Lufthansa ist auch im dritten Quartal schwer defizitär

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Der gelbe Kranich muss Federn lassen: Die Lufthansa bleibt auch im dritten Quartal schwer defizitär. (Foto: nitpicker/Shutterstock)

Wenn Sie in den letzten Wochen in den Himmel kuckten, ist Ihnen vermutlich etwas aufgefallen: Dass dort keine Kondensstreifen mehr zu sehen waren. Weil die Menschen sich aus Angst vor einer Corona-Ansteckung nicht mehr mit fremden Menschen in einen abgeschlossenen Raum wie ein Flugzeug setzen wollen, haben alle Fluggesellschaften ihre Flugpläne auf ein notwendiges Minimum zusammengestrichen.

Dramatische Verluste im dritten Quartal

Welche Folgen dies haben kann, hat gestern Lufthansa einmal mehr eindrucksvoll bewiesen. Wie nicht anders zu erwarten war, hat die Coronakrise die Ergebnisentwicklung der Lufthansa Group auch im dritten Quartal des Jahres 2020 erheblich belastet. Nach vorläufigen Zahlen lag der bereinigte operative Verlust im dritten Quartal bei 1,262 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr konnte Lufthansa im dritten Quartal noch einen Gewinn in Höhe von 1,297 Milliarden Euro erzielen.

Und das, obwohl die Verluste infolge einer begrenzten Ausweitung des Flugplans in den Sommermonaten Juli und August und nach Durchführung erheblicher Kostensenkungsmaßnahmen gegenüber dem zweiten Quartal deutlich verringert werden konnten. Nach neun Monaten summierte sich der operative Verlust damit auf 4,161 Milliarden Euro, nachdem im vergleichbaren Vorjahreszeitraum noch ein operativer Gewinn von 1,715 Milliarden Euro erzielt worden war.

Auch massive Liquiditätsabflüsse

Verluste sind das eine, Liquiditätsabflüsse das andere. Sie können existenzbedrohend sein. Bei Lufthansa beliefen sie sich nach neun Monaten auf sage und schreibe 2,579 Milliarden Euro. Allein im dritten Quartal lag der bereinigte Liquiditätsabfluss bei 2,069 Milliarden Euro. Hintergrund des hohen Mittelabflusses im dritten Quartal waren Auszahlungen für Corona-bedingte Flugausfälle in Höhe von 2,0 Mrd. Euro.

Ein Blick auf das Liquiditätspolster zeigt, dass Lufthansa einen Liquiditätsabfluss in dieser Größenordnung nicht unendlich lange durchhalten können wird. Denn Ende September standen dem Konzern nach dem Einstieg des Bundes liquide Mittel in Höhe von 10,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Allerdings ist absehbar, dass angesichts der aktuellen Infektionszahlen und der damit verbundenen Reisebeschränkungen die Nachfrage nach Flugreisen in den kommenden Monaten voraussichtlich nochmals einbrechen wird.

Wettrennen bahnt sich an

Nun stellt sich die alles entscheidende Frage: Kann der Lufthansa-Vorstand die Kosten schneller senken als dass dem Unternehmen die Liquidität ausgeht? Unterschiedliche Maßnahmen zur Kostensenkung wurden gestern angekündigt, darunter das Schrumpfen der Flugkapazitäten auf ein Viertel der Vorjahreskapazität. Doch ob diese Maßnahmen ausreichen werden, die Corona-Pandemie zu überstehen, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Lufthansa-Aktionären stehen stürmische Zeiten bevor.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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