Lotto24-Aktie: Übernahmeangebot sorgt für Wirbel auf Markt für Onlinewetten

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Lotto24-Aktie: Übernahmeangebot sorgt für Wirbel auf Markt für Onlinewetten (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Neuer Schwung kommt in den Online-Lottomarkt. Überraschend hat die auf Onlinewetten und Lotterien spezialisierte Zeal Network ein Übernahmeangebot für den Hamburger Konzern Lotto24 vorgelegt. Während die Lotto24-Papiere gut 4% nach oben kletterten, sackten die Zeal Network-Aktien um 10% in den Keller.

Damit geht die Kursentwicklung beider Firmen weiter auseinander und könnte auf lange Sicht kaum unterschiedlicher sein. Während Lotto24 im zurückliegenden Fünfjahreszeitraum um 230% an Wert zugelegt hat, ist der Börsenwert von Zeal Networks um mehr als 60% geschrumpft.

Wer hinter Lotto24 steckt

Die Lotto24 AG ist ein deutsches Unternehmen und Anbieter staatlicher Lotterien im Internet. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet und vermittelt innerhalb Deutschlands Spielscheine der 16 staatlichen Landeslotteriegesellschaften. Als einer der ersten privaten Anbieter erhielt Lotto24 im September 2012 die staatliche Erlaubnis für den Lotterievertrieb im Internet, der im März 2013 die Werbeerlaubnis für TV und das Internet folgte. Beide Erlaubnisse wurden 2017 verlängert.

Lotto24 vertreibt die staatlichen Lotterien Lotto 6 aus 49, Spiel 77, Super 6, EuroJackpot, Glücksspirale, Spielgemeinschaften, Keno, Deutsche Fernsehlotterie und die Deutsche Weihnachtslotterie.

Solide Wachstumsstory

Mit seiner Positionierung als Marktführer in Deutschland ist Lotto24 in den vergangenen Jahren stark gewachsen, wenn auch von kleinem Niveau aus. Seit 2013 kletterten die Umsätze von 2,76 auf 25,22 Millionen Euro im letzten Jahr. In 2017 gelang übrigens erstmalig der Sprung in die Gewinnzone. Mit einem Jahresgewinn von 2,53 Millionen Euro erzielten die Hamburger eine Gewinnspanne von gut 10%.

Tauschangebot für Lotto24-Aktien

Im Rahmen des freiwilligen Übernahmeangebots durch Zeal Network wird es ein Tauschangebot geben. Vorbehaltlich der endgültigen Bestimmung der Mindestpreise sollen Lotto24-Anleger je 1,6 eingereichten Aktien eine neue Zeal-Aktie erhalten. Das Umtauschverhältnis soll damit dem Verhältnis der volumengewichteten Durchschnittskurse der Aktien beider Gesellschaften während der letzten drei Monate vor dem heutigen Tag entsprechen.

Mit der Übernahmeofferte wird der Lotto24-Konzern mit rund 325 Millionen Euro bewertet. Zeal selbst ist nach dem Kurssturz nur noch 180 Millionen Euro schwer.

65% der Aktien bereits sicher

Dabei haben bereits zahlreiche Großaktionäre ihre Zustimmung gegeben. Darunter auch die Günther Gruppe, die Working Capital Group sowie der Aufsichtsrat Jens Schumann. Laut Firmenangaben hat sich Zeal damit bereits 65% aller ausstehenden Firmenanteile gesichert. Damit wäre bereits die Mindestannahmequote von 50% + eine Aktie erreicht.

Mehr als 5 Millionen Kunden

Wenn der geplante Zusammenschluss durchgeht, entsteht ein neuer starker Spieler auf dem deutschen Lottomarkt. Immerhin würde durch die Fusion eine digitale Lotteriegruppe mit mehr als 5 Millionen Kunden und einem Transaktionsvolumen von rund einer halben Milliarde Euro entstehen.

Zudem hofft das Unternehmen, mit der Einstellung der Zweitlotterie die deutschen Lotteriegesellschaften und Bundesländer milder zu stimmen. Der Firmensitz von Zeal soll nämlich wieder von Großbritannien nach Deutschland verlegt werden. Die Einnahmen aus den verkauften Lottoscheinen gehen dann wieder an den Staat und gemeinnützige Zwecke.

Mit der Aufgabe der Zweitlotterie und anderer Produkte verliert Zeal zwar zunächst 107 Millionen Euro Umsatz, zugleich fallen aber auch Kosten in Höhe von 57 Millionen weg, da die teure Versicherung gegen hohe Gewinne wegfällt.

Prognose gesenkt

Im Zuge des vorgelegten Übernahmeangebots hat die Konzernführung von Zeal Networks auch gleich die Jahresprognose angepasst. Das Vorsteuerergebnis soll nun zwischen 33 und 38 Millionen Euro liegen. Bislang ging der Konzern noch von 33 bis 43 Millionen Euro aus. Der Grund liegt in den Transaktionskosten und Restrukturierungsaufwendungen, die aus dem gerade aufgelegten Sparprogramm resultieren.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.