 899 Mio. € verdient, waren es diesmal 1,15 Mrd. €.

Unter dem Strich stieg der Gewinn je Aktie (ohne Sondereinflüsse) nach 6 Monaten auf 3,09 € – 2015 waren es 2,43 €. Der Zielkorridor für das Gesamtjahr liegt bei 5,85 € bis 6,10 € je Aktie.

Fokus auf Integration und Schulden-Reduzierung

Merck teilte mit, dass die Integration von Sigma-Aldrich mit großen Schritten voranschreitet.

Im vergangenen Jahr übernahmen die Deutschen den US-amerikanischen Labor-Ausrüster für 17 Mrd. Dollar. Es war die größte Übernahme der Firmen-Geschichte.

Schon damals reagierten die Anleger trotz eines vergleichsweise ambitionierten Kaufpreises positiv auf den Deal, der nach 3 Jahren 260 Mio. € Synergien mit sich bringen soll.

Heute teilte das Unternehmen mit, dass in diesem Jahr bereits Synergien in Höhe von 90 Mio. € anfallen werden. Die lohnende Übernahme ist für Merck derzeit jedoch kein Anreiz weiter nach passenden Kandidaten zu schauen.

Das Unternehmen will sich auf die Schulden-Reduzierung und Integration fokussieren. Deals im Volumen von über 500 Mio. € wird es nicht geben, teilte Merck-Finanzchef Marcus Kuhnert mit. 

Merck-Aktionäre liegen seit Sigma Aldrich-Übernahme deutlich im Gewinn

Trotz der erfüllten Erwartungen, der Prognose-Anhebung und zum Teil über den Erwartungen liegenden Ergebnisse, verliert die Merck-Aktie am Mittag 0,6%.

Frei nach dem Motto: „Sell on good news“ haben sich einige Investoren offenbar überlegt Kasse zu machen. Wer kann ihnen das auch verübeln?

Seit Anfang April hat die Aktie gute 30% zugelegt und notiert nur knapp unter Jahreshoch. Wer das Papier im Zuge der Übernahme-Ankündigung kaufte, liegt sogar 40% im Plus.

Das Plus ist keine Selbstverständlichkeit. Nicht selten entpuppt sich ein Zukauf für die Bieter-Aktionäre als zu teuer und die Aktie notiert tiefer als vor der Deal-Ankündigung.

4. August 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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