Luftfahrt-Industrie: Offensichtlicher Deal mit 20%-Prämie

Übernahme-Spekulanten, die den französischen Markt im Blick haben, konnten sich in dieser Woche gleich 2x freuen:

Nachdem am Montag bereits die Fusion von Luxottica und Essilor für steigende Kurse sorgte, ist es heute die Aktie des Luftfahrt-Zulieferers Zodiac, die abhebt.

Denn das Unternehmen hat eine Übernahme-Offerte des größeren französischen Rivalen Safran erhalten, die eine stattliche Prämie auf den Börsenkurs mit sich bringt.

Und diese Prämie zu erhalten, war dabei gar nicht so schwer:

Verschiedene Anzeichen machten die Suche für Übernahme-Jäger einfach

Durch die Luftfahrt-Zulieferer-Industrie rollt eine Übernahme-Welle: Nach mehreren kleineren Deal-Ankündigungen ging die Konsolidierung auch unter den Milliarden-Konzernen weiter.

So wurde Mitte 2016 in den USA der Zulieferer BE Aerospace (Flugzeug-Küchen) von Rockwell International übernommen.

Im Zuge des Deals fiel auch immer wieder der große Sinn einer Vereinigung der beiden französischen Unternehmen Safran und Zodiac.

Gerüchte, dass die beiden einen Schulterschluss planen, gab es sogar schon vor dem Deal – nicht zuletzt, weil die beiden Parteien schon einmal an einem Deal gefeilt hatten.

Als dann Rockwell im Vorjahr mit der BE Aerospace-Übernahme die Branchen-konsolidierung weiter anheizte, wurde die Übernahme des direkten Konkurrenten Zodiac sehr wahrscheinlich.

Neben dem gestiegenen Konsolidierungsdruck und mehreren Gewinn-Warnungen sprachen zuletzt auch jüngst Übernahme-freundliche Töne aus dem Management für einen Deal.

Diese verwunderten, denn Zodiac galt über Jahre aufgrund der Aktionärs-Struktur und einer Staatsbeteiligung als nicht kaufbar.

Aktie des Übernahme-Kandidaten reagiert mit 20%-Plus

Mit Aufkommen der ersten Übernahme-Gerüchte im April 2016, stieg der Zodiac-Aktienkurs um 23% auf 21 €. Wer daraufhin in das potenzielle Übernahme-Ziel investierte, wird jetzt belohnt.

Denn die beiden Parteien handelten für Privat-Anleger als Übernahme-Preis 29,47 € je Aktie in bar aus. Der Kursaufschlag gegenüber dem Schlusskurs von gestern beträgt hohe 26,4%.

Erneut hat es sich gelohnt, heißen Übernahme-Gerüchten auch nach dem ersten Kurssprung zu folgen.

Heute wird die Aktie mit 28,40 € gehandelt, also knapp 4% unter dem Angebots-Preis.

Die geringe Lücke von Börsenkurs und Angebots-Preis zeigt Ihnen, dass der Deal aus Sicht der Investoren sehr sicher ist – gleichwohl die Deal-Struktur aus Sicht des Übernahme-Sensors Fragen aufwirft.

Aktie des Bieters gibt frühe Gewinne wieder ab: Branche bleibt schwierig

Der insgesamt 8,5 Mrd. € schwere Deal katapultiert die Franzosen in die erste Liga der Flugzeug-Zulieferer. Gemeinsam wird das Unternehmen über 20 Mrd. € Umsatz auf die Waage bringen.

Das Synergie-Potenzial wird mit 200 Mio. € jährlich angegeben und der Kauf soll sich direkt positiv auf den Gewinn auswirken.

Dies ließ dann auch am Morgen die Aktionäre zugreifen, doch im weiteren Handelsverlauf schwand die Zuversicht, dass der Deal überaus positiv ist.

Der Übernahme-Preis gilt zwar mit Blick auf die nackten Zahlen als nicht überteuert, doch Zodiac hat Probleme und ist erst auf dem mühsamen Weg der Besserung.

Gut möglich, dass die Genesung länger dauert als angenommen wird da auch trotz der Konsolidierungs-Welle die Branche schwierig bleibt…

19. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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