Lotto, Bund-Future und die Gesetze von Angebot und Nachfrage

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Warum Anleihekurse bald fallen und Aktienkurse weiter steigen könnten. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Wenn wir uns für ein Investment entscheiden, dann gehen wir stets davon aus, dass sich dieses Investment so entwickeln wird, wie wir es erwarten.

Alles andere wäre ja wohl auch unsinnig.

Im Unterschied zum Lotto oder Roulette können wir uns dabei aufgrund der Charttechnik auf Wahrscheinlichkeiten stützen. Das wiederum ist so, weil sich Kurse aufgrund der Gesetze von Angebot und Nachfrage entwickeln.

Unterstützung und Widerstand

Angebot und Nachfrage hinterlassen auf den Charts nämlich Spuren in Gestalt von Unterstützung und Widerstand.

An einer Unterstützung nimmt die Nachfrage meist zu, weil eine wachsende Zahl von Marktteilnehmern hier einen günstigen Einstiegspunkt sieht. An einem Widerstand nimmt das Angebot zu, da eine wachsende Zahl von Marktteilnehmern hier einen günstigen Ausstiegspunkt sieht.

In Aufwärtstrends macht der Kurs an Widerständen zunächst eine Pause und überwindet sie kurz darauf. Ein gutes Beispiel dafür lieferte uns jüngst der DAX: Zunächst scheiterte er 3 Wochen lang an der Marke um 6.970, bevor er sie überbieten konnte.

In Abwärtstrends ist es exakt umgekehrt: Der Kurs macht an Unterstützungen zunächst eine Pause und durchbricht sie kurz darauf nach unten.

Sonderform Seitwärts-Bewegung

Manchmal zeigt sich auf einem Chart indes auch gar kein Trend. Dann pendelt der Kurs zwischen einer Unterstützung und einem Widerstand längere Zeit hin und her.

Ein typisches Beispiel dafür liefert uns seit Monaten der Bund-Future. Der Bund-Future bezieht sich auf eine fiktive Schuldverschreibung der Bundesrepublik Deutschland mit einer Verzinsung von 6% und einer Laufzeit von 10 Jahren.

Sein Kursverlauf spiegelt somit die Entwicklung der langfristigen Rendite deutscher Staatsanleihen wider.

Bund-Future: Seit August nur seitwärts

Der Chart zeigt den Bund-Future auf Tagesbasis mit seiner 50- und 200-Tagelinie sowie dem 50-Tage-Momentum und dem 14-Tage-RSI.

Im Kursteil sehen Sie, dass der Bund-Future seit August des letzten Jahres zwischen dem Widerstand 138,00 und der Unterstützung 131,35 hin und her pendelt.

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Seit Dezember hat sich sogar eine noch engere Handelsspanne ausgebildet: Seither findet der Kurs bei 135,40 regelmäßig Unterstützung, während der obere Widerstand gleich geblieben ist.

Die roten Linien innerhalb dieser Handelsspanne zeigen, dass Trader diese Pendelbewegung in den letzten 3 Monaten wunderbar für sich hätten nutzen können.

Aktuell böte sich also an, wieder an der Unterstützung zu kaufen und erneut auf einen Anstieg in Richtung 138,00 zu spekulieren. Aber…

Je Druck, desto heftig

Seitwärts-Bewegungen halten nicht ewig an. Tatsächlich sind sie häufig Vorboten einer größeren Bewegung. Eine einfache Regel lautet: Je länger eine Seitwärts-Bewegung anhält und je enger sie verläuft, umso explosiver ist zumeist die sich anschließende Ausbruch-Bewegung.

Es ist vergleichbar mit einer Spiral-Feder, wie Sie sie aus dem Kugelschreiber kennen: Je stärker sie diese zusammendrücken, umso heftiger ist die anschließende Bewegung der Spiral-Feder, wenn Sie sie loslassen.

Und nun schauen Sie auf den Relative Stärke Index RSI im unteren Teil: Der Indikator hat die Bewegungen des Bund-Futures zwischen Widerstand und Unterstützung nahezu perfekt mit ähnlichen Pendelbewegungen „begleitet“. Die Rechtecke machen dies deutlich.

Achtung: mögliche Änderung voraus!

Doch am vergangenen Freitag brach der RSI erstmals seit Anfang Dezember aus dem letzten Rechteck nach unten aus (grüner Kreis), während der Bund-Future und auch das 50-Tage-Momentum (blauer Kreis) noch innerhalb ihrer Widerstands- und Unterstützungs-Marken notieren.

In zahlreichen Chartanalyse-Trends-Analysen habe ich auf die Vorläufer-Funktion des RSI aufmerksam gemacht. Der Ausbruch des RSI könnte somit ein Indiz dafür sein, dass uns nun eine dynamische Abwärtsbewegung im Bund-Future bevor steht, deren erstes Kursziel dann die langfristige Unterstützung bei 131,35 wäre.

Eine solche Entwicklung stünde durchaus auch im Kontext zur Entwicklung am Aktienmarkt. So steht die 200-Tagelinie im DAX kurz vor einem Trend-Wechsel: Kann sich der DAX in den kommenden Wochen oberhalb von 7.000 behaupten, dann würde die 200-Tagelinie bald wieder zu steigen beginnen.

Das wiederum wäre ein Beleg für einen länger anhaltenden Aufwärtstrend am Aktienmarkt. Und wenn der Bund-Future im Kurs sinkt, zeigt dies, dass sich Anleger zunehmend von den ohnehin gering rentierenden Anleihen trennen und das Geld daraus im wieder attraktiveren Aktienmarkt investieren.

Oder anders gesagt: Ein erhöhtes Angebot von Anleihen würde die Seitwärts-Bewegung im Bund-Future zu einem Abwärtstrend umfunktionieren. Und die erhöhte Nachfrage nach Aktien würde dann den Aufwärtstrend dort „befeuern“.

Sie sehen: Die Gesetze von Angebot und Nachfrage – ausgedrückt durch die Charttechnik – helfen Ihnen dabei, an den Börsen mit höherer Wahrscheinlichkeit erfolgreich zu sein, als wenn Sie Lotto oder Roulette spielen.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.