Luftfahrt am Boden

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Flugzeuge kosten auch Geld, wenn sie nicht fliegen, denn die Flughäfen lassen sich die Standzeit von Flugzeugen teuer bezahlen. (Foto: Markus Mainka / shutterstock.com)

Airlines haben es schwer, Kosten zu reduzieren. Flughäfen lassen sich die Standzeit von Flugzeugen teuer bezahlen. Durchschnittlich verlangen Großflughäfen bis zu 250 € Standgebühr pro Stunde. Bei Lufthansa waren teilweise 580 der 763 Flugzeuge dauerhaft am Boden. Rettung versprachen nicht nur deutsche Flughäfen und ungenutzte Flächen wie beim Flughafen BER.

Ein Teil der Flotte wurde in Wüstengebieten untergebracht. Einige Flugzeuge gingen ins jordanische Amman oder auch an den Flughafen Teruel in Valencia. Ein warmes Klima und wenig Niederschlag eignen sich besonders für das Parken von Flugzeugen und verringern so Standschäden.

Flugzeuge müssen auch im Stand weiterhin gewartet werden, um den hohen Ansprüchen an Sicherheit und Verkehrstauglichkeit gerecht zu werden. Eine Liquidation der Flugzeuge kommt auch nicht infrage, weil es derzeit kaum noch Käufer gibt. Und die Flotte zu sehr zu reduzieren, schwächt die Marktposition gegenüber der Konkurrenz.

Ryanair sieht beispielsweise genau hier eine Chance und will mit einer aggressiven Strategie das eigene Flugnetz stark erweitern. Als einzige Möglichkeit, die Corona-Krise zu überwinden, bleibt für viele Fluggesellschaften die Aufnahme immenser Summen an Kapital.

Warren Buffett verkauft Fluggesellschaften

Für viel Aufsehen sorgte die Entscheidung von Warren Buffett, alle Beteiligungen an Fluggesellschaften zu verkaufen. Warren Buffett startete seine Airline-Investments 2015. Als Value-Investor sah er solide Unternehmen mit guten Cashflows und wenig Risiko. Er schätzte, dass die Fluggesellschaften ohne Probleme überleben könnten, selbst wenn sie im worst case 50 bis 60% ihres Passagieraufkommens in einer Rezession kurzfristig verlieren würden.

Doch selbst Buffett konnte nicht mit Auswirkungen im Ausmaß der Corona-Pandemie rechnen. Für Buffett leiden manche Sparten einfach zu stark unter der Pandemie, und das sorgt bei ihm für Unsicherheiten. Die Fluggesellschaften haben den Nachteil, dass sie weiterhin kapitalintensive Flugzeuge besitzen, selbst wenn das Passagieraufkommen plötzlich um 70 oder 80% sinkt. Auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway im Mai machte er deutlich, dass diese Unsicherheiten für ihn zu groß sind. Deshalb entschied er sich, die Anteile aller vier Airlines, die er bis zur Pandemie hielt, zu verkaufen.

Dabei handelt es sich um American Airlines, Delta, Southwest Airlines und United Airlines. Buffett blieb seiner Linie treu und trennte sich dabei von allen Anteilen. Teilverkäufe kommen für ihn nicht infrage. Wenn er ein Unternehmen gut findet, dann kauft er so viel davon, wie er kriegen kann. Wenn er jedoch seine Meinung ändert, wird eben alles verkauft. Die Fehlspekulation mit den Airlines hat Buffett an die 5 Mrd. $ gekostet.

Das Überleben der Airlines hängt hauptsächlich davon ab, ob sie genug Kapital einsammeln können. Fluggesellschaften wie Germanwings und Sun Express gehören schon der Geschichte an. Selbst wenn die Airlines überleben, reduziert jedoch das aufgenommene Kapital den Wert der Unternehmen. Der Verkauf eigener Anteile verwässert den Wert für Aktionäre, und die künftigen Einnahmen verteilen sich auf mehr Anteile.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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