Lufthansa-Aktie bleibt riskantes Wagnis

Die Luft wird immer dünner für die Lufthansa. An zahlreichen Fronten kämpft die Traditionsairline mit Problemen.

Beherrschende Themen der ersten Jahreshälfte waren einerseits die Pilotenstreiks der Vereinigung Cockpit, die bereits im vergangenen Jahr für tagelange Flugausfälle gesorgt und dem Unternehmen Schäden in Millionenhöhe beschert hatten.

Germanwings-Absturz dominiert das erste Halbjahr

Andererseits stürzte die Germanwings-Katastrophe im Frühjahr die Lufthansa in eine Krise. Zwar ging der Absturz des Flugzeugs der Billigtochter nicht auf mangelnde Wartung oder technische Defizite zurück, sondern – nach bisherigem Stand der Ermittlungen – auf einen suizidalen Co-Piloten. Doch neuerdings muss sich die Lufthansa Fragen gefallen lassen, wie zuverlässig ihre Testverfahren sind, mit denen Piloten ihre Flugtauglichkeit bescheinigt wird.

Einen allzu großen Imageschaden konnte die Lufthansa immerhin durch ihr gutes Krisenmanagement in den ersten Tagen nach dem Absturz vermeiden. Ein nachhaltiger Vertrauensverlust der Passagiere in die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Lufthansa und ihrer Tochtergesellschaft wäre der Worst Case für Fluggesellschaft.

Das Absturzdrama in den französischen Alpen hat für einige Wochen die Schlagzeilen dominiert und viele andere Probleme vorübergehend in den Hintergrund rücken lassen. Nach und nach rücken diese nun allerdings wieder auf die Agenda, denn noch immer steht die Lufthansa vor zahlreichen ungelösten Problemen, die bereits seit längerem bestehen und nur zum Teil hausgemacht sind.

Starke Konkurrenz im Billig-, Luxus- und Frachtsektor

So hat der Dax-Konzern bereits seit Jahren mit zunehmender Konkurrenz zu kämpfen. Sowohl europäische Billigairlines wie Easyjet oder Ryanair als auch arabische und asiatische Luxusanbieter wie Etihad, Qatar oder Emirates nehmen die Lufthansa in die Zange. Dadurch verliert sie sowohl im lukrativen Geschäftskundensegment als auch im günstig orientierten Massentourismusgeschäft Passagiere.

Doch nicht nur die Passagierzahlen bereiten den Managern um Konzernchef Carsten Spohr Sorgenfalten. Auch das stark konjunkturabhängige Frachtgeschäft liegt zunehmend in arabischer Hand. Die Airlines aus dem Nahen Osten müssen weder Streiks ihrer Belegschaften fürchten, noch haben sie an ihren Drehkreuzen mit Nachtflugverboten zu kämpfen, die an vielen europäischen Flughäfen zunehmend ausgeweitet werden.

Einen Wettbewerbsvorteil sehen Branchenkenner allerdings in der bewährten Qualität und Zuverlässigkeit der Lufthansa, die dafür sorgen, dass deutsche Exportfirmen trotz teils höherer Preise häufig auf die ehemalige Staatsairline zurückgreifen.

Aktie verliert mehr als 25 Prozent an Wert

Anleger zeigten sich zuletzt allerdings skeptisch. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um mehr als 25 Prozent ihres Wertes eingebüßt und wurde zuletzt zu einem Kurs von knapp 12 Euro gehandelt.

2015-06-19 Lufthansa

Auch Analysten schlagen zunehmend Alarm. Gab es im Mai noch mehrere Kaufempfehlungen mit Kurszielen von bis zu 18 Euro, raten neuere Studien seit Anfang Juni eher zum Verkauf. Sie sehen die Bewertung bei teilweise nur noch 11 Euro.

In jedem Fall wird die Lufthansa in den kommenden Monaten zeigen müssen, ob sie in der Lage ist, Sparmaßnahmen, Investitionen und Wachstumsstrategien in Einklang zu bringen, um weder im Passagier- noch im Frachtgeschäft den Anschluss zu verlieren.

19. Juni 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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