Lufthansa enttäuscht Anleger

Bei der Hauptversammlung der Lufthansa ging es um das Geschäftsjahr 2015.

Damit war auch der Absturz der Germanwings-Maschine nach mehr als 1 Jahr wieder sehr präsent.

Im März 2015 war ein Airbus der Lufthansa-Tochter auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt.

Der Co-Pilot hatte die Maschine offenbar in suizidaler Absicht gegen ein Bergmassiv gelenkt, es gab keine Überlebenden.

Angesichts einer solchen Tragödie fiel es den Beteiligten verständlicherweise schwer, zum Tagesgeschäft überzugehen. Und doch wurde auch viel über Zahlen, Fakten, Bilanzen und Probleme gesprochen.

Tarif-Konflikt noch immer nicht gelöst

Als zentrale Herausforderung gilt nach wie vor der Tarif-Konflikt, der seit mittlerweile 4 Jahren zwischen dem Management und dem fliegenden Personal tobt.

Die Lufthansa plant eine Reform der Alters-Bezüge, die Piloten und ihre Gewerkschaften stemmen sich dagegen.

Aktionärs-Vertreter stellten sich bei der Hauptversammlung hinter die Konzern-Führung und forderten Einschnitte, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Kranich-Airline sicherzustellen.

Seit Jahren wächst der Konkurrenzdruck, weil einerseits immer mehr Billig-Flieger an den Start gehen und andererseits Premium-Airlines aus dem arabischen Raum die zahlungskräftigere Kundschaft bedienen.

Irgendwo dazwischen hat sich die Lufthansa platziert und reibt sich auf zwischen beiden Polen:

Sie kann weder bei den Preisen von Easy Jet oder Ryanair mithalten, noch erfüllt sie so hohe Luxus-Standards wie beispielsweise Emirates. Seit Jahren bemüht sich der ehemalige Staatskonzern, beide Richtungen zu stärken.

Lufthansa profitiert von Ölpreis- und Währungs-Effekten

Dass das abgelaufene Geschäftsjahr Rekordzahlen hervorbrachte, ist aber eher äußeren Umständen geschuldet.

V. a. der niedrige Ölpreis und die damit stark gesunkenen Kerosin-Kosten schlagen sich in der Bilanz positiv nieder.

Mahnende Stimmen auf der Hauptversammlung gaben jedoch zu bedenken, dass Ölpreis- und Währungs-Effekte nicht unbedingt von langfristiger Dauer sind und daher keine zu starke Rolle einnehmen sollten in der Kosten-Strategie der Lufthansa.

Zudem befürchten die Anleger weitere Streiks, die auch die Konzern-Führung um Carsten Spohr nicht ausschließt.

Aktuell wird allerdings noch verhandelt, es gilt jedoch als nicht sehr wahrscheinlich, dass es allzu schnell zu einer Lösung im Tarif-Konflikt kommen wird.

Anleger enttäuscht über Quartals-Bilanz

Im Zuge der Quartals-Bilanz, die Anfang Mai vorgelegt wurde, gab es keine größeren Überraschungen:

Unterm Strich fuhr die Lufthansa hier einen Verlust in Höhe von 8 Mio. € ein, was im Winter-Quartal jedoch nicht ungewöhnlich ist:

Gewinne werden v. a. in Q2 und Q3 eingefahren, also während der Hauptreisezeit in den Sommer-Monaten.

Die Airline bestätigte daher ihren Jahres-Ausblick: Für 2016 rechnet die Lufthansa mit einem bereinigten Ebit, das leicht über dem Vorjahreswert von 1,8 Mrd. € liegen soll.

Noch unklar sind indes die Kosten und Ausfälle, die durch weitere Streiktage entstehen können.

In der Vergangenheit schlugen diese schon einmal mit rund 80 Mio. € zu Buche – es ist also schon allein aus Bilanz-Gründen im Interesse der Lufthansa, den Konflikt bald beizulegen.

Aktionäre zeigten sich von den jüngsten Zahlen enttäuscht, die Aktie gab zuletzt deutlich nach und verlor innerhalb einer Woche mehr als 8%. Zuletzt kostete das Papier rund 12,50 €.

Analysten gehen jedoch trotz der genannten Herausforderungen von einem Kursanstieg von durchschnittlich gut 20% aus. Empfehlungen, die Aktie zu kaufen oder zu halten hielten sich zuletzt die Waage.

2016-05-06 Lufthansa

7. Mai 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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