Lonza: Pharma-Konzern tütet größte Übernahme der Firmengeschichte ein

Der Pharma-Konzern Lonza bringt die größte Übernahme der Firmengeschichte nach dem Behörden-OK unter Dach und Fach. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Mit der gerade genehmigten größten Übernahme der Firmengeschichte setzt der Schweizer Pharma-Riese seinen Expansionskurs ungebremst fort – den Anlegern gefällt es.

Die Lonza-Aktie erfreute die Investoren in den vergangenen Jahren nicht nur mit konstanten Umsatz- und Gewinn-Steigerungen.

Auch der Blick auf den Kurschart fällt beeindruckend aus: Seit Jahresbeginn stiegen die Papiere um 25% und notieren kurz unter ihrem Allzeithoch.

Auf 5-Jahres-Sicht können sich die Aktionäre sogar über einen Wertzuwachs von mehr als 470% freuen.

Lonza – Schweizer Traditions-Konzern mit starker Marktposition

Lonza gehört zu den weltweit führenden Produzenten von pharmazeutischen Wirkstoffen im chemischen und biotechnologischen Bereich.

Zum weiteren Angebot gehören Zwischenprodukte für den Nahrungs- und Agrarbereich.

Als Zulieferer versorgt die Gruppe die Pharma-, Gesundheits- und Life Science-Industrie.

Das 2. Standbein der Basler sind industrielle Chemie-Produkte wie Desinfektions- und Konservierungsmittel oder Holzschutz-Produkte.

Das Unternehmen verfügt weltweit über 45 zentrale Produktions- und Forschung-Standorte.

Zustimmung der Behörden bringt Deal in trockene Tücher

Jetzt hat die im Dezember vergangenen Jahres verkündete Übernahme des US-Arzneikapsel-Herstellers Capsugel den Segen von allen Behörden erhalten.

Damit dürfte die Transaktionen in den nächsten Tagen abgeschlossen werden.

Mit der Offerte in Höhe von 5,5 Mrd. Dollar ist der Deal der größte in der kompletten Firmengeschichte (Gründung: 1897).

Der US-Arzneikapsel-Hersteller beschäftigt 3.600 Mitarbeiter an 13 Standorten auf 3 Kontinenten.

Capsugel stellt u. a. kleine Kapseln her, in die medizinische Wirkstoffe eingefüllt werden können, die Patienten dann schlucken.

Zukauf soll Wachstum sichern

Mit der Transaktion will Lonza v. a. eines: sich zukünftige Wachstums-Möglichkeiten sichern.

Capsugel beliefert über 4.000 Firmenkunden in gut 100 Ländern u. a. mit kleinen Kapseln, in die medizinische Wirkstoffe eingefüllt werden können.

Lonza zufolge ergänzt die US-Firma die eigene Produktion von Wirkstoffen für Arzneimittel-Firmen.

Dank dieser Übernahme hofft Lonza zum bevorzugten Partner für Gesundheits-Konzernen zu werden, die ihre Medikamente schnell und effizient an den Markt bringen wollen.

Die Verkürzung der „Produkt-Einführungszeit“ ist offenbar ein immer größeres Bedürfnis der Kunden.

Die Schweizer erwarten, dass sich die Übernahme ab 2018 positiv auf den Gewinn auswirkt. Konkret soll es potenzielle Umsatz-Synergien von jährlich 100 Mio. Dollar geben.

Zusätzlich sollen im Einkauf, der IT und der Administration weitere 30 Mio. Dollar und auf Grund von Steuer-Synergien nochmals 15 Mio. Dollar eingespart werden.

Hoher Kaufpreis

Ein Schnäppchen ist der Deal dennoch nicht. Dem Kaufpreis von 5,5 Mrd. Dollar steht ein Umsatz von 1 Mrd. Schweizer Franken und eine Vorsteuer-Rendite von 23% entgegen.

Damit ist der Rivale zumindest profitabler als Lonza, die zum Zeitpunkt des Deals auf eine Vorsteuer-Rendite von 22,5% kam.

Mit der Übernahme im Rücken dürfte der Schweizer Pharma-Konzern dann in diesem Jahr erstmal die 5-Mrd.-CHF-Marke beim Umsatz knacken.

Stellen Sie sich auf weitere Übernahmen ein

Sie können davon ausgehen, dass der Capsugel-Deal nicht der Letzte war; Lonza versucht seit längerem, das Geschäft mit Kunden aus der Pharma- und Biotech-Branche durch Zukäufe auszubauen.

Nach mehreren kleineren Übernahmen trat der Konzern im April letzten Jahres mit einer milliardenschweren Kauf-Offerte an den US-Pharma-Zulieferer Catalent heran.

Zu einer Transaktion kam es aber damals nicht. Mit Capsugel ist der große Wurf gelungen.

Jetzt muss der dicke Brocken verdaut werden. Kleinere Zukäufe sind jedoch jederzeit denkbar.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.