LPKF-Aktie: Großaktionär nutzt gelungenen Turnaround und versilbert Aktienpaket

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Ein Großaktionär von Laserspezialist LPKF Laser schmeißt 7 Millionen Aktien auf den Markt und versilbert seine letzte Industriebeteiligung. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die LPKF Laser-Aktie gehört zu den Papieren am Markt, die den Pandemie-bedingten Rücksetzer längst wieder ausgebügelt haben. Seit dem Jahreswechsel liegen die Anleger mit der Aktie rund 30% im Gewinn und das trotz des jüngsten Rücksetzers, der die Anteilscheine von knapp 25 Euro bis auf unter 21 Euro nach unten gedrückt hat. Grund der Kursdelle war der Ausstieg des langjährigen Asset Managers Bantleon, der nach dem gelungenen Turnaround seine letzte industrielle Beteiligung veräußert hat.

Mit Lasersystemen zum Erfolg

Falls Sie den Laserspezialisten mit über 600 Mitarbeitern noch nicht kennen: LPKF Laser & Electronics AG (die Abkürzung steht für ‘Leiterplatten-Kopierfräsen’) ist ein deutscher Hersteller von Maschinen und Lasersystemen zur Mikromaterialbearbeitung. Diese kommen in der Elektronikfertigung, der Medizintechnik, der Automobilbranche und im Solarbereich zum Einsatz. Zentrales Element der Systeme ist ein Laserstrahl, der zur Bearbeitung von Oberflächen eingesetzt wird. Kunden verwenden diese Technologie zum einen bei der Entwicklung und Bearbeitung von Leiterplatten. Zum anderen setzen immer mehr Produzenten auf Laseranlagen, die zum Teil herkömmliche Produktionsverfahren ablösen.

LPKF mit ereignisreicher Unternehmensgeschichte

Nachdem der Konzern bis 2014 auf der Erfolgswelle surfte, folgte für LPKF eine schwere Zeit. Das einstige Wachstumsgeschäft der früheren Jahre, die LDS-Sparte, brach regelrecht weg. Mit den LDS-Maschinen lasern Leiterbahnen direkt auf Kunststoff auf – eine platzsparende Technologie, die vor allem von Handy- und Tablet-Produzenten genutzt wird. Hier wurden in den Vorjahren so viele Maschinen abgesetzt, dass jetzt schlichtweg kein Bedarf mehr für neue Geräte vorhanden war.

Der Umsatzrückgang in diesem Bereich konnte auch durch ein anziehendes Geschäft mit Systemen zum Schneiden von Leiterplatten nicht ausgeglichen werden. Unterm Strich rutschte der Konzern in die roten Zahlen und musste 2015 und 2016 zum ersten Mal in der mehr als 40-jährigen Firmengeschichte einen Verlust verbuchen.

Turnaround geglückt – Margen steigen wieder an

Doch mit striktem Kostenmanagement und einer Diversifizierung auf noch breitere Abnehmerbranchen gelang dem Garbsener Konzern ein eindrucksvoller Turnaround. Seit 2017 schreibt der Laserspezialist wieder schwarze Zahlen und die Gewinnspanne erhöhte sich von 1,13 auf 9,39% im zurückliegenden Geschäftsjahr.

Wachstumsdelle im Startquartal – langfristiges aber profitables Wachstum

Im Startquartal gingen die Umsätze allerdings deutlich um 46% auf 19,5 Millionen Euro zurück und das Vorsteuerergebnis rutschte von 8,5 auf -2,4 Millionen Euro in den Keller. Aber Sie müssen wissen, dass der Rückgang zum Großteil auf das saisonale Timing von Großaufträgen der beiden größten Kunden des Konzerns zurückzuführen war. Die Covid-19-Pandemie hat bislang nur geringfügige Auswirkungen.

Entsprechend zuversichtlich zeigt sich Firmenboss Dr. Götz Bendele. Bereits im zweiten Quartal erwartet er wieder einen deutlich höheren Umsatz und ein positives Ergebnis. Für die folgenden Jahre erwartet das Unternehmen weiterhin ein nachhaltiges, profitables Wachstum in allen Geschäftsbereichen und für das Jahr 2024 einen Konzernumsatz von über 360 Millionen Euro sowie eine EBIT-Marge von mindestens 25%. Für Sie zum Vergleich: Im Rekordjahr 2019 gingen Umsätze in Höhe von 155,6 Millionen Euro durch die Bücher und die EBIT-Marge lag bei 13,97%.

Bantleon macht Kasse

In der zurückliegenden Woche kam es dann zu einer für viele Marktteilnehmer unerwarteten Veränderung im Aktionärskreis. Der Großaktionär Bantleon gab bekannt, sich von seinem Anteil zu trennen. Der Schweizer Vermögensverwalter hielt mit der Beteiligungsgesellschaft German Technology AG 18,2% aller Anteile – weitere 10,4% wurden von Jörg Bantleon, dem Gründer und Eigentümer der Bantleon Gruppe gehalten. Insgesamt wurden also 7 Millionen Aktien zu 20,10 Euro je Stück bei institutionellen Investoren platziert.

Nicht zum Zuge soll ein strategischer Investor aus den USA kommen, mit dem bis zuletzt Gespräche geführt worden waren. Damit würde sich Bantelon von seiner letzten Industriebeteiligung trennen und künftig wieder komplett auf das institutionelle Asset Management konzentrieren.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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