Luftfahrt am Boden: Lufthansa Aktie nach Quartalsbilanz auf Jahrestief

Lufthansa Flugzeug RED – shutterstock_577658362 Dawid Lech

Die Luftfahrtbranche ist von der Pandemie besonders betroffen. Die Lufthansa verhandelt über staatliche Hilfen, die Aktie hat sich halbiert. (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Die Lufthansa verhandelt zurzeit mit dem Bund über staatliche Hilfen. Wenige Monate nach Ausbruch der Corona-Pandemie steht die Traditionsairline andernfalls vor existenziellen Problemen.

So heißt es von Unternehmensseite, die Lufthansa verliere unter den aktuellen Bedingungen pro Stunde rund eine Million Euro – kein Wunder, denn Maschinen, die am Boden stehen, verursachen Kosten, ohne Gewinne zu erwirtschaften, und die Cockpit- und Kabinencrews der Lufthansa zählen zu den tariflich Bessergestellten innerhalb der Branche.

Lufthansa Flotte am Boden

Mehr als 90 Prozent der Flugzeugflotte steht seit mehreren Wochen am Boden. Die weltweite Reisewarnung, die die Bundesregierung im Zuge der Lockdown-Maßnahmen im März ausgesprochen hat, ist weiterhin gültig – und soll nun wohl bis in den Juni hinein verlängert werden.

Das bedeutet erhebliche Reisebeschränkungen, von denen die Luftfahrtbranche besonders betroffen ist. Das Ausmaß des Dramas wurde zuletzt deutlich, als die Lufthansa vor wenigen Tagen ihre Bilanz für das erste Quartal vorlegte.

Milliardenverlust im ersten Quartal

Die Wintermonate laufen traditionell schwach, werden aber normalerweise durch stärkere Reiseaktivitäten im Sommer mehr als ausgeglichen. In diesem Jahr dürfte das anders sein. Bereits zum Jahresauftakt weiteten sich die Verluste erheblich aus. Das operative Minus, das im Vorjahreszeitraum noch bei 336 Millionen Euro gelegen hatte, beläuft sich in diesem Jahr auf 1,2 Milliarden Euro.

Ein Großteil der Verluste entfällt auf den Monat März, als die drastischen Beschränkungen weltweit reihum in Kraft gesetzt wurden. Im Januar und Februar lief das Geschäft zwar schwach, aber noch auf einigermaßen normalem Niveau.

Für das zweite Quartal rechnet die Lufthansa dementsprechend mit weitaus herberen Verlusten – immerhin schlägt die Coronakrise jetzt voll durch. Die Flieger werden voraussichtlich das gesamte Quartal kaum zum Einsatz kommen.

Verhandlungen über Staatshilfen laufen

Über ihre Tochtergesellschaften ist die Lufthansa auch in Belgien, Österreich und der Schweiz vertreten. Auch dort wird, ähnlich wie in Berlin, über staatliche Kapitalspritzen verhandelt, wobei noch offen ist, welches Modell zur Anwendung kommen soll.

Im Gespräch sind Bürgschaften oder Kreditlinien, mit denen die Lufthansa neue Schulden aufnehmen könnte, um sich durch die Krisenmonate zu retten. Zur Diskussion stehen aber auch direkte staatliche Beteiligungen – ob in stiller Form oder als Großaktionär mit Mitspracherecht ist noch nicht entschieden.

Lufthansa Aktie markiert Jahrestief

Die Lufthansa Aktie hat sich in den vergangenen Monaten halbiert. Ihr Jahrestief von 7,03 Euro markierte sie unmittelbar nach Vorlage der Quartalszahlen in der vergangenen Woche. Seither hat sich der Kurs – wie die meisten Dax-Werte – wieder etwas erholen können. Doch mit Blick auf das laufende zweite Quartal könnte ein weiterer Erdrutsch noch bevorstehen.

Nicht nur die Lufthansa steht mit dem Rücken zur Wand. Auch die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM nimmt staatliche Unterstützung in Anspruch, um liquide zu bleiben. In den USA trifft es neben den Fluggesellschaften vor allem den Flugzeughersteller Boeing besonders hart. Als einer der größten Arbeitgeber des Landes steht auch Boeing weit oben auf der Agenda für staatliche Hilfen.

 

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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