Lufthansa-Aktie nach Streikwelle weiter unter Druck

Die Gräben sind tief bei der Lufthansa, und in den vergangenen Tagen wurden sie wohl noch etwas tiefer:

Die Airline streitet mit der Interessen-Vertretung der Piloten, Vereinigung Cockpit, um Gehälter und Pensions-Regelungen.

Zumindest vordergründig geht es um derlei Themen, wegen derer schon etliche Berufsgruppen die Arbeit zeitweise niederlegten und auf die Straßen gingen.

Bei der Lufthansa aber nimmt das Ganze allmählich groteske Dimensionen an.

Gespaltene Belegschaft

Mehrere Jahre dauert der Arbeitskampf bereits an, begleitet von zahlreichen Streikwellen. Seit vergangener Woche Mittwoch kommt nun eine weitere hinzu:

An insgesamt 6 Tagen streikten die Piloten und verursachten so mehr als 4.000 Flugausfälle. Gut 1/2 Mio. Passagiere waren betroffen.

Das geht inzwischen nicht nur der Lufthansa-Führung zu weit, sondern auch den Kollegen etwa beim Bodenpersonal.

Parallel zu einer Kundgebung von Vereinigung Cockpit gingen hunderte Beschäftigte der Lufthansa auf die Straße und protestierten gegen den Arbeitskampf der Piloten.

Bei der ehemals staatlichen Traditions-Airline verlaufen die Gräben nicht mehr nur zwischen Konzernleitung und Belegschaft, sondern sie ziehen sich auch quer durch die Arbeitnehmer.

Das Klima ist vergiftet.

Streiks rechtlich abgesichert

Kritiker vermuten zudem, dass es den streikenden Piloten nicht unbedingt um ihre Vergütungs-Regelungen geht.

Sie wollen vielmehr die Pläne der Airline durchkreuzen, mit Eurowings eine Billig-Tochter mit Sitz in Österreich zu etablieren, wo aus Arbeitnehmersicht ungünstigere Tarifbedingungen möglich sind als in Deutschland.

Darüber hinaus wird moniert, dass die Piloten sich auf recht hohem Niveau beklagen angesichts ihrer üblichen Gehalts-Strukturen.

Dennoch: Die Arbeits-Niederlegung war rechtmäßig und vom Streikrecht gedeckt – das hat ein Gericht entschieden, das einen Eilantrag der Lufthansa gegen die jüngsten Streiks abgewiesen hat.

Inzwischen mischen sich auch Manager anderer deutscher Unternehmen in den Arbeitskampf ein.

So appellierte etwa Siemens-Chef Joe Kaeser vor wenigen Tagen an die Piloten, die Streiks zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um die „Marke Deutschland“, die nicht zuletzt für Zuverlässigkeit stehe, nicht zu beschädigen.

Und tatsächlich haben die Piloten ihre Forderungen mittlerweile etwas zurechtgestutzt und seitens der Lufthansa liegt ein neues Angebot vor.

Dieses wird von der Vereinigung Cockpit derzeit geprüft, weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen.

Lufthansa-Aktie unter Verkaufsdruck

Die Kosten des Arbeitskampfs liegen bereits jetzt im mehrstelligen Millionen-Bereich.

Die Lufthansa Aktie hat entsprechend der Nachrichtenlage in den vergangenen Tagen einen Zickzackkurs hingelegt. Unterm Strich stand am Donnerstag-Abend auf Wochensicht ein Minus von gut 4%.

Analysten wird das Treiben jedenfalls schon seit einiger Zeit zu bunt:

Massenweise senkten sie den Daumen und sprachen Verkaufs-Empfehlungen für die Lufthansa Aktie aus – wohl nicht zuletzt, weil befürchtet wird, dass die unendliche Geschichte auch mit der aktuellen Streikrunde noch nicht unbedingt ausgestanden ist.

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2. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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