Luftfahrt-Aktien: Eine Branche mit Turbulenzen

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Während die weltweite Nachfrage nach Flügen konstant steigt, machen anziehende Kerosinpreise und ein aggressiver Konkurrenzkampf vor allem den Billigfliegern das Leben schwer. (Foto: IlkerErgun / Shutterstock.com)

Die gesamte Branche kämpft seit geraumer Zeit mit Herausforderungen. Während die weltweite Nachfrage nach Flügen konstant steigt, machen anziehende Kerosinpreise und ein aggressiver Konkurrenzkampf vor allem den Billigfliegern das Leben schwer.

Erfolgsverwöhnte Billiganbieter wie easyJet oder Ryanair haben allein in den vergangenen 12 Monaten mehr als ein Drittel ihres Marktwertes eingebüßt. Die enorm günstigen Ticketpreise und die damit sehr niedrigen Margen erlauben kaum Spielraum bei wirtschaftlichen Schlechtwetterlagen.

Die Konjunktur kühlt ab

Und genau damit kämpfen momentan europäische Fluggesellschaften, so Marc Förstemann, Experte für die Luftfahrtbranche bei Ernst & Young. Aufgrund der sich eintrübenden Konjunktur sparen die Unternehmen bei den Reisekosten. Die Absätze von Business-Class-Tickets mit hohen Margen gehen zurück, und die Gesamtprofitabilität sinkt. Zusätzlich haben im 1. Halbjahr so gut wie alle Fluggesellschaften von steigenden Kosten auf breiter Front berichtet. Am schwierigsten zu verdauen sind Kerosin- und Personalkosten.

Harte Verhandlungen: Höherer Lohn oder Streik?

Airlines weltweit stocken ihre Flotte auf. Der Bedarf nach Flugpersonal steigt seit Jahren. Mit steigender Nachfrage steigt auch die Verhandlungsmacht, die Piloten und Flugpersonal an den Verhandlungstisch mitbringen. Gerade zu Hauptreisezeiten wie Sommer- und Weihnachtsferien nutzen die Gewerkschaften das herausfordernde Tagesgeschäft als Verhandlungsgrundlage. Die Gewerkschaft vida drohte vor Kurzem mit einem Airline-Generalstreik, sollte den Forderungen nicht zugestimmt werden. Die Folgen zeichnen sich ab.

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Im 1. Halbjahr sind die Personalkosten der von uns betrachteten Unternehmen im Schnitt um 10 bis 15% gestiegen. Die Personalkosten zählen neben den Treibstoffpreisen zu den ausschlaggebenden Faktoren. Dieser Zusatzaufwand fällt dementsprechend ins Gewicht.

Steigende Marktpreise führen nicht zu höheren Kosten

Die Marktpreise für Kerosin sind im 1. Halbjahr um durchschnittlich 17% gestiegen. Bereinigt um Absatz- und Ticketpreiseffekte gingen die Auswirkungen der Preisanstiege aber je nach Fluglinie markant auseinander. Während easyJets absatzbereinigte Treibstoffausgaben mit einem Plus von 24% deutlich über dem Marktanstieg lagen schaffte es SWA sogar, die Kosten zu senken. Einerseits führt die Modernisierung der Flugzeugflotte zu einem niedrigeren Verbrauch. Andererseits ist SWA für das geschickte Hedging der Kerosinpreise bekannt. Höhere Marktpreise führen also nicht unmittelbar zu höheren Kosten.

Boeing 737 MAX steht nach wie vor am Boden

Die Luftfahrtbranche hat mit offenen Armen auf die neue Boeing 737 MAX gewartet. Doch nachdem bei zwei Unfällen innerhalb von einem halben Jahr 346 Menschen ums Leben gekommen sind, verhängte die amerikanische Flugbehörde ein weltweites Startverbot, das nach wie vor andauert.

SWA Airlines rechnet damit, die 34 Boeings 737 MAX 8 ab Januar 2020 wieder in Betrieb nehmen zu dürfen. Andere Fluglinien gehen vom Ende des 1. Quartals 2020 aus. Die Auswirkungen auf die Branche sind jedenfalls enorm. Je nach Fluglinie machen die Problemflieger 5 bis 10% der Gesamtflotte aus. Diese müssen durch Leasing oder Ersatzmaschinen ausgeglichen werden. Wie viel der Zusatzkosten schlussendlich an Boeing weiterverrechnet werden können, ist noch nicht klar.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.