Lohnendes Übernahme-Aus: Aixtron-Aktie 66% über damaligen Angebots-Preis

Im Jahr 2016 platzte die Aixtron-Übernahme durch FCG. Für die Anleger ein Segen, denn die Aktie notiert heute 66% über dem Angebotspreis. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Heute möchte der Übernahme-Sensor den Blick zurück auf eine gescheiterte Übernahme aus dem Jahr 2016 werfen und durchleuchten, wie es aktuell um das Unternehmen steht.

Was ist passiert? Der Beschichtungsanlagenhersteller Aixtron stellte sich im März 2016 nach mehreren Verlustjahren zum Verkauf. Im Mai 2016  einigte sich das Management mit dem chinesischen Investor Fuijan Grand Chip (FGC) auf einen Deal im Volumen von 676 Mio. Euro.

Der Deal schien zunächst in der Spur, doch im Oktober 2016 zog das Bundeswirtschaftsministerium seine Unbedenklichkeitsbescheinigung zurück und kündigte eine erneute Prüfung des Deals an. Als einen Monat später auch noch die US-Behörde CFIUS die Zustimmung zum Deal aufgrund von Sicherheitsbedenken untersagte, geriet die Übernahme in sehr schwieriges Fahrwasser.

Es kam, was zu erwarten war: Die Übernahme wurde Anfang Dezember abgeblasen.

Management wollte Deal zu 6 Euro je Aktie

Für Aixtron war eine Übernahme das gewünschte Szenario. Unternehmenschef Martin Goetzeler warnte im Sommer 2016 vor sehr negativen Folgen im Falle eines Deal-Aus, das Entlassungen und eine Verkleinerung des Technologieportfolios nach sich ziehen könnte.

Auch die Aktionäre wollten den Unternehmensverkauf. Immerhin lag der angebotene Preis mit 6 Euro je Aktie deutlich über dem bereits spekulationsgetriebenen Aktienkurs und das Management empfahl die Annahme. 

Schnelle operative Fortschritte hieven Aixtron schon 2017 in die Gewinnzone

Als sich abzeichnete, dass es keinen Deal geben wird, verlor die Aixtron-Aktie wieder den Übernahme-Aufschlag und fiel auf bis zu 3 Euro im Dezember 2017 zurück. Wer dem Unternehmen die Treue hielt, wurde jedoch belohnt – und kann im Nachhinein sehr zufrieden sein, dass der Deal nicht klappte.

Von nun an geht es bergab mit den GewinnenNoch gibt es erst einige Gewinnwarnungen. Aber schon in einigen Wochen wird die Zahl explodieren. › mehr lesen

Denn die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich nicht. Im Gegenteil: 2016 markierte den Endpunkt der Aixtron-Dürre. 2017 legte das Unternehmen einen Umsatzsprung von 17,25% hin, verringerte den operativen Verlust auf 7 Mio. Euro (2013: 110 Mio. Euro) und erreichte unter dem Strich sogar die Gewinnzone.

Aktie nur 1 Jahr nach Übernahme-Aus doppelt so teuer

Die sichtbare operative Verbesserung führte dann auch dazu, dass die Aixtron-Aktie durchstartete. Bereits im zweiten Quartal 2017 stieg die Aktie über den mit FCG vereinbarten Angebotspreis von 6 Euro.

Doch damit nicht genug: Nach einer Herbstrally stieg das Papier auf über 14 Euro. Nach einer Konsolidierung ging die Rally im ersten Quartal dieses Jahres weiter: Aixtron-Aktien wechselten am 19.03 in der Spitze für 19,76 Euro den Besitzer – der Preis lag da rund 230% über dem Angebotspreis aus 2016 und mehr 500% über dem Kurs nach dem Übernahme-Aus.

Wichtige Unterstützungszone: Kurzfristig entscheiden die Charttechniker wohin die Reise geht

Heute notiert die Aixtron-Aktie bei 10 Euro. Von ihrem Hoch ist die Aktie also fast 50% zurückgekommen, doch noch immer liegt der Preis 40% über dem Angebotspreis.

Analysten zufolge hat die Aktie auf dem aktuellen Niveau wieder Potenzial. Das durchschnittliche Kursziel liegt mehr als 30% höher. Ob die Aktie in den kommenden Wochen Richtung Kursziel zieht oder weiter nachgibt, entscheidet sich wahrscheinlich in Kürze.

Die Aktie kämpft gerade in einer wichtigen charttechnischen Unterstützungszone  gegen den anhaltenden Abwärtstrend. Kann sich das Papier behaupten, könnte es schnell wieder nach oben gehen. Fällt die Aktie unter die Unterstützung, ist Charttechnikern zufolge die nächste Anlaufstelle bei 8 Euro.

So oder so: Wer damals bei 3 Euro die Nerven behielt oder Einstieg, der wurde belohnt.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.